Jetzt Mitglied werden

Was bedeutet die EU-DSGVO für Banken und ihre Kunden?

Die EU-DSGVO (Europäische Datenschutz-Grundverordnung) wurde zunächst vor allem mit Befremden und nach Vorlage weiterer Informationen auch mit Entsetzen betrachtet. Zur Lektüre stehen 99 Artikel mit jeweils bis zu 15 Unterpunkten auf 88 Seiten, die der Gesetzgeber für jede natürliche und juristische Person als bekannt voraussetzt.

Von Jürgen P. Müller - 25. Mai 2018

Bildnachweis: iStock.com/YuriyVlasenko

Seit dem 25. Mai 2018 gilt die DSGVO für private Unternehmen, Selbstständige, öffentliche Stellen und Bankinstitute. Mit der Verordnung werden europaweit neue Anforderungen an die Verarbeitung personenbezogener Daten geschaffen und das bisher geltende Bundesdatenschutzgesetz (BDSG a. F.) sowie die EU-Datenschutzrichtlinie (Richtlinie 95/46/EG) abgelöst bzw. konkretisiert und modifiziert. Für 2019 ist vorgesehen, die DSGVO durch die noch in Abstimmung befindliche „EU-e-Privacy-Verordnung“ zu ergänzen, die auch Internet- und Telemediendienste betreffen wird.

Außergewöhnliche Rechenschaftspflichten

Der Druck, ein Datenschutz Managementsystem (DSMS) unter Berücksichtigung der genannten Vorgaben zu etablieren und nachzuweisen, wird mit drastischen Bußgeldern verstärkt. Die zu erbringenden Rechenschaftspflichten sind für den bisherigen Kenntnisstand der meisten Institute außergewöhnlich. So müssen diese fortan z.B. nachweisen, dass sie genau wissen, wo sich personenbezogene Daten befinden – und das innerhalb aller Systeme und Geschäftsbereiche. Zugriffe auf diese Daten müssen für jede natürliche Person erkennbar und extern nachvollziehbar sein. Darüber hinaus müssen sowohl Zeitpunkt als auch Art eines solchen Zugriffs dargestellt werden können.

Zudem sind Absicherungen gegen Datenschutzverstöße darzustellen und Behörden und Verbraucher innerhalb von 72 Stunden über Probleme zu informieren. Auch wenn Datenschutzprobleme in diesem Zeitraum behoben werden, ist ein Anspruch auf Schadenersatz immer noch möglich.

Vom „Compliance Keeper“ zum „Business Enabler“

Die Überprüfung bestehender Datenschutzsysteme zweier großer deutscher, international agierender Banken hat ergeben, dass Schutzmaßnahmen in der Regel relativ weit entwickelt sind. Dennoch besteht in weiten Teilen Nachholbedarf. Die Tendenzen präsentierter Maßnahmen haben nämlich einige Schwächen gezeigt: Wenn Banken z.B. weltweit über Niederlassungen verfügen, fehlt oft eine internationale Governance. Solche Managementprozesse erfordern hinsichtlich der Systematik von Datenschutzrisiken Verbesserungen. Denn von Aufsichtsgremien werden Zielvorgaben und Aktionspläne für die Risikobewertung von Lücken erwartet. Dazu ist es allerdings Voraussetzung, dass die beauftragten Datenschutzorganisationen über genügend Ressourcen und Know-how verfügen.

Gleichzeitig sollte vom jeweiligen Bankinstitut Rückhalt ausgehen und die weitere Umsetzung auf nachhaltige Prozesse angelegt sein, in welche der Risikogedanke integriert ist. Die bisher historisch reaktiv und operativ agierenden „Compliance Keeper“ sind zum „Business Partner“ und in der Folge zum „Business Enabler“ umzuwandeln.

Aus diesen Anforderungen ergeben sich sieben Handlungsfelder zur Initiierung des Datenschutzes:

  1. Grundlagen sind mit einer Datenschutzkultur einzurichten.
  2. Ziele für die Datenschutzmaßnahmen sollten festgelegt werden (Ambitionen, Visionen).
  3. Die Führung muss ihre Verantwortung für den Datenschutz als Vorbild verinnerlichen.
  4. Die Beauftragten sind mit angemessenen Ressourcen und Mitarbeitern auszustatten.
  5. Die Grundsätze des Datenschutzmanagements sind zu etablieren („Best Effort – Regeln“).
  6. Hohe Reifegrade sind anzusetzen (Betroffenenrechte, Transparenz, Organisation).
  7. Die Übertragung von tradierten Verfahren verlangt neue Strukturen der Organisation.

Die Beratung, Prüfung und Freigabe neuer Anwendungen auf Basis dieser sieben Punkte muss in bewährte IT-Prozesse eingebunden werden. Die Schulung breiter Mitarbeiterkreise mit einem strukturierten Fragenkatalog ist dabei unumgänglich. Deutsche Institute müssen hier international als Vorbilder für europäische Unternehmen auftreten. Denn die Beachtung des Datenschutzes und die Verantwortung dafür enden nicht an den politischen Grenzen.

Jürgen P. Müller

TVVG Treukapital Vermögensverwaltungs GmbH

Jürgen P. Müller arbeitet seit 1969 im Finanzmanagement und ist Gesellschafter der TVVG Treukapital Vermögensverwaltungs GmbH. Er absolvierte sein Studium in Wirtschaftsphilosophie, BWL und Jura mit dem Abschluss eines MBA

Lesen Sie auch

Mit offener Unternehmenskultur zu gutem Compliance-Bewusstsein

Ein gesundes Risiko- und Compliance-Bewusstsein ist elementarer Bestandteil[…]

Redaktion

Der Transparenz verpflichtet

Die regulatorische Belastung auf deutsche Finanzinstitute wächst stetig[…]

Axel Schmale

Mit Fintechs zu besserem Compliance Management

Fintech-Kooperationen sind eine beliebte Methode für Banken, ihre[…]

Dr. Silvana Gangi Chiodo

Die Compliance-Funktion nach MaRisk und ihr Compliance-Life-Cycle

Die BaFin hat mit der 4. Novelle der[…]

Markus Müller

Regulatorik: Synergien nutzen und Ressourcen sparen

Die Notwendigkeit für Banken, trotz wachsender regulatorischer Anforderungen[…]

Luise Fleischmann

Verdachtsmeldung vs. Datenschutz

Mit Inkrafttreten der DSGVO riskieren Unternehmen durch den[…]

Alexander Stehr

Neulich in der Copy-Paste-Abteilung

Fehlerhafte Marketing- und Vertriebsunterlagen führen nicht selten zu[…]

Tobias Schenkel

Datenschutzorganisation wird zur Chefsache

Die seit Ende Mai geltende DSGVO droht mit[…]

Dennis Heinemeyer

„30 Sekunden vor 12“

Regulierung kann für Banken ein wichtiger Verbündeter sein.[…]

Thorsten Hahn

Die besonderen Herausforderungen der GwG-Meldepflicht

Der § 43 GwG, die unverzügliche Meldepflicht von[…]

Thomas Seidel

Moral, MiFID II und Verletzungen beim Handball

Nachbericht zum Kongress COMPLIANCEforBANKS 2018

Tobias Schenkel

Ausgewählte Neuerungen zum Thema Auslagerungen in der 5. MaRisk-Novelle

Am 27. Oktober 2017 veröffentlichte die Bundesanstalt für[…]

Christian Gudat

Geschützt: Vorträge ComplianceForBanks 2018 (exklusiv für Mitglieder und Teilnehmer)

Es gibt keine Kurzfassung, da dies ein geschützter[…]

Redaktion

Der goldene Mittelweg im Spannungsfeld der Regularien

Eine der größten Herausforderungen und gleichzeitig wichtigsten Aufgaben[…]

Elfriede Jirges

Die Entourage von politisch exponierten Personen als Bankkunden

Banken müssen im Rahmen der Erfüllung ihrer gesetzlichen[…]

André Blum

Eine Revolution auf dem Markt für Identitätsprüfungen

In Zeiten der rasanten Digitalisierung können Banken und[…]

Uwe Stelzig

„APT10 greift vor allem Managed Service Provider an“

Seit etwa einem Jahr kam es vermehrt zu[…]

Philipp Scherber

Das Onlinebanking-Konto kann mehr als Zahlungen: Mit Smart Data Fraud-Risiken minimieren

Die Betrugsrisiken nehmen im Bankenumfeld weiter zu: Zahlreiche[…]

Martin Schmid

Der alte Mann und die Malware

Der Rückgang von Filialen sowie Gebühren für Überweisungen[…]

Daniel Fernandez

UK Bribery Act 2.0 – Erfahrungen im Umgang mit Geschäftspartnern

Seit Inkrafttreten des UK Bribery Act im Juli[…]

Johanna Duenser

Die Verschärfung des Korruptionsstrafrechts und die Auswirkungen auf Kreditinstitute

Die Verhinderung von Korruption war abseits der Schwerpunktthemen[…]

Fabian Malkoc

Der Regierungsentwurf zur Umsetzung der 4. Geldwäsche-Richtlinie der EU

Am 22. Februar 2017 legte die Bundesregierung ihren[…]

Indranil Ganguli

„Betrugsrisiken sind durch Online-Legitimation gesunken“

Auch in einer Zeit, in der immer stärker[…]

Philipp Scherber

Cybercrime-Bedrohungen im Jahr 2017

Im vergangenen Jahr wurde Cybersicherheit im Rahmen zahlreicher[…]

Michael Hagebölling

Business Judgement Rule im Privatstiftungsrecht

Nach einer kürzlich ergangenen Entscheidung des Obersten Gerichtshofs[…]

Manfred Wieland

Deutsche Bank einigt sich mit amerikanischen Behörden

Die Deutsche Bank hat sich im Streit über[…]

Daniel Fernandez

Gemeinsam gegen Betrugsversuche

Ob manipulierte Unterlagen wie Gehaltsabrechnungen bei Kreditanträgen oder[…]

Stephan R. Peters

Fraud: der menschliche Faktor

Mit betrügerischen Handlungen beschäftigt man sich im geschäftlichen[…]

Michael Leuthner

Digitalisierung = Illegalisierung?

Eine Firewall zu überwinden, stellt heute für Geübte[…]

Christian Grosshardt

Hanns Feigen

Landgericht München, 25. April 2016, Verfahren gegen fünf[…]

Philipp Scherber

Wasch mich, aber mach mich nicht nass – Vol. 2

Es kommt nicht oft vor, dass eine Bank[…]

Thorsten Hahn

Quo vadis MiFID II? Anlegerschutz oder das Ende der Anlageberatung?

MiFID II wird auf Anfang 2018 verschoben, und[…]

Andreas Gehrke

Zwischen der Schulung und der Praxis liegt das Meer

Die Umsetzung von Schulungsinhalten kann Mitarbeiter vor Probleme[…]

Ronny Fuchs

„Willkommen beim Rudern“

MiFID II um ein Jahr verschoben. Aufatmen bei[…]

Philipp Scherber

Kosten- und Risikoreduzierung durch qualitativ hochwertige Kundendaten

Entity Resolution, also die Systematisierung, Verlinkung und Gruppierung[…]

Philipp Scherber

Das Ende der improvisierten IT

Immer, wenn Banken und Versicherungen versuchen, Anforderungen der[…]

Carsten Krah

Datensicherheit: Einfallstor Drucker

Cyberattacken gehören für Unternehmen mittlerweile zum Alltag. Umso[…]

Julian Achleitner

„IS-Terroristen nutzten Flüchtlings- konto zur Finanzierung der Attentate“

Die Schlagzeile ist fiktiv, doch das Risiko ist[…]

Carsten Lang

Weniger ist manchmal mehr

MiFID II steht in den Startlöchern und viele[…]

Christian Grosshardt

Compliance-Paranoia in deutschen Banken?

Eine Überlegung.

Julian Achleitner

Compliance-Vorschriften und Probleme mit der Datenaufbereitung?

Die Einhaltung regulatorischer Vorgaben wird immer komplexer. Die[…]

Chris Atkinson

Wir korrumpieren eine Welt, die uns nicht gehört.

Die Sonne ist nicht über uns. Wir werden[…]

Julian Achleitner

Des Kunden innigster Wunsch – Ein Diskurs im Elfenbeinturm

Die Chefetagen verschiedener Kreditinstitute beraten darüber, wie sie[…]

Christian Grosshardt

Geldwäscheprävention, ein reines Bankenthema?

Bei Geldwäsche denken die meisten Menschen sofort intuitiv[…]

Thomas Hensel

Datenweitergabe immer noch Grauzone

Vor gut zweieinhalb Jahren veröffentliche 3sat auf seiner[…]

Christian Grosshardt

Cyberattacke – planen Sie Ihre Kommunikationsstrategie vor dem Angriff

Anfang 2015 haben Hacker bis zu eine Milliarde[…]

Claudia Böhnert

„Der Schutz und die Sicherheit von Daten ist das wichtigste Kundeninteresse!“

Offen gestaltete Filialen sind keine Seltenheit mehr in[…]

Christian Grosshardt

Illegal geht auch digital

Bargeld hat derzeit nicht den allerbesten Ruf bei[…]

Julian Achleitner

Risikofaktor „Risikomodell“

Enterprise Governance Risc Compliance (EGRC) gehört zu den[…]

Carsten Krah

Fraud im internationalen Umfeld einer Privatbank

Der Schutz vor Wirtschaftskriminalität gewinnt auch für Privatbanken[…]

Ramon Schürer