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SEPA Instant Payments – Auswirkungen, Strategien und Roadmap in die Umsetzungsphase

Frédéric Viard, Head of Commercial Product Management – Financial Messaging bei Bottomline, erörtert die Auswirkungen von SEPA Instant Payments auf den europäischen Zahlungsverkehr und zeigt die Herausforderungen und Chancen für Zahlungsdienstleister auf.


Bildnachweis: gettyimages.de/darkovujic

Die europäische Zahlungsverkehrslandschaft befindet sich im Umbruch. Die Einführung des SEPA Instant Credit Transfer (SCT INST) Schemas, das Echtzeitüberweisungen in der gesamten Europäischen Union ermöglichen soll, ist nicht nur eine regulatorische Aktualisierung, sondern ein entscheidender Schritt, um eine weit verbreitete und rasch steigende Inanspruchnahme von Echtzeitüberweisungen in der EU sicherzustellen. Sie soll die umfassenden Netzwerkeffekte von Echtzeitüberweisungen in Euro freisetzen und damit Zahlungsdienstnutzern ebenso wie Zahlungsdienstleistern Vorteile und wirtschaftliche Effizienzgewinne bringen, unter anderem eine geringere Marktkonzentration, mehr Wettbewerb und eine größere Auswahl an elektronischen Zahlungsmöglichkeiten – insbesondere bei grenzüberschreitenden Zahlungen. Im Wesentlichen zielt die Verordnung darauf ab, die notwendigen standardisierten Regeln für grenzüberschreitende Euro-Echtzeitüberweisungen auf Unionsebene zu schaffen und so deren Inanspruchnahme zu erhöhen.

Die Umstellung ist für Unvorbereitete so einschneidend, dass Zahlungsdienstleister unserer Meinung nach einen separaten Strategieplan für die Vorbereitung auf diese bevorstehenden Änderungen entwickeln sollten.

Doch zunächst einige Hintergrundinformationen. Das vorläufige SEPA-INST-Abkommen, das von den MdEP (Mitgliedern des Europäischen Parlaments) am 7. Februar 2024 angenommen wurde, schreibt vor, dass Geldbeträge sofort überwiesen und innerhalb von zehn Sekunden auf dem Konto des Empfängers ankommen müssen, unabhängig von Tag oder Uhrzeit. Um das Risiko einer Fragmentierung des Binnenmarktes zu vermeiden, die zu steigenden Befolgungskosten aufgrund unterschiedlicher nationaler regulatorischer Anforderungen und einer schwierigeren Ausführung von grenzüberschreitenden Echtzeitüberweisungen führen würde, sollten daher einheitliche Vorschriften für Echtzeitüberweisungen in Euro einschließlich grenzüberschreitender Echtzeitüberweisungen eingeführt werden, um derartigen Hindernissen vorzubeugen.

Dazu müssen Zahlungsdienstleister vier Grundvoraussetzungen umsetzen: I) die Verpflichtung, Echtzeitüberweisungen in Euro zu senden und zu empfangen, II) und zwar zum gleichen Preis wie Nicht-Echtzeitüberweisungen in Euro, III) die Einrichtung von Diensten zur Überprüfung der Identität des Empfängers und IV) die Überprüfung, ob gegen einen ihrer Kunden Sanktionen oder andere restriktive Maßnahmen verhängt wurden.

Positiv zu vermerken ist, dass die Initiative die Innovation fördern und Europas führende Position im globalen Zahlungsverkehr bewahren wird. Instant Payments werden das Kundenerlebnis verbessern und Banken als Innovatoren in der Finanztechnologie positionieren.

Der Weg nach vorne: Umsetzungsfristen und Herausforderungen

Die Fristen gemäß VERORDNUNG (EU) 2024/… DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES, zu denen Zahlungsdienstleister in einem Mitgliedstaat, dessen Währung der Euro ist, so ausgerüstet sein müssen, dass alle EU-Bürger Echtzeitüberweisungen entgegennehmen können, wurden auf 9 Monate nach Inkrafttreten der Verordnung festgelegt, was 20 Tage nach der Veröffentlichung im Amtsblatt beginnt, bzw. auf 18 Monate für die Versendung von Echtzeitüberweisungen (18 bzw. 33 Monate bei Mitgliedstaaten, die nicht den Euro als Währung verwenden).

Das Hinzufügen einer neuen Zahlungsschiene an sich erfordert mindestens ein neunmonatiges Projekt. Es gibt jedoch noch weitere Anforderungen: Die Gebühren dieser neuen Echtzeitüberweisungen müssen denen für Nicht-Echtzeitüberweisungen entsprechen, es müssen Funktionen vorhanden sein, um die Kunden mindestens täglich mit der Sanktionsliste abzugleichen (9 Monate und 36 Monate) und um die internationale Kontonummer (IBAN) und den Namen des Empfängers abzugleichen (18 Monate und 39 Monate).

Mit unterschiedlichen Fristen für Zahlungsdienstleister mit Sitz in Euro- und Nicht-Euro-Ländern stellt der Übergang eine komplexe Landschaft von regulatorischen, technischen und operativen Herausforderungen dar.

Wie Jessica Ramos von EBA CLEARING in Bottomlines jüngsten Webinar SEPA Inst Mandate Ratification – Next steps to meet the requirements erklärte, wurden die angepassten Fristen für die Entgegennahme und die Versendung von Zahlungen verlängert, um Zahlungsdienstleistern genügend Zeit zu geben, die neuen Mandate zu erfüllen. Darüber hinaus unterstreichen die Anforderungen an die Überprüfung des Zahlungsempfängers und die Sanktionsprüfung die Bedeutung, die die EU der Sicherheit und Compliance im Ökosystem der Echtzeitüberweisungen beimisst. Es ist jedoch noch zu klären, wie die Überprüfung des Zahlungsempfängers funktionieren soll.

Was ist für Ihr Finanzinstitut das größte Hindernis für die zeitnahe Einführung von Echtzeitüberweisungen?

  • 23 % | Veraltete Infrastruktur
  • 43 % | Fehlende IT-Ressourcen und mangelnde Priorisierung in einem bereits vollen Strategieplan
  • 13 % | Kosten und Aufwand für die Implementierung einer neuen Zahlungsschiene
  • 20 % | Unklarheit über die Anforderungen für die Überprüfung des Zahlungsempfängers   

So nannten 20 Prozent der Banken und Finanzinstitute bei der „live“ Webinar-Umfrage die Unklarheit über die Anforderungen für die Überprüfung des Zahlungsempfängers als eines der größten Hindernisse für die Einführung von Echtzeitüberweisungen. 39 Prozent warten auf weitere Leitlinien, bevor sie mit der Planung beginnen können. Daher sind die vom Europäischen Zahlungsverkehrsausschuss geleiteten Konsultations- und Aufklärungsprozesse wichtige Schritte zur Förderung eines integrativeren und wettbewerbsfähigeren Zahlungsverkehrsmarktes in Europa. Ein weiteres Update wird Ende September 2024 bzw. Anfang Oktober 2024 erwartet. 

Um die anderen Hindernisse für die Einführung von Echtzeitüberweisungen aus dem Weg zu räumen, darunter veraltete Infrastruktur, fehlende IT-Ressourcen usw., müssen Zahlungsdienstleister:

  • In Technologie und Infrastruktur investieren: Die Aufrüstung von Altsystemen, um eine Verfügbarkeit rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr zu ermöglichen, sowie Investitionen in Technologien zur Betrugserkennung und -prävention sind entscheidend, um Echtzeitüberweisungen anzubieten und ihre Sicherheit zu gewährleisten.
  • Zusammenarbeit und Innovation in den Fokus rücken: Partnerschaften mit Lösungsanbietern wie Bottomline können die Last der Entwicklung und Compliance verringern, sodass sich Zahlungsdienstleister auf Innovation und Kundenservice konzentrieren können.
  • Regulatorische Änderungen annehmen: Das frühzeitige Verstehen und Anpassen an die regulatorischen Anforderungen kann Zahlungsdienstleistern eine führende Position im Bereich der Echtzeitüberweisungen verschaffen und die Kundenbindung und den Marktanteil erhöhen.
  • Kundenorientierte Lösungen priorisieren: Durch das Angebot von Echtzeitüberweisungen und die Gewährleistung der Sicherheit von Transaktionen können Zahlungsdienstleister die wachsende Nachfrage nach sofortigen, sicheren Zahlungslösungen befriedigen und so die Zufriedenheit und das Vertrauen ihrer Kunden stärken.

Ein offizielles Datum für die Unterzeichnung des Mandats ist noch zu bestätigen, jedoch haben die wichtigsten Mitgliedsbanken und Beratungsgremien um eine Verschiebung der Veröffentlichung der ersten Frist im Amtsblatt gebeten – diese soll somit erst ab 2025 gelten, um Änderungen während der Sperrfrist zum Jahresende zu vermeiden. Folglich ist der erste vorgeschriebene Stichtag der 9. Januar 2025. Allerdings sollte bereits jetzt mit der Planung und Umsetzung begonnen werden. 

Erkundung von Chancen und Vorteilen

Trotz der Herausforderungen beleuchtete das Gespräch die unzähligen Chancen und Vorteile, die die Einführung von Echtzeitüberweisungen Banken und Finanzinstituten erschließt. Die Redner betonten das Potenzial für ein erweitertes Kundenangebot, ein verbessertes Working Capital Management und optimierte Transaktionskosten durch die Einführung von Echtzeit-Zahlungslösungen. 

Darüber hinaus wurde die Interoperabilität von Echtzeitzahlungssystemen sowohl im Inland als auch grenzüberschreitend als Grundstein für die Förderung von Zusammenarbeit und Innovation innerhalb der Branche hervorgehoben.

Die Umstellung auf SEPA Instant Payments ist ein Meilenstein in der europäischen Finanzlandschaft und bietet Zahlungsdienstleistern eine einmalige Gelegenheit, die Zukunft des Bankwesens und des Zahlungsverkehrs neu zu definieren. Wenn Zahlungsdienstleister den regulatorischen Rahmen verstehen, sich den technischen und operativen Herausforderungen stellen und sich auf Innovation und kundenorientierte Lösungen konzentrieren, können sie diesen Wandel erfolgreich meistern. Es ist jetzt an der Zeit, zu handeln – den Wandel anzunehmen, in die Zukunft zu investieren und den Vorstoß zu einem effizienteren, sichereren und inklusiveren Zahlungsverkehrsökosystem im digitalen Zeitalter anzuführen.

Weitere Informationen hierzu finden Sie in Bottomlines aktuellem Webinar mit EBA CLEARING, WSBI-EBG/European Payments Council, GEVA Group, Bottomline und The Paypers – jetzt ansehen.

Frédéric Viard