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Jürgen Schneider? Das waren doch Peanuts

Leipzig, kurz nach der Wiedervereinigung. Jürgen Schneider tritt dem Osten als Symbol der Hoffnung in Erscheinung. Der Bauherr hat Großes vor, nimmt er doch die Immobilienlandschaft Leipzigs unter seine Fittiche: Entstehen sollte dabei ein neues Profil der Stadt, voller Anmut und Noblesse. Tatsächlich entstanden ist jedoch die Tragik rund um den berühmtesten Baulöwen und verurteilten Betrüger Deutschlands.

Von Fiona Gleim - 09. März 2022
Anlagebetrugsreihe Ponzi Lustig

Foto: istock.com/Denis Novikov

Bereits als Kind war ihm die Immobilienwelt nicht fremd. Mit einem Vater, der ein eigenes Bauunternehmen führte, liegt die Annahme nicht fern, dass das Vorhaben schon früh gesetzt wurde, den väterlichen Fußstapfen zu folgen. Dafür widmete Jürgen Schneider sich auch einem breit gefächerten Ausbildungsprogramm: Zunächst als Maurer, worauf das Studium des Bauingenieurwesens folgte und schließlich gekrönt durch die Promotion in den Staatwissenschaften. Als frischgebackener Titelträger stieg er in das Unternehmen seines Vaters ein.

Differenzen in der Vater-Sohn-Beziehung brachten die Zusammenarbeit jedoch zum Gefrieren, für Schneider Junior der Anlass, sich in die Selbstständigkeit zu begeben. Die 80er-Jahre trugen schließlich die lang ersehnten Früchte: Dank zollen konnte Schneider wohl seiner unbestreitbaren Expertise und Erfahrung, dem Bau-Boom des Momentes und nicht zuletzt seinem bestechenden Auftreten. Kurzerhand, Dr. Jürgen Schneider wuchs zum Immobilienmogul seiner Zeit empor.

Der Herr über Immobilie

Die Zutaten seines Erfolgsgeschäfts: Historische Gebäude – gut situiert versteht sich – und Mieter oder Käufer, die gewillt waren, für die frisch sanierten Luxusbauten ein Vermögen zu zahlen. 1987 kaufte Schneider Villa Andreae in Königstein bei Frankfurt, nicht aber um diese wieder zu verkaufen: Als Residenz seiner selbst nahm er dort Kreditgeber und etwaige Geschäftspartner in Empfang, denn Eindruck schinden ließ sich mit dieser Immobilie allemal.

Als Deutschlands größter privater Immobilienbesitzer machte sich Schneider nach Fall der Mauer eine neue Vision auf. Leipzig, damals noch traurige Stadt des Ostens, mutierte zum Objekt seiner Begierde. Unter seiner Hand sollte die Stadt wie Phönix aus der Asche steigen. Gedacht, gesagt, getan: Über 70 Gebäude kaufte Schneider, besonders bekannt ist die Mädler-Passage mit dem Auerbachs Keller.

Der Immobilienherr war berüchtigt für seine pompösen und kostspieligen Sanierungen. Schneider nahm Kultstatus an. Viele Bewohner der Stadt fühlten sich, als gäbe er ihnen zurück, was sie für längst verloren geglaubt hatten: Das schöne Leipzig. Doch Betrügerlein, wie auch Schneiderlein bringen gern ein weißes Westchen ins Spiel, sehen sie ihr Image darin doch stets stabil.

Hoch stapelt das Schneiderlein

Bezahlt machten sich die Luxussanierungen nicht von selbst, die Summen für die Projekte wuchsen auf immense Höhen. Dabei ging es nicht nur um Aufwendungen für die Umbauten selbst, sondern auch für die Kredite. Die regelrechte Hochstapelei war für den Schneider nun der einzig wahre Faden durch die Öse. Mietverträge, Baupläne, Angaben über Mietflächen, Anzahl der Mieter und Mieteinnahmen – alles berechnete er größer, höher, teurer.

Zur weiteren Festigung seines Betrugsgerüsts: Über Strohmänner und Treuhandfirmen, die Teil seiner eigenen Unternehmung waren, verkaufte er seinen eigenen Immobilien an sich selbst, um so scheinbar grüne Zahlen zu schreiben. Auf diese Weise erhielt er weiterhin großzügige Kredite von mehr als 50 Banken.

Stärksten Zuspruch erhielt Schneider wohl von der Deutschen Bank, die mit Scheuklappen zuließ, dass sich ein gewaltiger Schuldenberg im Immobilienmarkt anhäufte. Nach Platzen der Blase stellt sich heraus, dass dieser Berg sich auf etwa fünf Milliarden D-Mark belief. Besonders schlimm traf es dabei Handwerksmeister, die sich mit offenen Forderungen am Rande ihrer Existenzen befanden. Baustellen waren lahmgelegt, Bauarbeiter verloren ihre Jobs oder standen kurz davor, Pleiten drohten en masse.

Für die Deutsche Bank doch nur Peanuts

Nach vielen Monaten kamen Notfallhilfen der Stadt zum Tragen und auch die Deutsche Bank, als Hauptgläubiger Schneiders, kam zum Bekenntnis ihrer Verantwortung. Diese beglich schließlich die offenen Rechnungen für ihre Objekte im Wert von etwa 50 Millionen Euro – jedoch nicht ohne ein weiteres Schlammassel mitzunehmen. So bezeichnete der damalige Vorstandsvorsitzende Hilmar Kopper die Summe als lediglich „Peanuts“ und sah sich symbolisch mit Eiern beschmissen.

Derweil war Jürgen Schneider mit seiner Frau kurz nach der Insolvenzmeldung untergetaucht. Etwas über ein Jahr hatten sie sich ein Exil-Nest in Miami eingerichtet, bis schließlich zur Überführung zurück nach Deutschland am 23. Februar 1996. Ein weiteres Jahr später wurde er des Betruges angeklagt und zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt. Eine milde Strafe? Der Richter betonte bei Urteilsverkündung den saftigen Anteil, den die Banken an der Milliardenpleite zu tragen hatten.

Jürgen Schneider wurde nur wenige Jahre später aufgrund guter Führung entlassen und ließ sein Werk in mehreren Büchern Revue passieren. Im heute hohen Alter lebt er fernab der Öffentlichkeit und es heißt, er genieße die eingekehrte Stille um seine Person.

Ein Schneiderlein, welch nie vergessen wart.

Tipp: Interessieren Sie sich für andere spannende Betrugsfälle? Erfahren Sie hier mehr über denjenigen, mit dem alles anfing: Der, dessen Name das Ponzi-System trägt oder lesen Sie hier mehr über den Mann, der den Eifelturm verkaufte.

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