Bitte melden Sie sich an

Registrieren Sie Sich als Premium-Mitglied, um Vorträge herunterzuladen.

  • 100% Rabatt auf alle Club-Events und Kongresse
  • Download der Vortragsunterlagen aller Veranstaltungen
  • Zugriff auf Fotogalerie aller Veranstaltungen
Sie sind noch kein Mitglied?

Dann registrieren Sie sich jetzt:

Jetzt Mitglied werden
Sie sind bereits Mitglied oder waren Teilnehmer?

Bitte loggen Sie sich ein:

Jetzt einloggen
Jetzt Mitglied werden

„Das erfordert mehr Mut“

Was macht eigentlich ein Agile Coach in einer Bank? Diese Frage kann Christine Stumpf genau beantworten.

Von Lea Hoffmann - 08. Oktober 2019

Christine Stumpf ist Koordinatorin Solution Lab bei der Hanseatic Bank und ist Dozentin für Agile Methoden.

BANKINGNEWS: Was machen agile Methoden aus und wie werden sie umgesetzt?
Christine Stumpf: Agile Methoden gehen davon aus, dass unsere Arbeitsweise möglichst flexibel auf sich schnell ändernde Anforderungen reagieren muss. Deshalb bevorzugen wir ein iteratives Vorgehen, Experimente und kurze Feedbackloops mit Kunden und Anwendern. Die Methoden setzen wir Schritt für Schritt um, indem wir mit den Teams Boards aufbauen, die ihre Arbeit visualisieren. Wir coachen sie darin, ihre Aufgaben nach dem Wert für Anwender und entsprechend der Unternehmensstrategie zu priorisieren und sie dann eine nach der anderen zu erledigen. Außerdem trainieren wir das Planning. Dabei werden die Anforderungen der Nutzer auf Teilaufgaben heruntergebrochen. In diesem Schritt wird viel Wissen ausgetauscht, wodurch ein stabileres Team entsteht, das besser gegen den Ausfall von einzelnen Experten gewappnet ist und mehr Selbstverantwortung übernehmen kann.

Was unterscheidet die Arbeit eines Agile Coach in einer Bank im Vergleich zu anderen Branchen?
Wir haben im Bankenbereich viele regulatorischen Rahmenbedingungen. Sie können dazu führen, dass man zunächst denkt, Prozesse könnten nicht geändert werden, weil sie ja regulatorisch bedingt sind. Deshalb erfordert es in einer Bank noch etwas mehr Mut und von uns Coaches noch mehr Erklärung und Aktivierung des Veränderungswillens.

Wie gehen Sie in der Schulung der Mitarbeiter vor, insbesondere bei jenen, die noch nicht damit gearbeitet haben?
Schon bevor ich als Agile Coach zur Hanseatic Bank kam, wurden externe Schulungen zu den Grundlagen agiler Arbeitsweisen angeboten. Somit gab es eine gute Basis für unsere Arbeit. Wir gehen experimentell und freiwillig vor. Dabei bieten wir den Teams eine Begleitung in der täglichen Arbeit an, genauso wie das Ausprobieren von agilen Projekten in Lab-Phasen. Die Mitarbeiter können eigene Ideen pitchen, die wir viermal im Jahr für jeweils vier Wochen umsetzen. Auch die Bewerbung für crossfunktionale Teams und die Rollen in diesen Teams ist freiwillig.

Was sind die größten Probleme, auf die Sie stoßen?
Eines der schwierigsten Dinge ist, dass ein Team schon sehr selbstorganisiert, selbstverantwortlich und agil arbeiten kann, dass aber die Ergebnisse doch noch von der Flexibilität, von Deadlines und Verfügbarkeiten anderer Teams und Systemen abhängen. Da stoßen wir an Grenzen, die das Team allein nicht lösen kann. Da geht es dann auf die nächste Ebene, die bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Es muss eine abgestimmte Priorisierung auf allen Ebenen geben – das ist eine große Herausforderung. Zwischen den Teams gibt es viele Abhängigkeiten und es gibt fast kein Team, das wirklich End-to-End für seine Ergebnisse selbstverantwortlich arbeiten kann.

Wie schnell zeigen sich Ergebnisse?
Die Geschwindigkeit ist unterschiedlich, weil die Teams, deren Aufgaben, Rahmenbedingungen und Herausforderungen verschieden sind. Es gibt Teams, die sind überraschend schnell.Sie erkennen sofort den Wert einer Methode für ihre Arbeit und setzen sie direkt um. Andere brauchen etwas länger. Wir sehen die Ergebnisse unter anderem da, wo Teams, Abteilungen oder schon ganze Bereiche mit Boards arbeiten. Und wir sehen die Ergebnisse bei Projekten, die zunächst mit einem Prototyp starten. Mit dieser Vorgehensweise sind wir nicht nur schneller, sondern lernen stetig dazu und können in Sprints das Projekt so lange im Dialog mit den Anwendern weiterentwickeln, bis der Kunde zufrieden ist.

Wo sehen Sie noch Potenzial für Banken zur Weiterentwicklung?
Im Sinne des konsequenten Innovationsmanagements gibt es immer Potenzial zur Weiterentwicklung, das gilt auch für Banken. Wir stehen in der Innovationsphase von Blockchain und Künstlicher Intelligenz noch am Anfang, müssen aber dranbleiben, um uns auch die nächsten 50 Jahre am Markt zu behaupten. Parallel dazu haben die meisten Banken bei ihren Entwicklungen den tatsächlichen Mehrwert für Kunden nicht ausreichend im Blick – im Gegensatz zu Start-ups, die die Finanzbranche kräftig aufmischen. Hier muss ein Umdenken stattfinden, wenn die Banken weiterhin erfolgreich sein wollen.

Interview: Lea Hoffmann

Christine Stumpf

Hanseatic Bank

Christine Stumpf ist Koordinatorin Solution Lab bei der Hanseatic Bank und ist Dozentin für Agile Methoden.

Lesen Sie auch

Wie die TARGO Dienstleistungs GmbH agile Arbeitsmethoden im Zahlungsverkehr eingeführt hat und wie es mit der Nachhaltigkeit von Bargeld aussieht, erfahren Sie im Beitrag.

Agile Methoden im Zahlungsverkehr: „Bei uns kam der Impuls dezentral“

Interview aus dem Homeoffice: Tanja Kehl und Hendrik[…]

Laura Kracht
Banken müssen resilienter werden, sagt die IT-lerin Luise Linden.

Eine gute IT: „Banken müssen resilienter werden“

Diplom-Informatikerin Luise Linden ist seit 2018 CTO bei[…]

Thorsten Hahn
Constantin Fabricius vom Verband deutscher Kreditplattformen im Interview mit der BANKINGNEWS.

„Es gibt viel Raum für Kooperation mit Banken“

Constantin Fabricius, Geschäftsführer des Verbands deutscher Kreditplattformen, spricht[…]

Redaktion
Dr. Michael Luhnen, Managing Dircetor bei PayPal in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Interview

„Neue Technologien führen auch zu veränderten Bedürfnissen“

Dr. Michael Luhnen, Managing Director von PayPal in[…]

Redaktion
Collaboration-Lösungen kommen nun auch bei Banken an

„Jetzt ist die Zeit, in der Collaboration bei den Banken ankommt“

Business Development Manager Frank Nebgen von Cisco über[…]

Thomas Friedenberger
Welche Vorteile bringt Event Streaming für die Finanbranche?

„Eine flexible Architektur ist der einzige Weg, erfolgreich zu sein“

Christian Nicoll von Generali Schweiz über Herausforderungen durch[…]

Daniel Fernandez
Grafik jemand arbeitet im Home-Office, Interview zur Beratung von Banken und Versicherungen in Zeiten der Corona-Krise

Sven C. Sixt: „Ich erwarte eine Beschleunigung der Digitalisierung“

Ein aktuelles Gespräch mit Sven C. Sixt über[…]

Thomas Friedenberger

„Wir müssen die Bank zum Kunden bringen“

Trotz großer Abbau-Zahlen ein neues Filialkonzept? Frank Nebgen[…]

Thorsten Hahn

Das „Sicherheitsrisiko Drucker”: Wie groß ist es in einer Bank wirklich?

Sicherheitsexperte Stefan Dydak von HP spricht offen über[…]

Thomas Friedenberger
Der CEO und Chief Technologist von Camunda sitzen auf einer Bank

„Banken müssen sich zu Software-Unternehmen entwickeln“

Hinter den Kulissen arbeiten deutsche Banken daran, bei[…]

Thorsten Hahn

Ein zweites Leben für neue Räume

Henning Schweizer, Geschäftsführer des Möbelherstellers Girsberger, spricht im[…]

Thomas Friedenberger

„Ich persönlich sehe keine Tendenz zur Deregulierung“

Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, spricht im[…]

Redaktion

„Wir haben dem Bot beigebracht, sich selbst zu verbessern“

Wie Künstliche Intelligenz den Kundenservice unterstützt, erklärt Götz[…]

Thomas Friedenberger

„Finanzielle Inklusion vorantreiben“

Für kenianische Banken wird das Smartphone zum wichtigsten[…]

Philipp Scherber

„Die Hauptvorteile sehen wir in der Agilität“

Michael Girg, Chief Cloud Officer bei der Deutschen[…]

Thomas Friedenberger

„Wie eine Operation am offenen Herzen“

Ein Gespräch mit Dr. Martin Straaten, Sprecher der[…]

Thorsten Hahn

„Es besteht die Gefahr, dass Banken ihre Beziehung zum Kunden verlieren“

Ein Gespräch mit Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Bundesbank,[…]

Thomas Friedenberger

„Betrug an Banken bringt viel Geld und nur wenig Knast“

Was Banken von Kriminellen lernen können und auf[…]

Daniel Fernandez