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Access to Accounts (XS2A) – Herausforderung oder Chance?

Mit der Payment Services Directive (PSD2) hat die EU neue Vorgaben an Banken und Dienstleister ausgegeben. Inzwischen hat auch die deutsche Gesetzgebung die Umsetzung der Richtlinie vorangetrieben, sodass die PSD2 am 13. Januar 2018 in Kraft treten kann.

Von Michael Göpper - 06. November 2017

Advertorial

Während anfänglich die große Herausforderung für die Banken in der Umsetzung der Anforderungen gesehen wurde, ist die PSD2 in vielen Häusern zu einem strategischen Projekt avanciert. Und das sicher aus gutem Grunde. Die PSD2 betrifft neben internen Abläufen im Zahlungsverkehr in großem Maße die Öffnung der Bank nach außen. Aus Letzterem ist der Begriff Access to Accounts entstanden, der typischerweise mit XS2A abgekürzt wird. Die EU will damit einen größeren Markt für Dienstleister schaffen und dieses Feld deutlich klarer regeln, als das in der Vergangenheit geschehen ist. Ebenfalls eine große Neuerung: Die Dienstleister werden im Zuge dessen gleich mit in die Regulierung einbezogen.

Auf den ersten Blick bedeutet XS2A, dass Banken anderen Dienstleistern das Feld überlassen – oder zumindest Dritten die Möglichkeit einräumen müssen, den Kontakt zum Kunden zu übernehmen. Das ist aber nur der erste Blick. Tatsächlich kann sich ein Dritter hier zwischen Bank und Kunde drängen, etwa per Internet-Portal oder einer App. Faktisch betrifft das in erster Linie jedoch erst einmal die Onlineverbindung zwischen Kunde und Bank. Natürlich bleibt der Kunde weiterhin als Kunde der Bank bestehen, natürlich kann die Bank auch weiterhin über alle Kanäle auf den Kunden zugehen. Und nicht zuletzt ist weiterhin davon auszugehen, dass der Kunde auch das Online-Banking der Bank verwendet. XS2A ist also erst einmal kein Anzeichen dafür, dass der Kunde den Namen der Bank vergisst, bei dem er sein Konto führt.

Was hat die Bank davon?

Als Bank kann ich mich externer Dienstleister bedienen und meinen Kunden damit neue Services zur Verfügung stellen. Daraus kann sehr schnell eine Win-win-Situation entstehen. Insbesondere dann, wenn Banken mit Dritten eine Partnerschaft bilden, die Bank dabei die Kunden und der Dritte wiederum Dienstleistungen oder Apps beisteuert, welche Mehrwerte für die Endkunden schaffen. Mit entsprechenden XS2A-Schnittstellen ist es den Banken zudem möglich, eigene Multibankinglösungen anzubieten – und das auf europäischer Ebene. Klare und einfach strukturierte sowie möglichst einheitliche Schnittstellen laden natürlich dazu ein, neue Services auszuprobieren. Dank der geringen Kosten kann sich das dann auch schon für eine kleine Anzahl an Kunden rentieren. Kommt ein Service nicht an, sind die Ausgaben überschaubar.

Und die Vorteile für den Dienstleister?

In Deutschland haben wir die etwas außergewöhnliche Situation, dass schon seit einiger Zeit mit Financial Transaction Services (FinTS) eine Schnittstelle existiert, über die Dritte sowohl Kontoinformationen abrufen als auch Aufträge einreichen können – sofern ihnen der Kunde die Zugangsdaten überlässt. Es ist also geübte Praxis, und davon haben in der Vergangenheit Dienstleister profitiert – genauso wie Banken. Dienste wie Finanzmanagement über mehrere, nahezu beliebig viele Banken hinweg wären ohne FinTS nicht möglich. Es sind folglich sehr gute Erfahrungen in der Entwicklung von Services zu verzeichnen, die auch einen echten Vorteil für die Endkunden beinhalten.

Mit XS2A wird das für die Dienstleister noch interessanter und noch einfacher. Einfacher, weil zu erwarten ist, dass die Schnittstellen auf Bankenseite harmonisiert werden. So werden zwar sicher nicht alle Banken von Anfang an auf die gleiche Schnittstelle setzen und es wird länderspezifische Besonderheiten geben, jedoch zeigen die Bewegungen am Markt, dass die Anzahl der Schnittstellen durchaus überschaubar bleiben kann. Interessant ist dabei, dass plötzlich nicht nur Banken in einem einzigen Land angebunden werden können, sondern eine große Anzahl in ganz Europa. Gerade für Start-ups, die ja einen wichtigen Teil der Fintechs darstellen, ist eine schnelle und möglichst große Skalierung von entscheidender Bedeutung. Und gerade diesen Markt will die EU ja mit XS2A fördern und stärken. Auch Partnerschaften mit Banken können dank XS2A auf breitere Füße gestellt werden. Gerade weil die Integration deutlich einfacher fällt, kann ein Dienstleister schneller und mit mehreren Banken entsprechende Kooperationen eingehen.

Banken und Fintechs werden durch „Hubs“ unterstützt

Wie in der Vergangenheit wird es auch in der Zukunft Dienstleister geben, die Dritte und Banken zusammenbringen und für einheitliche Schnittstellen sorgen. Man kann diese als Hubs bezeichnen, die aus Sicht von Dritten dafür sorgen, dass die unterschiedlichen Bankschnittstellen vereinheitlicht angesprochen werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Damit wird eine Integration noch deutlich einfacher und schneller, da zur Anbindung aller angeschlossenen Banken nur eine einzige Schnittstelle zu integrieren ist.

XS2A ist eine sehr spannende Herausforderung, die sich Banken und Dienstleistern stellt. Rechtzeitig und flexibel aufgestellt lassen sich so neue Märkte erschließen, die zuvor nicht oder nur sehr aufwändig erreichbar waren.

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