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Weniger ist manchmal mehr

MiFID II steht in den Startlöchern und viele zuständige Entscheider möchten jetzt schon am liebsten die Flucht antreten oder direkt aus lauter Verzweiflung die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Überspannt die EU den Bogen?

Von Christian Grosshardt - 02. Februar 2016

Bildnachweis: Kalulu via istockphoto.de

Am Horizont ist sie schon seit längerer Zeit zu sehen: die zweite „Market in Financial Instruments Directive“ (MiFID II). Der europäische Gesetzgeber installiert mithilfe dieses Papiers neue Richtlinien und Regularien, welche die Befugnisse der Aufsichtsbehörden erweitern und somit einen enormen Einfluss auf die Art und Weise haben, wie in Zukunft Finanzdienstleistungen angeboten werden dürfen. Soweit, so bedrohlich. Nicht nur Banken, sondern auch Asset Manager sowie eine ganze Reihe von Finanzdienstleistern müssen sich mit den neuen Regeln vertraut machen, wie mit Wertpapieren noch umgegangen werden darf. Das Misstrauen bei den Damen und Herren in Straßburg und Brüssel scheint sich immer noch auf einem hohen Niveau zu befinden.

Die Intention der MiFID II ist die Harmonisierung des europäischen Finanzmarktes. In Zeiten der Globalisierung ist an der Idee zunächst auch kein verwerflicher Aspekt zu nennen, allerdings sind die, quantitativ einem Telefonbuch gleichenden, Seiten für jeden Verantwortlichen eine große Herausforderung. Jeder potentielle Fall scheint bis ins kleinste Detail analysiert, eruiert und am Ende dann umsetzungstechnisch pauschalisiert zu sein. Unterschätzt werden, darf die neue Regulierung in keinem Fall, denn die Europäische Union ist im Zweifel immer am längeren Hebel, wie die Branche schon einige Male feststellen musste.

Der gemeine Berater muss sich mit einer Menge Fußnoten beschäftigen, wenn er auf korrektem Wege seine Produkte an den Mann bringen will. Schwierigkeiten hatte im Vorfeld bereits der Aspekt des „Geeignetheitstests“ gemacht, in dessen Rahmen zunächst die uneingeschränkte Empfehlung des günstigsten Produkts vorgesehen war. Dieser Punkt ist nun abgeschwächt worden und soll im Endeffekt nur noch „berücksichtigt“ werden. Berücksichtigt? Sie merken sicherlich, dass hier eine Menge an Interpretationsspielraum gegeben ist. Der Begriff ist im Zusammenhang mit einer Vorschrift, gelinde gesagt, schwierig. Hoffentlich endet diese Geschichte ob der Vielzahl an neuen Regeln nicht in einem totalen und unüberschaubaren Chaos. Weniger ist eben doch manchmal mehr.

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