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Moratorium über der Greensill Bank

Am gestrigen Nachmittag hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gegenüber der Greensill Bank AG ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot wegen drohender Überschuldung erlassen.

Von Ronja Wildberger - 04. März 2021
Schiff in Seenot

Foto: istocks.com/oplusday

Außerdem ordnete die BaFin an, die Bank für den Verkehr mit der Kundschaft zu schließen. Im Rahmen des Moratoriums verbot sie ihr, weitere Zahlungen entgegenzunehmen, die nicht zur Tilgung von Schulden gegenüber der Greensill Bank AG bestimmt sind. Die Behörde hat Anzeige gegen den Vorstand erstattet und Sonderbeauftragte der Bundesbank eingesetzt.

Klumpenrisiko Gupta

Die Vorwürfe sind schwerwiegend. Laut Handelsblatt seien zu viele Vermögenswerte in den Büchern des Bankhauses an den Stahlkonzern Gupta gebunden, so dass sich ein Klumpenrisiko ergebe. Außerdem zweifle die Bafin die Werthaltigkeit von Forderungen an, die das Bremer Kreditinstitut von der Konzernmutter Greensill Capital gekauft habe. Die Greensill Bank dient als Refinanzierer der Greensill-Gruppe.

Unerwartet kam der Schritt der Behörde nicht, da sich die Situation im Laufe der Woche zugespitzt hat.

Die Vorgeschichte

  • 1. März: Bereits am Montag hat die Credit Suisse den in Kooperation mit Greensill aufgelegten Supply Chain Finance Fonds geschlossen. Die Begründung lautet: „Ein gewisser Teil der Vermögenswerte in den Credit Suisse Supply Chain Finance-Fonds unterliegt derzeit erheblichen Unsicherheiten in Bezug auf ihre genaue Bewertung.“
  •  1. März: Das Wall Street Journal berichtet, das Finanzinvestor Apollo Global Management mit Greensill über eine Übernahme des operativen Geschäfts verhandele.
  •  2. März: GAM Investments verkündet die Schließung des GAM Greensill Supply Chain Finance Fonds „aufgrund der jüngsten Marktentwicklung“, wie es in der offiziellen Begründung heißt. Peter Sanderson, CEO von GAM, kommentiert die Schließung so: „Unser Portfolio besteht aus Investment-Grade-Assets und wir haben keine Bewertungsbedenken. Daher gehen wir von einer geordneten Auflösung des Fonds und der Rückerstattung der Kundengelder im Rahmen des dafür üblichen Verfahrens aus.“
  • 2. März: Die australische Muttergesellschaft beantragt Gläubigerschutz in Australien
  • 3. März: Die BaFin ordnet das Moratorium an.

Als Begründung heißt es in der BaFin-Mitteilung:

„Die BaFin hat in einer forensischen Sonderprüfung festgestellt, dass die Greensill Bank AG nicht in der Lage ist, den Nachweis über die Existenz von bilanzierten Forderungen zu erbringen, die sie von der GFG Alliance Group angekauft hat. Die BaFin hat daher bereits umfangreiche Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität und zur Risikobegrenzung der Greensill Bank AG erlassen und einen Sonderbeauftragten bei der Bank eingesetzt.“

An dieser Stelle fühlt sich wohl jeder an den Fall Wirecard erinnert. Hinter der GFG Alliance Group steht Liberty Steel des indischen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta. Das Geschäftsmodell Supply Chain Finance funktioniert so: Greensill Capital bezahlt frühzeitig Rechnungen an Zulieferer der GFG und weiterer Unternehmen. Für die frühe Zahlung kann die Bank ein Skonto ziehen. Zu einem späteren Zeitpunkt werden die Rechnungen dem Kunden dann ohne Rabatt  vorgelegt. Außerdem verpackt Greensill die Forderungen in investierbare Wertpapiere. Die Kreditversicherungen in diesem Geschäftsbereich sind ebenfalls im Fokus der BaFin.

Einlagen von Privatkunden sind gesichert

Die ist bereits seit Mitte letzten Jahres bei Greensill aktiv und wird nun prüfen, ob die Rettungsbemühungen der Bank Aussichten auf Erfolg haben. Sonst droht die Insolvenz. Die Einlagen der Kunden sind über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) bis 100.000 Euro geschützt. Darüber hinaus kommt eine freiwillige Entschädigung über den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Deutscher Banken (BdB) in Betracht. Sobald die BaFin den Entschädigungsfall festgestellt hat, wird der EdB die Anleger automatisch anschreiben und die Verfahren eröffnen.

 

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