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„Mobile Payment Strategien sicher umsetzen“

Von Sven Korschinowski - 23. Mai 2015

Brauchen wir Mobile Payment? Wann sollte sich ein Händler damit beschäftigen? Werden die Kunden Mobile Payment auch nutzen? Es kreisen so viele Fragen rund um das Thema Mobile Payment.

Viel wurde in den letzten zwei Jahren über das Thema berichtet, diskutiert und geschrieben. Lange Zeit wurde eine Technik-Diskussion geführt: Ist NFC oder der QR-Code das Mittel der Wahl? Diese und ähnliche Fragestellungen lenken meines Erachtens von einer ganz grundsätzlichen Beobachtung ab. Wir sehen im eigenen Verhalten und in unserem sozialen Umfeld eine massive Veränderung beim Nutzen von mobilen Geräten, insbesondere von Smartphones. Dies ist durch Studien belegt. Diese begleiten uns in allen Bereichen des Alltags: Von der Kommunikation über Information hin zu Kaufentscheidungen. In diesem Kontext stellt sich dann auch die Frage des (mobilen) Bezahlens.

Handeln, aber überlegt

Händler sollten sich deshalb zunächst über die Strategie und Zielrichtung bei Mobile Payment im Klaren sein. Die Entwicklung einer solchen Strategie benötigt eine gewisse Zeit. Zunächst ist ein umfassender Marktblick erforderlich, ein Verständnis der Anbieter von technischen Lösungen sowie bestehender Angebote von Mitbewerbern. Daraus werden die unternehmensindividuellen Anforderungen abgeleitet, welche die Basis für die weiteren Überlegungen bilden.

Kundendaten sind wertvolles Gut

Ein großer Vorteil von Mobile Payment ist die Gewinnung von Kundendaten. Der Nutzen des Kunden sind maßgeschneiderte, profilbezogene Produktangebote. Außerdem eröffnen sich so weitere Möglichkeiten für den Händler wie z.B. Rabatte, Coupons und Mehrwertdienste. Der Händler kann auch die Möglichkeit nutzen, die Kundeninformationen mit einer Kundenkarte zu verknüpfen. Da das Thema Datenschutz zu Recht ein sehr sensibles ist, müssen bei der vertraglichen wie technischen Ausgestaltung die rechtlichen Belange im Vorfeld sorgsam geprüft werden. Wer die Daten seiner Kunden nutzen möchte, sollte an dieser Stelle auf den Grundsatz der Einwilligungserklärung zurückgreifen. So kann transparent  vereinbart werden, welche Daten der Händler auf welche Weise nutzen darf. Der Käufer muss am Ende die Wahl haben, ob er seine Daten für den Händler nutzbar machen will oder nicht.
Als Nächstes benötigt der Händler einen technischen Dienstleister. Die Auswahl eines sogenannten Payment Service Providers spielt bei der Umsetzung der Strategie eine entscheidende Rolle. Hier sollte der Schwerpunkt auf Leistungsspektren und Service-Umfang gelegt werden. Dabei muss die Daten- und Zugangssicherheit gewährleistet sein, denn ohne Datenschutz nehmen die Kunden das neue Angebot nicht an. In der Umsetzungsphase ist die Einbindung der Mobile Payment-Lösung in die IT-Architektur und die Sicherstellung einer 100%igen Verfügbarkeit der IT-Prozesse erforderlich.

Sicherheit und Prozesse im Griff haben

Stichworte sind Prüfung der Schnittstelle zu Kassen- und Warenwirtschaftssystemen wie auch IT-Security-Audits der Backend-Systeme (z.B. Pentests, Konfigurations-Reviews oder Prüfung der Datensicherheit und Transportwege). Zentral für die neuen Prozesse sind dabei Compliance-Checks: Es gilt, regulatorische Anforderungen sicher umzusetzen, Schwachstellen zu analysieren und das  Risikomanagement entsprechend zu erweitern.
Neben der technischen Provider-Anbindung sollte die Auswirkung auf Prozesse wie Treasury, Forderungs- und Mahnwesen überprüft werden. Denn nicht jeder Anbieter liefert die erforderlichen Informationen für eine adäquate, betriebswirtschaftliche Steuerung mit.
International tätigen Gruppen empfiehlt es sich, bei der Auswahl der Mobile Payment-Lösung und des Anbieters auf eine möglichst breite Abdeckung der Zielmärkte zu sehen. Damit wird die Komplexität vermindert und Standardisierung gefördert. Allerdings sind viele Angebote (noch) rein national ausgerichtet. In jedem Fall sollten die ab dem 1. Januar 2015 für den Bereich Mobile Payment geltenden neuen umsatzsteuerlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden, um Leistungsbeziehungen im Zusammenhang mit Mobile Payment zutreffend umsatzsteuerlich zu würdigen.

Die richtige Strategie richtet sich nach dem Händler

Entscheidend bei allen zuvor beschriebenen Schritten und Inhalten ist natürlich die Größe des Händlers. Für kleinere muss es letztlich für Mobile Payment „Plug & Play“-Lösungen geben. Hier braucht man nicht über ausgedehnte Strategien sprechen. Bei den großen wiederum sind diese Überlegungen eingebettet in gesamthafte Betrachtungen bei der Digitalisierung von Geschäftsmodellen und Omnikanal-Angeboten.
Für den Erfolg und das umfangreiche Nutzen von Mobile Payment sind zudem die Schulung der Mitarbeiter und die Bewerbung am Markt essentiell. Das Kassenpersonal muss die Bezahllösung kennen und möglichst dem Kunden nicht erklären müssen. Heute ist Umgekehrtes zu sehen. Ferner ist eine umfassende Bewerbung und Information wichtig. Das kann In-Store (z.B. Ansprache an der Kasse, Plakatierung) und in „Funk und Fernsehen“ erfolgen.
Smartphones und mobile Devices haben schon unser Leben verändert. Laut einer KPMG-Umfrage im letzten Herbst sind 42 Prozent aller Deutschen bereit, Mobile Payment künftig zu nutzen. Damit ist die Bereitschaft zum mobilen Bezahlen im Vergleich zu den Vorjahren immens gewachsen.

Smartphones haben unser Leben verändert, warum nicht auch das Bezahlen?

Es geht schließlich nicht darum, Bargeld und die Girocard abschaffen zu wollen. In Deutschland werden die traditionellen Bezahlmethoden am Point-of-Sale noch lange eine Rolle spielen. Die Rolle des Händlers und die Macht des Kunden verändern sich jedoch rapide. Mobile Payment ist dabei ein wichtiger Baustein.

 

Bildnachweis: Prykhodov via istockphoto.de

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