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Arbeiten von Zuhause: Ein Erfolgsmodell?

Die Bahn hat mal wieder Verspätung, auf der Autobahn ist Stau, der Handwerker kommt oder das Kind liegt krank im Bett – Gründe, sich zu wünschen, dass man den Job von Zuhause aus erledigen kann, gibt es viele. Auch in der Bankbranche steigt die Tendenz zu flexibleren Arbeitsmodellen. Doch bringt das wirklich was?

Von Laura Kracht - 27. Februar 2020
Grafik Home-Office

Foto: istock.com/Nadezhda Fedrunova

Viele Arbeitnehmer haben mittlerweile den Wunsch, ihren Job von Zuhause aus zu erledigen.

Mobiles oder dezentrales Arbeiten, Home-Office und Telearbeit – Begriffe dafür gibt es viele. Die Bedeutung ist ähnlich: den Job erledigen, ohne vor Ort beim Arbeitgeber zu sein.

Unter Home-Office kann jegliche Arbeit verstanden werden, die nicht in den Firmenräumen stattfindet. Häufiger wird Home-Office aber als Form der Arbeit gefasst, bei der Mitarbeiter ihre beruflichen Tätigkeiten vom eigenen Zuhause aus ausführen. In der Regel handelt es sich dabei um einen festgelegten Arbeitsplatz im Privatbereich des Arbeitnehmers, den der Arbeitgeber eingerichtet oder genehmigt hat. Früher wurde diese Form als Telearbeit bezeichnet.

Davon abgegrenzt werden kann das Arbeiten von unterwegs, sei es in Bus und Bahn oder im Hotel. Mobiles Arbeiten ist also ein noch flexibleres Modell, da hier wirklich von überall aus gearbeitet werden kann. Für die meisten Arbeitnehmer ist es üblich, sowohl Tage im Büro zu sein als auch festgelegte Home-Office-Tage zu haben.

Selbstbestimmt und flexibel arbeiten im Home-Office

Es hat insgesamt eine Dynamisierung der Arbeit stattgefunden und verschiedene Modelle wurden entwickelt. Zeitlich flexible Arbeitsmodelle wie Gleit- und Teilzeit sind längst auf dem Vormarsch. Nun wird auch immer häufiger an vielen Arbeitsplätzen nach räumlicher Entgrenzung gerufen. Das Konzept der Telearbeit etablierte sich schon in den 1970ern. Seitdem steigt der Wunsch nach selbstbestimmten Arbeitszeiten an – branchenübergreifend.

Das hat auch der Gesetzgeber vernommen. 2016 wurde mit der Novellierung der Arbeitsstättenverordnung der Begriff „Telearbeit“ zum ersten Mal legaldefiniert. Auch im Koalitionsvertrag für die 19. Legislaturperiode wird mobiles Arbeiten angesprochen. Bisher gibt es aber den gesetzlichen Rahmen, der das mobile Arbeiten regelt, nicht. Ein Arbeitgeber ist also nicht verpflichtet, Mitarbeitern mobiles Arbeiten zu ermöglichen.

Aber: „95 Prozent der Unternehmen haben erkannt, welche Chancen zum Beispiel Home-Office-Angebote für ihre Arbeitgeberattraktivität bieten“, heißt es in der 2017 erschienenen Broschüre „Digitale Vereinbarkeit – Home-Office und mobiles Arbeiten – eine Toolbox für Unternehmen und Beschäftigte mit Familienaufgaben“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Deutschlands Finanzbranche wird mobil

Da mittlerweile ohnehin ein Großteil der Beschäftigten mit dem Computer arbeitet, ist das – zumindest von technischer Seite aus – kein Problem mehr. Über eine Remote-Desktop-Verbindung oder einen Arbeitsrechner kann ein Mitarbeiter die gleichen Aufgaben in der heimischen Umgebung angehen. Digitale Daten sind von überall aus verfügbar. Dank Breitbandangeboten lässt sich sogar eine leibliche Ko-Präsenz im Büro simulieren. So können Kollegen, die sich gerade in anderen Teilen der Welt befinden, in die Abläufe vor Ort eingebunden werden.

Auch im Finanzsektor gibt es einige Berufsfelder, bei denen diese Möglichkeiten leicht umzusetzen sind. So finden sich hier auch Unternehmen, die Home-Office und mobiles Arbeiten fördern. Zum Beispiel sagt Stefanie von Carlsburg, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der Haspa: „Die Hamburger Sparkasse unterstützt mobiles Arbeiten außerhalb des regulären Arbeitsplatzes. Diese räumliche und zeitliche Flexibilisierung der Arbeit führt zu einer höheren Attraktivität der Haspa als Arbeitgeber und fördert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Mehr Zeit für Partnerschaft und Familie

Das Arbeiten von Zuhause erspart Stress und Zeit beim Arbeitsweg. Außerdem können Termine anders wahrgenommen werden. All das sorgt für Entspannung. Laut BMFSFJ ist im Durchschnitt dadurch eine Zeitersparnis von 4,4 Stunden pro Woche drin.

Zeit, die auch für Partnerschaft und Familie eingesetzt werden kann. Als größter Vorteil des mobilen Arbeitens oder des Home-Office wird die bessere Organisation innerhalb der Familie genannt. Daher erklärt Christine Peters, Mediensprecherin Externe Kommunikation bei der Deutschen Bank, dass Home-Office-Verträge vor allem während der Familienphase zum Einsatz kommen, da beim Home-Office strenge arbeitsicherheitsrechtliche Anforderungen gelten. Home-Office sei, „wenn Mitarbeiter auf Basis einer Vereinbarung mit der Bank regelmäßig Anteile ihrer vertraglichen Arbeitszeit von Zuhause oder von einem anderen Privatbereich erbringen.“

Mobiles Arbeiten als Motivationsturbo

Nicht nur beim Kampf um Fachkräfte oder bei der Förderung von Familien kann es für einen Arbeitgeber vorteilhaft sein, Home-Office oder mobiles Arbeiten anzubieten, wie aus dem Leitfaden  „Digitale Vereinbarkeit“ hervorgeht: „Unternehmen können durch optimierte Abläufe und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Effizienz und Produktivität steigern.“

Dies bestätigt auch Robert Szwedo, Bereichsleiter Human Resources bei der KfW Bankengruppe: „Mobiles Arbeiten erhöht die Arbeitsmotivation und die Verbundenheit mit dem Unternehmen, sofern Mitarbeiter diesen Freiraum, der ihnen ermöglicht wird, gut nutzen.“ Das wiederum unterstütze auch die Umsetzung der Unternehmensziele. „Auch in einer aktuellen Mitarbeiterbefragung hat das Thema Work-Life Balance hohe Zustimmungswerte erzielt. Beispielsweise haben 82 Prozent der Mitarbeiter bestätigt, dass ihre direkte Führungskraft die Nutzung möglicher Flexibilität zur Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben unterstützt. Das verdeutlicht die positive Sicht auf die Umsetzung der Work-Life-Balance in der KfW“, sagt HR-Verantwortlicher Szwedo.

Die KfW biete die Möglichkeit seit 2015 an. Robert Szwedo betont das steigende Interesse durch die Mitarbeiter. Von 400 Mitarbeitern, die rund 8.000 Tage mobil gearbeitet haben, ist die Zahl auf über 800 Personen und rund 28.000 Tage im Jahr 2019 angestiegen.

Viele Vorteile durch flexible Arbeit im Home-Office

Die Vorteile – Mitarbeiterzufriedenheit und Attraktivität als Arbeitgeber – benennt auch Anne Grobe, Leiterin der Abteilung „Personalservices, Beratung & Recruiting“ bei der comdirect bank AG. Und sie spricht einen weiteren positiven Aspekt an: „Mobiles Arbeiten ist nicht zuletzt ein stark kulturbildendes Instrument im Einklang mit unserer Vertrauenskultur bei comdirect.“ Auch ihre Bank biete mobiles Arbeiten schon seit längerer Zeit an. Man habe nur positive Erfahrungen mit dem Konzept gemacht.

Räumliche Entgrenzung der Arbeit sorgt also auch für gute Unternehmenskultur und Mitarbeitertreue. Laut der Toolbox zur „Digitalen Vereinbarkeit“ könne das Einführen von Home-Office-Angeboten in Unternehmen mit stärkerer Präsenzkultur dazu führen, dass eine „Ergebniskultur“ entstünde, „in der bloße Anwesenheit nicht mehr als Zeichen von Leistung verstanden wird und in der Mitarbeiter den Mut haben, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu artikulieren.“

Doch ist das wirklich so? Bietet das mobile Arbeiten wirklich nur Vorteile für alle Seiten? Kann mobile Arbeit gar ein Karriereturbo sein, da man motivierter arbeitet? Oder wirkt sich die fehlende Präsenz im Unternehmen nicht doch auch negativ aus? Lesen Sie dazu hier den zweiten Teil des Artikels.

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