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paydirekt? Wir haben eine Meinung!

Von Rudolf Linsenbarth - 02. Dezember 2015

Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant bei COCUS Consulting GmbH.

Rudolf Linsenbarth
Senior Consultant
COCUS Consulting GmbH

In den sozialen Medien gibt es heiße Diskussionen, ob paydirekt nun ein Erfolg oder Rohrkrepierer wird. Vielleicht hilft zur Beantwortung dieser Frage ein Blick auf die weniger erfolgreichen Projekte der Deutschen Kreditwirtschaft: Girogo und Giropay. Im Unterschied zu denen hat man auf die kleine Vorsilbe „Giro-“ im Produktnamen verzichtet. Besonders wichtig aber ist: diesmal sind vor allem alle Banken dabei.
Die Sparkassen haben sich zu Beginn geziert und am Anfang auch wesentlich zu einer Kakophonie beigetragen. Nun, nach dem Holperstart ist das Produkt fertig, erste Händler sind angeschlossen und eine Bank nach der anderen geht live. Wird jetzt alles gut?
Die Banken werden auf jeden Fall weitere große Onlinehändler gewinnen. Entweder über einen attraktiven Preis, Werbekostenzuschüsse oder beides. Entscheidend für paydirekt ist es aber, ein relevantes Zahlverfahren zu werden. Der Handel nominiert und steuert, womit der Kunde bezahlt. Wie im Fall PayPal muss das nicht immer die billigste Bezahlvariante sein. Für den Onlinehändler zählt nur, ob das Bezahlverfahren zu mehr und schnelleren Kaufabschlüssen führt.
Es darf bezweifelt werden, ob die Banken die Probleme des E-Commerce wirklich verstanden haben. Der erste Mehrwert, den Niklas Bartelt, Geschäftsführer von paydirekt, in einem Interview genannt hatte, war die Kreditvergabe an paydirekt-Nutzer. Das ist kein Mehrwert für den Händler und auch nicht für den Bankkunden. Das ist die Bankendenke aus dem letzten Jahrhundert.
Die Probleme des OnlineHandels sind offensichtlich und heißen Amazon und Google. Es gilt: Google = Suchen und Amazon = Kaufen. Der Handel muss entweder in die äußerst ungeliebte Partnerschaft mit Amazon gehen oder Unsummen an Geldern an Google zahlen, um vom Kunden gefunden zu werden. Hier liegen die wirklichen Mehrwerte, die ein neues Zahlverfahren mitbringen muss!

 

Sven Korschinowski
Financial Services
KPMG AG

Banken sind nicht innovativ. Sagt man. Banken haben Mobile Payment verschlafen. Hört man. Banken werden mit Paypal nicht konkurrieren können. Liest man. Dann lasst es doch gleich ganz! Kann bzw. sollte das die Devise sein? Meiner Meinung nach nicht.
Ich finde es gut, dass heimische Finanzindustrie über alle Befindlichkeiten hinweg die Kraft gefunden hat, das Vorhaben und Produkt paydirekt auf den Weg zu bringen. Schließlich stellt der Zahlungsverkehr einen zentralen Pfeiler in der digitalen Transformation der Finanz-Ökosysteme dar.
Die Frage sollte freilich erlaubt sein, warum die Banken beim Mobile Payment mit Internet-Bezahlen starten und nicht im stationären Geschäft, wie Apple und Samsung. Aber auch die Banken in Großbritannien mit pay:m oder die Danske Bank in Dänemark mit MobilePay. eCommerce verspreche sich hier die höheren Wachstumsraten. Aber der gewählte Weg ist eine unternehmerische Entscheidung, die zu respektieren ist.
Kann das neue Gemeinschaftsprodukt paydirekt Paypal das Wasser reichen? Der Gigant aus San José hat einen vieljährigen Vorsprung, der sich in Produktreife, Akzeptanz und in erheblichem Marktanteil ausdrückt. paydirekt fokussiert sich (zunächst) nur auf Deutschland und bietet keine für den Kunden sichtbaren, sich unterscheidenden Features. Der Aspekt „Sicherheit und Vertrauen durch eine deutsche Bankenlösung“ dürfte für Kunden eher eine untergeordnete Rolle spielen und alleine kaum dafür sorgen können, dass sich eCommerce-Shopper kaum in großer Zahl vom Nutzen dieser Bezahlmethode überzeugen lassen. Andererseits haben die Banken Zugang und v.a. Geschäftsbeziehungen zu allen relevanten eCommerce-Händlern und natürlich die Kunden- und Kontenbasis. Ihnen sollte es deshalb durchaus gemeinsam gelingen können, eine Marke mit hohem Bekanntheitsgrad zu schaffen. Kritische Stimmen sollte paydirekt Lügen strafen, indem es durch ein sinnvolles und sicheres Angebot überzeugt. Am Ende entscheidet einzig und allein der Kunde, indem er mit paydirekt bezahlt oder nicht.

 

Steffen v. Blumröder
Bereichsleiter Banking
Bitkom e.V.

Ich freue mich, dass paydirekt nun endlich an den Markt geht und all die hypothetischen Diskussionen ein Ende haben. Viel wurde diskutiert, wahre Shitstorms ergossen sich in den sozialen Medien. Einiges davon war sicherlich nicht in der Art und Weise gerechtfertigt, aber die Außendarstellung war auch nicht immer gelungen.
Ist der Markteintritt von paydirekt im Vergleich zu den anderen Bezahlvarianten zu spät? Für mich stellt sich die Frage nicht mehr. paydirekt ist jetzt am Markt – fertig! Jetzt heißt es für paydirekt, Gas zu geben, denn die angestrebten Kundenzahlen, die aktuell kursieren, sind recht ambitioniert. Schade nur, dass die Sparkassen nicht von Anfang an mit dabei sind. Setzt man hier doch eher auf Giropay? Natürlich bin ich sehr auf den Marketingapproach gespannt. Der Markt an Online Bezahlmethoden in Deutschland ist so vielfältig wie in keinem anderen Land und viele Anbieter haben Ihr Segment/Nische bereits gefunden. Dennoch denke ich, dass das Wachstum im E-Commerce noch Raum für einen weiteren Player lässt. Ich gehe auch davon aus, dass nicht so sehr die anderen Zahlungsdienstanbieter Marktanteile abgeben werden, sondern eher der Bereich der Rechnungszahlung zurückgeht. Von der Anzahl der Konten in Deutschland hat paydirekt ein enormes Potenzial, aber schaffen es die Banken auch, für sich und Ihre Händlerpartner eine entsprechende Conversion-Rate zu generieren?
Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass paydirekt sofort als Multikanalverfahren an den Markt geht. Das wäre mutig gewesen und hätte auch ein Zeichen an die etablierten Player am Markt gesetzt.
Es bleiben also ein paar Fragen offen und ich freue mich schon in ein paar Monaten eine Zwischenbilanz ziehen zu können. Erst dann können wir wieder kontrovers diskutieren.
Bis dahin – viel Erfolg paydirekt!

Bildnachweis des Vorschaubildes: paydirekt via paydirekt.de

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