Bitte melden Sie sich an

Registrieren Sie Sich als Premium-Mitglied, um Vorträge herunterzuladen.

  • 100% Rabatt auf alle Club-Events und Kongresse
  • Download der Vortragsunterlagen aller Veranstaltungen
  • Zugriff auf Fotogalerie aller Veranstaltungen
Sie sind noch kein Mitglied?

Dann registrieren Sie sich jetzt:

Jetzt Mitglied werden
Sie sind bereits Mitglied oder waren Teilnehmer?

Bitte loggen Sie sich ein:

Jetzt einloggen
Jetzt Mitglied werden

Theranos: Blutsversprechen bricht man nicht

Höhen und Tiefen sind Charakteristika des Lebens. Für ein exorbitantes Hoch sind jedoch viele gewillt, zu lügen und betrügen. Als ein Bluff stellte sich auch Theranos heraus: Eine Idee, mit der Gründerin Elizabeth Holmes die Blutanalyse zu revolutionieren versprach.

Von Fiona Gleim - 15. März 2022
Anlagebetrugsreihe

Foto: istock.com/Denis Novikov

Im jungen Alter von 19 Jahren, mitten in ihrem Studium an der Stanford-Universität, rief Elizabeth Holmes ihr eigenes Biotech-Unternehmen ins Leben. 2003 begann sie mit der Entwicklung eines Gerätes, Edison, welches zur Analyse von Blut zum Einsatz kommen sollte. Die Innovation der Maschine: Anhand nur weniger Tropfen sollte sie bis zu 240 verschiedene Tests durchführen können. Ein Meilenstein für die frühzeitige Diagnose von Krankheiten wie Aids oder Hepatitis.

Die Visionärin des Gesundheitssystems

Schnell gelang es ihr mit diesem Vorhaben Aufmerksamkeit zu erlangen. Schließlich wusste sie Medienunternehmer Rupert Murdoch auf ihrer Seite, der das Startup mit 100 Millionen Dollar unterstützte. Von ihrer Gesundheitsinnovation konnte Holmes ebenso die ehemalige US-Bildungsministerin Betsy de Vos überzeugen.

Auch den Aufsichtsrat von Theranos schmückte sie mit bekannten Namen: Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger und George Schultz zählten zu Holmes Netzwerk. Doch nicht nur finanzielle Förderung und Marketing profitierten von den Kontakten: Durch den Einstieg der US-amerikanische Drogerie-Kette Walgreens wurden Theranos zahlreiche Teststationen in deren Läden geboten. Insgesamt konnten 700 Millionen Investmentgelder generiert werden, die in eine Bewertung von neun Milliarden Dollar mündeten.

Zeit- und Kosteneinsparungen versprach man sich von Holmes Genialität. Zu Hochzeiten galt sie als das weibliche Pendant zu Steve Jobs und genoss einen Ruf als Visionärin. Forbes ernannte sie schnell zur jüngsten selbsterarbeiteten Milliardärin, mit nur 30 Jahren. Spätestens ab diesem Punkt hing das Medieninteresse an ihren Lippen.

Von Visionärin zur Insassin

2015 begann die Realität Holmes einzuholen: Nach einem Austausch mit ehemaligen Angestellten gelang es „Wall Street Journal“-Reporter John Carreyrou aufzudecken, dass Theranos die Blutanalysen nicht eigens durchgeführt hatte. Stattdessen wurden Laborgeräte anderer Hersteller, wie beispielswiese Siemens verwendet. Diese waren nicht auf die geringen Blutmengen ausgerichtet, wie es Theranos propagiert hatte. Diesem Dilemma half man sich mit der Streckung der Blutproben, was die Ergebnisse verfälschte.

Laut Angaben der Whistleblowerin Erika Cheung rührte die Heranziehung anderer Geräte daher, dass die Edison-Maschine keine vertrauenswürdigen Untersuchungsergebnisse liefern konnte. Dass diese weder valide noch zuverlässig waren, wurde der Öffentlichkeit zunächst verschwiegen. Carreyrou leitete seine Recherche jedoch an Regulationsbehörden weiter, welche schließlich das Milliarden-Startup zur Schließung aufriefen.

Elizabeth Holmes wurde vorgeworfen, Investoren, Mediziner und die Öffentlichkeit über die Fähigkeiten ihrer Technologie betrogen zu haben. Die Beweislage stellte sich dabei als schwierig dar, denn noch vor der Schließung wurde der Server mit den Bluttest-Ergebnissen vernichtet.

Seit Anfang 2022 ist das Urteil rechtskräftig: In vier von elf Anklagepunkten erklärte man die Theranos-Gründerin für schuldig. Damit drohen ihr 20 Jahre Haft pro Anklagepunkt. Dass Holmes eine Freiheitsstrafe von 80 Jahren verhängt wird, ist jedoch unwahrscheinlich – weist sie doch keinerlei Vorstrafen auf und hat noch während ihres Strafverfahrens ein Kind geboren.

Mit Orientierung an der Schadenssumme von etwa 140 Millionen Dollar, scheint ein Urteil von zehn bis 15 Jahren realistischer. Während das endgültige Strafmaß noch aussteht, beharrt Holmes darauf, an eine Revolutionierung des Gesundheitssystems tatsächlich geglaubt zu haben.

Der Fall hat globale Aufmerksamkeit erlangt und so erstaunt es kaum, dass sich der wohl größte Geschichtenjäger der Welt Holmes Biografie zu eigen gemacht hat: Hollywood. Der US-Streamingdienst Hulu strahlt aktuell eine Mini-Serie über den Werdegang Elizabeth Holmes aus, welche Unterhaltung und Dokumentation zu balancieren versucht.

Tipp: Interessieren Sie sich für andere spannende Betrugsfälle? Erfahren Sie hier mehr über denjenigen, mit dem alles anfing: Der, dessen Name das Ponzi-System trägt oder lesen Sie hier mehr über Infinus und sein abgekartetes Schnellballsystem.

Lesen Sie auch

Anleger

Digitale Rückerstattung ausländischer Quellensteuern

Schon lange fordert die Europäische Union einen barrierefreien[…]

Thomas Rappold
Negativzinsen: Kündigungswelle kurz vor der Zinswende?

Negativzinsen: Kündigungswelle kurz vor der Zinswende?

Zwei gegenläufige Veränderungen finden gerade parallel statt. Auf[…]

Milan Herrmann
Anlagebetrugsreihe

Schneeballschlacht um Infinus-Konzern

Nach außen hin wirkte alles professionell, vertrauenswürdig und[…]

Fiona Gleim
Anlagebetrugsreihe Enron

Enron: Ein Meisterwerk der Bilanzfälschung

Fünf Mal in Folge wurde Enron zum „innovativsten[…]

Fiona Gleim
Anlagebetrugsreihe Ponzi Lustig

Jürgen Schneider? Das waren doch Peanuts

Leipzig, kurz nach der Wiedervereinigung. Jürgen Schneider tritt[…]

Fiona Gleim
Anlagebetrugsreihe

Der, dessen Name das Ponzi-System trägt

Wie viele andere Geschichten beginnt auch diese mit[…]

Fiona Gleim
Anlage, Börse,. Unternehmen, Anlagemöglichkeit Cannabis

Cannabis als Anlagemöglichkeit

Sparer haben heute eine große Auswahl an Anlagemöglichkeiten.[…]

Christian Schultze
Alte Liebe oder neue Flamme?

Geldanlage: Alte Liebe oder neue Flamme?

Wie legen die Deutschen ihr Geld an? Stehen[…]

Redaktion
jemand läuft in eine Falle auf der Suche nach Geld, Bitconnect, Krypto-Scams, Betrug, Anlagebetrug, Schnellballsystems, Bitcoin, Coins

Bitconnect – die Mutter aller Krypto-Scams

Ein Schneeballsystem, wie es im Buche steht. Ein[…]

Daniel Fernandez
Geldanlage Börse Neobroker

Geldanlage auf Sparflamme

Die Deutschen lieben es, etwas auf „der hohen[…]

Redaktion
Geld, Sparen, Geldanlage, Investment, Banken, Girkonto

Vier Gründe für eine Geldanlage außerhalb des Bankkontos 

Der Spartrumpf ist nicht mehr wirklich modern. Doch[…]

Elisabeth Müller
Geldanlage von Zuhause, digitale Geldanlage, Robo Advisor, digitaler Vermögensverwalter

Gute Antworten bei der Geldanlage

Sparen war gestern, heute ist anlegen angesagt. Die[…]

Redaktion
investoren

Wertanlagen – Bankkunden suchen immer häufiger nach Alternativen

Das Privatvermögen in deutschen Haushalten stieg in den[…]

Gastautor
Optionen

Optionen handeln- wirklich seriös?

In vielen Berichten ist bei Optionen von Betrug[…]

Redaktion
Geldvermögen-Bargeld-Aktien-Gold

Bargeld, Aktien, Gold: Wie verteilt sich unser Geldvermögen?

Unsere Sparquote schlägt Rekorde: Mit 7 Billionen Euro[…]

Fiona Gleim

Wie moderne Finanzprodukte heute aussehen

Die Finanzwelt hat sich in den letzten 10[…]

Frank Giebel
Das gute alte Sparbuch gehört in Deutschland nach wie vor zu den häufig genutzten Anlagemöglichkeiten. Doch im Grunde sprechen kaum Argumente für seine Nutzung. Es gibt einfach bessere Alternativen.

Alternativen zum Sparbuch: Wertpapiere, Festgeldkonto und Co.

Zu Großmutters Zeiten war das Sparbuch noch das[…]

Redaktion
Geldanlage 2021, in Immobilien oder Fonds, Sparbuch

Geldanlage 2021: Deutsche setzen auf Sicherheit und Nachhaltigkeit 

Was bewegt Verbraucher bei ihrer Geldanlage gerade und[…]

Laura Kracht
Die LBBW stellt sich 2021 voll auf Nachhaltigkeit ein und unterstützt alternative Investments

Wenn die Bank grüner wird

Klimaprojekte über den Kauf von Zertifikaten oder Spenden[…]

Heiko Schultze

COMECO

Fünf Fragen an Stefan Bisterfeld, CEO von COMECO[…]

Daniel Fernandez