Freitag, 06. Mรคrz 2026
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Payment in Zeiten von Corona

Schon John F. Kennedy wusste: โ€žDas Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen โ€“ das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheitโ€œ. Das Corona-Virus hat Gesellschaft und Geschรคftswelt einerseits teilweise zum Erliegen gebracht, andererseits partiell fรผr Beschleunigung gesorgt โ€“ zum Beispiel im Zahlungsverkehr.

Der Trend zum kontaktlosen Bezahlen existiert bekanntlich schon einige Zeit, doch COVID-19 hat diese Entwicklung rasant beschleunigt. Der Kontaktlos-Trend steckte sogar die Bargeld- liebenden Deutschen an. So sind laut einer Studie von BearingPoint im Jahr 2020 bislang ein Drittel aller Zahlungen hierzulande mit kontaktloser Debitkarte getรคtigt worden. Das sind 57 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Kaum verwunderlich, denn nur sechs Prozent der Befragten betrachten das Bargeld als โ€žhygienisch sicherโ€œ.

Auch durch die vielen Corona MaรŸnahmen der Hรคndler ist die Kartenzahlung beliebter geworden. Plรถtzlich akzeptierte auch der รถrtliche Bรคcker Plastikgeld oder das Smartphone-Portemonnaie. Das Resultat: Der Anteil der Barzahler ist zwischen 2019 und 2020 in allen Ausgabenarten gesunken, so Befragungsergebnisse des ING International Survey.

Gleichzeitig kam es zu einem exponentiellen Wachstum beim kontaktlosen Bezahlen. Laut der Deutschen Kreditwirtschaft sind die Transaktionen mit der girocard im ersten Halbjahr 2020 um gut 20 Prozent auf rund 2,6 Milliarden Transaktionen gestiegen.

Payment-Frage viral wie nie

Ein kurzfristiger Trend? Wohl kaum. Die Unternehmensberatung Oliver Wyman erwartet, dass auch ohne COVID-19-Schock mit nachhaltiger Beschleunigung des Kartenwachstums bis 2025 nur noch die Hรคlfte der Zahlungen bar erfolgen wird. Die Payment-Frage ist also viral wie nie. Der Wirbel hat auch die Banken aus ihrem Payment-Dรคmmerzustand aufgeweckt. Sie wittern nun (wieder) groรŸes Geld im Zahlungsverkehr.

Der Geruch von Geld fรถrdert die Innovationslust โ€“ aber auch den Wettbewerb. Und so ist auch die Plexiglasscheibe eingerissen, die Banken bisher auf der einen und Payment-Fintechs auf der anderen Seite des Payment-Markts gehalten hat. Die Fintech-Konkurrenz verringert zunehmend den โ€žSicherheitsabstandโ€œ zu Banken und den klassischen Bankdienstleistungen. So leitet Adyen bereits Zahlungen an Hรคndler รผber eine Banklizenz weiter und PayPal gewรคhrt E-Commerce Hรคndlern Kredite.

In der Payment-Landschaft kommt es jetzt also zu einem engen Ringen um die Kunden, ihre digitalen Zahlungen und entsprechende Lรถsungen im Handel. Banken mรผssen sich darauf gefasst machen, ihre Abwehrkrรคfte zu trainieren. Sie mรผssen genau beobachten, wie ihre Kunden bezahlen mรถchten und darauf basierend neue Lรถsungen entwickeln, sodass der Zahlungsverkehr mรถglichst einfach und sicher, aber auch gรผnstig ist.

Laut einer Auswertung von Biallo nimmt fast jede zweite Bank Gebรผhren fรผr bargeldloses Bezahlen, in den meisten Fรคllen ohne die Kunden darรผber zu informieren. Das aber ist genau der falsche Weg. Denn das Kundenvertrauen ist immer noch der grรถรŸte Wettbewerbsvorteil, den die Banken gegenรผber Fintechs und Big Techs besitzen, die Payment anbieten. Ist das Vertrauen aber erstmal weg, lรคsst es sich auch nicht einfach wieder einimpfen.

Wenn Banken nicht wollen, dass Kunden im groรŸen Stil Social Distancing zu Kreditinstituten betreiben, gibt es nur einen effektiven  Wirkstoff, der hilft: Transparenz. Und um eine dauerhafte Wirkung zu erzielen, reicht vermutlich eine einfache Dosis davon nicht aus.

Laura Kracht ist ehemalige Redakteurin beim BANKINGCLUB.

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