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Payment

Wie werden wir im Jahr 2030 bezahlen?

Dieser Frage gingen auf dem fünften Fachkongress Next Generation Payment in Köln unsere 17 namhaften Referenten aus der Bank- und Finanzbranche auf den Grund. Neben dem Thema Mobile Payment und der Zukunft der Bargeldzahlung ging es unter anderem um Bankenregulierung und welche Chancen und Herausforderungen PSD2 mit sich bringt. Es wurde viel diskutiert, doch in einer Sache war man sich einig: Nicht technologischer Fortschritt sollte der Finanzbranche Impulse für Veränderungen geben, sondern der Kunde.

Von Daniel Fernandez - 27. Januar 2017

Der Butzweilerhof war der erste zivile Flughafen der Stadt Köln. Damit bleiben wir uns auch in diesem Jahr treu bei der Wahl ausgefallener Eventlocations.

„Trotz vieler Alternativen, das Bargeld bleibt.“ Diese These vertrat Stefan Thomas von der TARGOBANK auf dem fünften Kongress zum Thema Next Generation Payment. Er sieht das Bargeld hierzulande nicht in naher Zukunft verschwinden, denn bei den deutschen Kunden konnte sich Mobile Payment bisher nicht so recht durchsetzen. Laut einer Studie über das Zahlungsverhalten der Deutschen finden 53% der getätigten Transaktionen immer noch mit Scheinen und Münzen statt – eine Vorliebe, die nicht nur auf den Kunden beschränkt ist, denn auch 94% der Händler wollen beim Bargeld bleiben. An der Barzahlung festzuhalten, sollte aber keinesfalls mit Stagnation gleichgesetzt werden. Stefan Thomas zeigt in seinem Vortrag, dass im Bargeldmanagement durchaus Innovationen möglich sind. So konnte die TARGOBANK durch Optimierungen wie zum Beispiel die Automatisierung der Bestellprozesse eine Steigerung der Planungsgenauigkeit und eine 14-prozentige Kostenreduktion beim Bargeldmanagement erzielen.

„Deutschland ist das gallische Dorf des Mobile Payment“

Sven Siering von der Deutschen Postbank AG, der in seinem Vortrag Deutschland als „das gallische Dorf des Mobile Payment“ bezeichnete, sieht die Zukunft des Bezahlens in eine andere Richtung gehen. Zwar betont er, dass die Bedeutung von Bargeld in unserer Gesellschaft nicht unterschätzt werden darf, doch befinde sich der Zahlungsverkehr derzeit in einem Wandel. Da sich dessen Rahmenbedingungen durch Regulierungsmaßnahmen und technologischen Fortschritt radikal verändern, sei der unmittelbare Kundenzugang der Schlüssel zum Erfolg. In diesem Zusammenhang stellte er den Postbank Finanzassistenten vor, eine Mobile-Payment-App, mit der die Kunden per Fingerabdruck überweisen und jederzeit ihre vergangen Transaktionen einsehen. Dem Kunden würde somit mehr Transparenz über die eigenen Ausgaben geboten werden, als es mit Bargeld möglich wäre.

Ines Reichardt, Vertriebsdirektorin Zahlungsverkehr & Liquiditätsmanagement bei der Postbank AG, und Dr. Niklas Bartelt, Geschäftsführer der paydirekt GmbH

Für eine sehr interessante Fragerunde sorgte der Vortrag zum Thema paydirekt, dem Online-Bezahlverfahren der deutschen Banken. Ines Reichardt und Dr. Niklas Bartelt äußerten sich zum Status quo des Unternehmens und der Zukunft des Bezahlverfahrens. Anschließend stellten sie sich den Fragen des Publikums, welches kritisierte, dass man im Vortrag nicht ausreichend auf konkrete Transaktionszahlen und wichtige Details wie den Mehrwert für Kunden eingegangen sei, sondern stattdessen Eigen-PR betrieben habe. Egal wie man der Vortrag von paydirekt auch bewertet, die Reaktionen beweisen das enorme öffentliche Interesse, das dem noch jungen Bezahlverfahren zuteilwird.

Wenn im Zusammenhang mit Zahlungsverkehr über Regulierung gesprochen wird, ist PSD2 momentan das zentrale Thema. Matthias Hönisch geht in seinem Vortrag über die Auswirkung der Regulierung auf Banken ausführlich auf die Herausforderungen und Chancen der neuen Richtlinie für Zahlungsdienste ein. EU-Regulierungsvorhaben wie die PSD2 führen zu erheblichem Veränderungsdruck auf das Bankgeschäft, erklärte der Head of Cards des BVR. Besonders die Frage nach der Authentikation werde eine große Schwierigkeit darstellen. Er legt den Banken nahe, sich umfassend auf die neue Situation vorzubereiten, denn „ob Regulierung oder Wetter“, es gilt: „nicht meckern, sondern die Badehose oder den Regerschirm mitnehmen!“

„Die Blockchain ist kein Allheilmittel“

Teilnehmer, die sich für das brandaktuelle Thema Cybersecurity interessieren, konnten sich auf den Vortrag von Andrzej Dereszowski freuen, einem Experten mit Erfahrungen bei der NATO, der für BAE Systems als Cyber Threat Intelligence Analyst tätig ist. Am Fall des Cyber-Bankraubs in Bangladesch im Jahr 2016 zeigte er anschaulich mit Insider-Informationen, wie und mit welchen Methoden die Cyberkriminellen vorgingen. Auf einer Veranstaltung über die Bezahlmethoden der Zukunft darf natürlich auch das Thema Blockchain nicht fehlen. Jochen Siegert lieferte in seinem Vortrag eine ausgewogene und objektive Beurteilung der Zukunft des Systems. In aktuellen Kontext, dass Großbanken sich bemühen, zentralisierte Kontrollsysteme auf Grundlage der Blockchain-Technologie aufzubauen, stellte er die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, Blockchain ohne die eigentlichen Vorteile des Systems zu verwenden. Sowohl Jochen Siegert als auch David Ballaschk von der Bundesbank kommen zu dem Schluss, dass Blockchain kein Allheilmittel ist, denn wie Siegert anmerkt, widersprechen sich Banken und Blockchain eigentlich: Banken brauchen die Blockchain für ihre Zwecke nicht, und die Blockchain sei grade deshalb reizvoll, weil es ohne Banken funktioniere.

Fintech Spacerace: Nach den Pitches konnten die Kongressteilnehmer ihre Stimmen für ihren Favoriten abgeben.

Ein Highlight des Kongresses war wie jedes Jahr der Fintech-Pitch, bei dem junge Start-up-Unternehmen ihr Geschäftsmodell präsentieren können. Dieses Jahr stellten sich im Verlauf der beiden Kongresstage vier sehr unterschiedliche Fintechs der Jury und dem Publikum vor. Den Publikumspreis gewann Authada mit einem Geschäftsmodell, das bestehende Identifikationsverfahren revolutionieren könnte. Wenn es nach Authada geht, wird die Kundenidentität in Zukunft über die elektronische Identität des Personalausweises verifiziert – eine Lösung, die Bank-und Versicherungsgeschäfte per Smartphone sicherer und schneller machen soll. Den Jurypreis gewann OKIKO, der selbsterklärte innovative Bezahldienst für Eltern und Kinder. OKIKO ermöglicht Kindern über ein Taschengeldkonto mit intelligentem Filter-System einen sicheren und altersgerechten Zugang zum Online-Handel. Die Geschäftsidee überzeugte die Jury nicht nur durch ihre geniale Einfachheit, sondern auch durch eine souveräne Präsentation der beiden Referenten. Die Rubean AG, ein Start-up, das mit ihrem Dienst RubeanPay das Smartphone in ein Kassenterminal verwandelt, und das Fintech Qlipay, das den Geldtransfer in Entwicklungsländer vereinfachen soll, konnten trotz ihrer guten Ideen leider nicht den Sieg erringen.

Das hier Aufgeführte ist nur ein Auszug aus der Fülle an spannenden Vorträgen, die der fünfte Next-Generation-Payment-Kongress zu bieten hatte. Unter dem Hashtag #bcngp17 können sie die Live-Berichterstattung unserer Redaktion und die zahlreichen Kommentare der Teilnehmer nachverfolgen.

Der BANKINGCLUB wird am 24.-25. Januar 2018 wieder einen Kongress zum Thema „Next Generation Payment“ veranstalten. Wir freuen uns schon, mit Ihnen gemeinsam über die Payment-Trends 2017 zu diskutieren und einen Blick auf die Zukunft des Bezahlens zu werfen. Sichern Sie sich jetzt schon ein Ticket!

Vielen Dank an unsere Partner für die inhaltliche und finanzielle Unterstützung:

 

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