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Equity Token statt Aktien

Der Gang an die Börse ist für viele Unternehmen zeit- und auch kostenintensiv. Manche Unternehmen setzen auf Equity Token als kostengünstigere und schnellere Alternative. Doch welche Chancen und Risiken entstehen hieraus? Eine Einschätzung von Pidder Seidl.

Von Pidder Seidl - 31. August 2020
Mann auf einem Drahtseil, Equity Token Chancen und Risiken

Foto: istock.com/treety

Equity Token sind wertpapierähnliche Token, bei denen den Token-Besitzern schuld- und mitbestimmungsrechtliche Ansprüche zustehen. Hieraus ergeben sich die gleichen Rechte und Pflichten für Anleger und Unternehmen, wie bei einem klassischen Wertpapier. Bei der Unternehmensfinanzierung durch Ausgabe von Equity Token wird in der Regel von Equity Token Offering (ETO) gesprochen.

Utility Token hingegen ermöglichen den Zugriff auf bestimmte Dienstleistungen oder Produkte, ähnlich wie ein Schlüssel, eine Eintrittskarte oder ein Gutschein. Aufgrund der geringen regulatorischen Auflagen wurden Utility Token von vielen Unternehmen bevorzugt für die Finanzierung ihrer Projekte genutzt, was zunächst von der Regulatorik so nicht vorgesehen war.

Kosten- und Zeitersparnis bei Equity Token

Unternehmen als Emittenten von Equity Token sehen viele Vorteile gegenüber der Ausgabe klassischer Aktien. Besonders betonen sie die Kosten- und Zeitersparnis, denn die Tokenisierung ist schneller und kostengünstiger. Inzwischen jedoch muss für eine erfolgreiche ETO-Kampagne deutlich mehr Zeit und erheblich mehr Marketingbudget als früher eingeplant werden. Das gilt auch für die Ausgabe von Utility Token zur Unternehmensfinanzierung, die auch ICO (Initial Coin Offering) genannt wird.

Ein weiterer Pluspunkt, den ETO-Fans betonen: Mit der Token-Ausgabe sind weniger Formalitäten verbunden. Außerdem erfolge der Kauf direkt zwischen Emittenten und Anlegern, was für den Anleger günstiger sei. Durch die fehlende Involvierung von Banken und anderen Finanzinstituten in den Handelsprozessen sollen vor allem Personen erreicht werden, die derzeit nicht an klassischen Börsengängen partizipieren. Allerdings: Das Fehlen von Banken und Börsen als Intermediär kann Betrug fördern, da die Token-Ausgabe nicht von einer weiteren Instanz auf Seriosität geprüft wird.

Höhere regulatorische Anforderungen

Durch den von der BaFin vergebenen Status als wertpapierähnlicher Token unterliegen Equity Token dem deutschen Wertpapierhandelsgesetz und der EU-Prospektverordnung. Das bedeutet, dass uneingeschränkt handelbare Equity Token in Deutschland nur angeboten werden dürfen, wenn ein umfassender Wertpapierprospekt erstellt wurde, den die BaFin gebilligt hat.

Danach aber kann der Emittent den Prospekt auch in anderen Staaten des europäischen Wirtschaftsraums nutzen. Das ist zunächst positiv. Wenn etwa die BaFin einen Wertpapierprospekt für einen ETO billigt und der Emittent die Token auch in Frankreich anbieten möchte, hat die französische Finanzmarktaufsicht keine Möglichkeit, das öffentliche Angebot der Token als Wertpapiere zu untersagen.

Bei einer Einordnung als Equity Token hat dies allerdings auch Auswirkungen für alle anderen potenziellen Zielländer außerhalb der EU. Denn mit der Einordnung als wertpapierähnliche Token fallen sie unter das jeweilige Wertpapierhandelsgesetz. Das macht eine Internationalisierung der Token über die Grenzen des EWR hinaus in der Geschwindigkeit der Utility Token unmöglich. Das erklärt auch, weshalb ein Krypto-Vorzeigeprojekt wie Ripple alles dafür tut, weiterhin nicht als Equity Token eingeordnet zu werden. Denn sonst müssten regulatorische Anforderungen in über 100 Ländern erfüllt werden und die Handelbarkeit der Token wäre unter derzeitigen Gegebenheiten nicht mehr darstellbar.

Eine gute Handelbarkeit

Gleichzeitig erleben Utility Token derzeit einen nennenswerten Aufwind in Form von Initial Exchange Offerings. Hierbei tritt die jeweilige Krypto-Börse als Intermediär auf, um die Seriosität des Unternehmens zu bestätigen. Sie gibt die neuen Token an die eigenen Nutzer aus. Durch die große Zahl an Nutzern auf den Börsen kann sichergestellt werden, dass eine entsprechend hohe Nachfrage auch nach der Ausgabe der neuen Token vorhanden und eine gute Handelbarkeit gegeben ist.

Der Vorteil der Utility Token hierbei ist, dass bei einem Initial Exchange Offering mit Equity Token nicht nur das Unternehmen selbst als Emittent, sondern auch die anbietende Plattform Verantwortlicher des Wertpapierprospekts ist. Hinzu kommt, dass nach europäischem Aufsichtsrecht in diesem Fall die volle MiFID-II- und MiFIR-Regulierung greift. Das macht Initial Exchange Offerings mit Equity Token für die Krypto-Börsen unattraktiv.

Neue Absatzmöglichkeiten mit Equity Token

Die größte Chance, den Equity Token doch noch zum gewünschten Durchbruch zu verhelfen, würde darin bestehen, dass Banken und Online-Broker als Plattform für einen Initial Exchange Offering agieren und so die Equity Token ihren Kunden zur Verfügung stellen. Denn Banken und Online-Broker erfüllen bereits alle notwendigen Regularien für den Wertpapierhandel.

Hinzu kommt, dass durch den bestehenden Kundenstamm dieser Institute die Equity Token einer Vielzahl an Anlegern angeboten werden könnten, die bisher noch nicht in Equity Token investiert haben. Das Initial Exchange Offering von Equity Token würde wiederum den Banken und Online-Brokern neue Absatzmöglichkeiten verschaffen. Hiervon würden Banken, Start-ups und Kunden profitieren. Denn Equity Token geben Kunden im Vergleich zu Utility Token deutlich mehr Rechtssicherheit.

Tipp: Lesen Sie auch die Beiträge „Was machen mit guten Ideen“ und „Change Management: Die Angst vor Veränderung“ aus dem Innovation-Special.

Pidder Seidl

comdirect bank AG

Pidder Seidl ist seit Anfang 2019 Head of comdirect-Start-up-Garage und arbeitet bei der comdirect bank AG im Innovationmanagement und Business Development.

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