Freitag, 17. April 2026
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Vom Azubi bis zum Quereinsteiger: Der Kampf um Talente

Eine Studie der Index Gruppe zeigt: Es fehlen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Finanzbranche. Banken und Fintechs mรผssen Wege finden, um Bewerber von sich zu รผberzeugen.

Wolkenkratzer ragen in die Hรถhe, glรคserne Fassaden spiegeln ihre Gegenรผber wider und mittendrin: das Bankenviertel mit seinen Banken, Fintechs und Versicherungen. Frankfurt am Main gilt als Finanzhauptstadt Deutschlands. Die hessische GroรŸstadt beherbergt zahlreiche wichtige Finanzinstitutionen, unter anderem die Europรคische Zentralbank (EZB) und die Deutsche Bundesbank. Auch andere Finanzriesen, wie etwa die Deutsche Bank, die Commerzbank oder die DZ BANK, haben ihren Sitz in Frankfurt. Und das Bankenviertel wรคchst: Erst kรผrzlich gesellte sich mit der neuen EU-Behรถrde Anti-Money Laundering Authority (Anti-Geldwรคsche-Behรถrde, AMLA) zu der BaFin eine weitere Aufsichtsbehรถrde in die Stadt.

Fachkrรคftemangel in Frankfurt und ganz Deutschland

Doch die Finanzbranche schlรคgt Alarm: Es fehlen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allem in Frankfurt. Laut Bloomberg zeigt eine neue Studie der Index Gruppe, dass im zweiten Quartal des Jahres 3.958 Stellen bei Banken, Kreditinstituten sowie Fintechs ausgeschrieben waren โ€“ das sind etwa genauso viele wie im Jahr zuvor. Damit belegt die Finanzmetropole den ersten Platz, dicht gefolgt von Berlin mit etwa 3.000 und Mรผnchen mit etwa 2.000 offenen Stellen in der Branche.

Leere Bรผros, karge Wรคnde und stille Pausenrรคume: In ganz Deutschland macht sich der Fachkrรคftemangel bemerkbar โ€“ mit 38.636 ausgeschriebenen Stellen gibt es sogar einen leichten Anstieg zum Vorjahresquartal. In den nรคchsten zwรถlf Jahren scheiden laut einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft rund 19,5 Millionen Babyboomer aus dem Arbeitsmarkt aus. Dabei rรผcken bis 2036 nur etwa 12,5 Millionen jรผngere Arbeitskrรคfte nach. Bereits Ende 2022 hatten drei Millionen Babyboomer das Rentenalter erreicht.

Wie kรถnnen Banken und Fintechs hier entgegenwirken?

In einem Bloomberg-Interview betonte Gerrit Bouckaert, Leiter Recruitment beim Personalberatungsunternehmen Robert Walters, dass die Gehรคlter fรผr Neueinstellungen in diesem Jahr gegenรผber 2024 um rund fรผnf bis fรผnfzehn Prozent gestiegen sind. Den Anstieg fรผhrt er explizit auf den zunehmenden Mangel an qualifizierten Fachkrรคften und den damit verbundenen verschรคrften Wettbewerb zurรผck. Bouckaert weist darauf hin, dass diese Entwicklung nicht nur Deutschland, sondern weite Teile Europas betrifft. Besonders stark zu spรผren sei der Engpass in den Bereichen Kรผnstliche Intelligenz, Regulierung, Risikomanagement und Sustainable Finance.

Neben hรถheren Gehรคltern werben viele Institute auch mit mehr Urlaubstagen. So startete die VR-Bank Sรผdwestpfalz 2024 ein Pilotprojekt, mit dem sie ihren Mitarbeitenden 40 freie Tage im Jahr bietet. Andere, oft kleinere, Banken umwerben potenzielle neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Vier-Tage-Woche, und treffen damit womรถglich ins Schwarze: Flexibilitรคt wird zu einem immer wichtigeren Gut fรผr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Laut einer YouGov-Umfrage fรผr die Deutsche Presse-Agentur aus diesem Jahr unterstรผtzen 38 Prozent der Befragten die Plรคne der Bundesregierung, eine wรถchentliche statt tรคgliche Hรถchstarbeitszeit einzufรผhren. Befรผrworter sehen vor allem mehr Flexibilitรคt fรผr Arbeitnehmer (82 Prozent) und Arbeitgeber (44 Prozent) sowie Chancen auf hรถhere Produktivitรคt (22 Prozent).

Die Arbeit im Homeoffice spielt hier ebenfalls eine groรŸe Rolle. Wรคhrend viele Banken immer mehr verstรคrkt auf Bรผroprรคsenz setzen, schlรคgt die Commerzbank einen anderen Kurs ein. Ab dem 1. Oktober 2025 wird hybrides Arbeiten dauerhaft in einer Betriebsvereinbarung verankert. Flexible Modelle sind damit ausdrรผcklich gewollt, die Planung der Prรคsenz- und Homeoffice-Tage liegt bei den Teams.

Auch Quereinsteiger werden in der Branche immer beliebter. Die bayerischen Sparkassen verlieren in den kommenden zehn Jahren mit rund 10.000 Beschรคftigten etwa ein Drittel der Belegschaft durch Ruhestand. Um diese Lรผcke zu schlieรŸen, wollen sie verstรคrkt Quereinsteiger gewinnen. Prรคsident des Sparkassenverbandes Bayern Matthias DieรŸl sprach im vergangenen Jahr bei Bloomberg von einer โ€žgroรŸen Herausforderungโ€œ durch Fachkrรคftemangel und Demografie. โ€žWegen des Fachkrรคftemangels suchen die bayerischen Sparkassen heute gezielter auch auรŸerhalb klassischer Karrierewegeโ€œ, sagte DieรŸl. In der Sparkassenakademie Bayern werden daher zunehmend Menschen aus anderen Berufen zu Sparkassenkaufleuten qualifiziert.

Jede zehnte ausgeschriebene Stelle ist eine Ausbildungsposition

Speziell im Bankensektor wird erwartet, dass in den nรคchsten zehn Jahren rund ein Drittel der Mitarbeitenden in den Ruhestand gehen wird. Vor diesem Hintergrund bemรผht sich die Branche gezielt um Nachwuchs: Etwa jede zehnte รถffentlich ausgeschriebene Stelle im Bankensektor im zweiten Quartal betraf eine Ausbildungsposition, wie die Index-Daten zeigen. Um dem Fachkrรคftemangel in der Finanzindustrie wirksam zu begegnen, mรผssen Unternehmen รผber klassische Anreizsysteme hinausdenken. Eine moderne Fรผhrung, flexible Arbeitszeitmodelle, die Fรถrderung von Diversitรคt und allgemein die gezielte Stรคrkung der Arbeitgeberattraktivitรคt kรถnnen beim War of Talents entscheidend sein.

Maria Scherban absolvierte ihr redaktionelles Volontariat beim BANKINGCLUB und arbeitet seit Mitte 2025 als Redakteurin. Zuvor schloss sie ihren Master of Arts an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universitรคt Bonn ab.

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