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New Work in der Finanzbranche – wo geht die Reise hin?

Wenn man immer weiß, wohin die Reise geht, ist es auf Dauer doch auch langweilig. So oder so ähnlich könnte man die Situation bei der Veränderung der Arbeitssituationen und vor allem der Arbeitsweisen in der Finanzindustrie beschreiben, denn auch hier ist das Reiseziel noch nicht zu 100 Prozent klar. Sicher ist jedoch, die Prinzipien der New-Work-Bewegung können Mitarbeitern dieser Branche neue Möglichkeiten der Flexibilität und Selbstverwirklichung am Arbeitsplatz eröffnen.

Von Sven Robin - 18. September 2017

Bildnachweis: iStock.com/Geber86

Fangen wir zunächst mit der Begriffsklärung an: Was ist eigentlich New Work? Wo kommt es her? Wer hat es erfunden? In diesem Fall war es kein Schweizer, sondern ein Austro-Amerikaner: Frithjof Bergmann. Er gilt als Wegbereiter der New-Work-Bewegung. Ohne jetzt zu sehr auf den philosophischen Pfaden zu wandern, auf denen der New-Work-Gedanke entstanden ist, kann man eines sicher sagen: Bei New Work geht es um weit mehr als das, was die „normale“ Entlohnung als „Ausgleich“ an Wertschätzung dem Mitarbeiter zurückgibt.
Es geht darum, sich wohlzufühlen, Sinnhaftigkeit, Flexibilität und Freiraum in seinen Aufgaben zu haben und am Ende das Gefühl vermittelt zu bekommen, etwas erschaffen zu haben. Und was bedeutet das jetzt für die Finanzwelt? Nun, schaut man sich die eben angeführte Aufzählung an, sollte man meinen, es handle sich um einen klassischen Agentur-Job eines Kreativen. Und genau hier beginnt nun unsere Reise…

Erster Halt: Infrastruktur

In der Finanzbranche müssen wir, um New Work gerecht zu werden, einmal alles auf links drehen. Arbeitsmodelle, die sich an Präsenzkultur orientieren und Führungskräfte, die Einfluss über Direct Reports definieren, sind nicht mehr zeitgemäß. Digitalisierung, Internationalisierung und Veränderungsgeschwindigkeit prägen das Hier und Jetzt. Und darauf muss sich die Branche noch mehr einstellen. Homeoffice und Firmenhandys an Stelle von Desktoprechnern, bunte Wände und Sitzsäcke getauscht gegen Bürolandschaften, Daily-Scrums und agile Methoden, wo früher Wasserfall gelehrt wurde: All das hilft wenig, um New Work zu etablieren, wenn nicht auch an der Kultur des Unternehmens gearbeitet wird. Und hier ist auf der Reise quasi eine „Pflichthaltestelle“. Bitte alle einmal aussteigen und Kultur angucken!

Zweiter Halt: Kultur

In der Aareal Bank tun wir dies gerade. Wir haben eine eigene Taskforce zum Thema New Workspaces etabliert. Darin beschäftigen wir uns mit Raumkonzepten im analogen und auch im digitalen Bereich, benchmarken es mit anderen Unternehmen und verknüpfen Möbel, Wände und Mindset miteinander. Digital New Work ist ebenfalls ein Thema, welches wir gerade mit Hochdruck angehen und welches den „digital Hub/Workplace“ etablieren soll. Der Hub/Workplace ist ein vernetztes Portal, in dem als Knotenpunkt alle notwendigen Anwendungen für den Arbeitsalltag zusammen laufen. Kein umständlicher Absprung mehr in unterschiedliche Software und Systeme. Damit erleichtern wir am Ende nicht nur den Zugang zu Wissen innerhalb der Bank, sondern machen Wissen auch transparent. Transparenz, Teilen, Kollaboration, Austausch und Zugang zu Informationen sind quasi die Treibstoffe für das Fahrzeug, mit dem wir unsere New-Work-Reise antreten. Wichtig wird hier zukünftig sein, dass die Führungskräfte dafür sorgen, dass genau dieser Treibstoff immer wieder fließt. Womit wir an der nächsten Haltestelle vorbeikommen, die leider gerne vergessen wird: Führung.

Dritter Halt: Führung

Um New Work zu etablieren, muss sich Führung verändern! Eine starke These, die sich auch für Agilität, neue Organisationsformen, Innovationskultur und viele andere Bereiche aufstellen lässt. Im New-Work-Umfeld ist sie jedoch immanent. Denn wenn die Führungskraft sich nicht mit den Grundprinzipien von New Work identifizieren kann, dann wird es für den Mitarbeiter schwierig. Doch was macht diese Veränderung mit der Arbeitskultur? Welche Jobs werden sich durch diese Art der Arbeit verändern oder gar wegfallen? Glaubt man aktuellen Studien, dann werden es gerade in der Finanzbranche sehr viele sein. Ist New Work im Sinne der Digitalisierung deshalb eine Bedrohung? Ich sage nein. Es ist vielmehr eine Chance. Eine Chance für die Finanzindustrie, um Geschwindigkeit aufzunehmen, und für die Mitarbeiter, sich auf neue, strategische und innovative Dinge konzentrieren zu können und anstatt viel Zeit mit Suchen zu verbringen, jetzt schneller Wissen zu finden. Und um Wissen geht es schließlich in unserer Wissensgesellschaft. Wissen ist das Gold der heutigen Zeit und das können wir mit New Work wunderbar dem Unternehmen bewahren. Die Reise geht weiter. Doch wo werden wir letzten Endes aussteigen? Ich weiß es noch nicht.

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