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Warum wir eine paneuropäische Mobile-Payment-Lösung brauchen

Mobile-Payment-Lösungen wie Apple Pay aus den USA, Samsung Pay aus Südkorea oder AliPay aus China drängen auf den europäischen Markt. Dabei läuft Europa Gefahr, im mobilen Zahlungsverkehr bald das Nachsehen zu haben.

Von Christian Pirkner - 19. Dezember 2016

In Deutschland eher noch die Ausnahme – das Bezahlen am PoS per Smartphone oder Smartwatch. PSD2 und Instant Payments könnten der Entwicklung neuen Schub verleihen. Jedoch bedarf es zeitgemäßer und datenschutzkonformer Zahlungstechnologien. Bildnachweis: Blue Code

Auf dem alten Kontinent existieren derzeit viele kleine Insellösungen, aber kein gemeinsames „Mobile Payment Scheme“. Es gibt drei gute Gründe, warum wir eine starke, paneuropäische Mobile-Payment-Technologie brauchen, die grenzübergreifend akzeptiert wird und unsere hohen Datenschutz-Richtlinien einhält.

1. „Empowerment“ der europäischen Banken

Die von der EU-Kommission verabschiedete zweite Zahlungsdiensterichtlinie (Payment Service Directive II, kurz PSD2) tritt 2018 in Kraft. Sie besagt unter anderem, dass europäische Finanzinstitute ihre Zahlungsverkehrssysteme unter bestimmten Voraussetzungen für inner- und außer-europäische Drittanbieter öffnen und darüber hinaus in den nächsten drei Jahren die „Instant Payment“-Transaktionen, also Echtzeit-Zahlungen direkt am Girokonto, technologisch ermöglichen müssen. Finanzinstitute müssen den Drittanbietern dabei alle Informationen aus dem Zahlungsverkehr zur Verfügung stellen. Banken könnten so zu reinen Infrastrukturanbietern verkommen, die nicht mehr am Zahlungsverkehr teilhaben und noch mehr Kunden an Services von außereuropäischen Drittanbietern verlieren.

Daher sind banknahe Fintechs jetzt gefordert, die europäischen Finanzinstitute dabei zu unterstützen, ihre Geschäftsmodelle in die digitale Zukunft zu übertragen. Und zwar, indem sie ihnen in Europa entwickelte, sichere und praktikable Lösungen für mobiles Bezahlen verfügbar machen – bevor es Drittanbieter aus Übersee tun. Mit innovativen Services wie etwa hauseigenen Mobile-Payment-Apps könnten Banken die Wertschöpfung im Land halten und gleichzeitig die Beziehung zu ihren Kunden wieder stärken.

2. Europa als sicherer Daten-Hafen

Die Diskussionen um das Datenschutz-Abkommen mit den USA haben es gezeigt: Europa ist führend, was den Schutz kundenbezogener Daten betrifft. Finanzinstitute haben eine umfassende Expertise im Zahlungsverkehr und sorgen tagtäglich für die reibungslose Abwicklung hunderttausender Transaktionen mit größtmöglicher Datensicherheit. In vielen Ländern hat dabei das Bargeld noch einen hohen Stellenwert. Wenn wir das Vertrauen der Kunden für das mobile Bezahlen mit dem Smartphone gewinnen wollen, dann brauchen wir Zahlungstechnologien, die so anonym wie die Bargeldzahlung funktionieren. Das heißt, dass weder vertrauliche Daten auf mobilen Endgeräten gespeichert noch beim Bezahlvorgang übertragen werden dürfen. Die Daten müssen beim Kunden respektive bei der Bank bleiben. Mit einem europäischen „Payment Scheme“ könnten wir sicherstellen, dass kundenbezogene Daten im sicheren Hafen Europa verankert sind.

3. Digitale Geldbörse für den mobilen Lifestyle

Das Smartphone ist zum ständigen Begleiter in allen Lebenslagen geworden. Warum soll es nicht auch eine digitale Geldbörse sein, mit der man bequem und bargeldlos auch über Landesgrenzen hinweg zahlen kann? Die Menschen haben das Bedürfnis, die komplette „Customer Journey“ mit dem Smartphone zu erledigen – also Produkte zu suchen, zu bestellen und per Mobile Payment am Point of Sale oder im Internet zu bezahlen. Daher müssen Europas Fintechs jetzt die passenden Payment Schemes für den Zahlungsverkehr der Zukunft entwickeln, um dem mobilen Lifestyle und der wachsenden Mobilität von mehr als 500 Millionen EU-Bürgerinnen und -Bürgern gerecht zu werden.

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