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Arbeitszeitmodelle in Banken – Gesellschaftliche Fragestellungen zur Entwicklung

Bereits im Dezember 2013 stellte das Unternehmen Microsoft der Öffentlichkeit das sogenannte „Manifest für ein neues Arbeiten“ vor. In diesem ging es darum, dass in digitalen Welten und Arbeitswelten, die aus Denken und Projekten bestehen, ein starres 9to5-Modell nicht mehr zeitgemäß sei. Microsoft legt hier fest, dass ein Arbeiten der Mitarbeiter immer und überall erfolgen könne.

Von - 29. März 2017

Mitarbeiter in Banken fühlen sich von Arbeitszeitmodellen häufig eingeengt. Und auch viele Kunden erwarten eine 24/7-Erreichbarkeit. Doch sind wir wirklich bereit für neue Arbeitszeitmodelle? Bildnachweis: iStock.com/maselkoo99

Genau dieser Artikel hat zu vielschichtigen Meinungsäußerungen im Netz geführt. So macht vielen Menschen die Vorstellung Angst, nicht mehr nach dem altbekannten Rhythmus in ihr Büro zu gehen, sondern ihre Arbeit überall zu verrichten. Andere beschreiben, dass genau hierin der Vorteil liege. Kindererziehung oder die Betreuung pflegebedürftiger Eltern wird einfacher, wenn wir Ort und Zeit unseres Arbeitsalltags flexibel einteilen können. Allerdings wünschen sich gerade die jungen Menschen eine klare Trennung zwischen Privat- und Arbeitsleben.

Erreichbarkeit 24/7

Im Idealfall sollte es so sein, dass wir Mitarbeiter in Banken im engen Kundenkontakt stehen – egal, ob dieser nun online oder offline den Weg zu uns findet. Die Veränderung wird darin liegen, sich optimal im Sinne der Kundenbedürfnisse aufzustellen. Der Kunde wird nicht nach den Öffnungszeiten der Filiale fragen, wenn er digital die Antworten auf seine Fragen erhält, die er sich und uns stellt. Mit anderen Worten: Der Kunde der Zukunft erwartet eine 24/7-Erreichbarkeit seiner Bank. Auf der anderen Seite besteht das Gebilde Bank jedoch aus zahlreichen Abteilungen, die (leider) nicht immer unmittelbar am Kunden sind. Operations, Legal, Produktmanagement sowie IT sind nur einzelne Beispiele. Beispiele für Denk- und Projektarbeiter, von denen wir die Innovationen erwarten, welche die Bankenwelt braucht. Sie heben uns von den Fintechs ab und bringen uns idealerweise eine Marktführerschaft ein. Aber auch diese Denker unterliegen den Tarifverträgen der Banken. Tarifverträge, die sicherlich vieles beinhalten, was sehr sinnvoll ist, und die als Errungenschaften der Bemühungen der Gewerkschaften und Betriebsräte angesehen werden können.

Flexibles Arbeiten versus unflexible Zeiterfassung

So ist der Anteil der Beschäftigten im privaten Bankgewerbe, die in Unternehmen mit folgenden Arbeitszeit-Angeboten arbeiten, vergleichsweise hoch: Flexible Arbeitszeit bzw. -organisation (99,8%), Teilzeit (99,5%), Gleitzeit (93,2%), Telearbeit / Home Office (84,7%) und Job-Sharing (74,2%) werden als Modelle angeboten. Über die Nutzungsquote wird nirgendwo etwas gesagt. Nun stellt sich für mich die Frage, ob dies alles der Lebenswirklichkeit in unseren Jobs entspricht.

Wie oft sitze ich im Zug oder sonst wo und arbeite auf dem privaten iPad, mit dem ich problemlos auf die Kernbanksysteme zugreifen kann? Wie oft arbeite ich am Wochenende oder sehr spät am Abend, weil genau dann mein Hirn Gedanken produziert, die ich für ein laufendes Projekt wichtig finde? Wie oft telefoniere ich zu unmöglichen Zeiten in globalen Projekten? Und natürlich erfasse ich diese Zeiten nicht. Sie liegen in der Regel außerhalb der Arbeitszeitregelung unseres Unternehmens. Arbeitszeiterfassungsmodelle sind eben auch nicht flexibel. So kenne ich sogar ein Unternehmen, welches stolz darauf ist, dass seine Mitarbeiter noch mit Lochkarten stempeln.

Unseren neuen Mitbewerbern, den Fintechs, stellt sich diese Frage eher nicht. Sie unterliegen in der Regel keinen Tarifverträgen und arbeiten frei und agil. So denke ich an Events, bei denen es darum geht, innerhalb von 48 Stunden mit einem Team eine neue Anwendung zu kreieren und vorzustellen, in der Hoffnung, den Pitch (müde aber mit strahlenden Augen) erfolgreich zu absolvieren. In der Lebenswirklichkeit kennen wir natürlich solche Aktionen auch aus unseren Projekten. Gleichwohl wäre das niemals durch die Arbeitszeitgesetze und die Tarifverträge gedeckt. Ich arbeite für ein Haus, welches für sich reklamiert, alle Arbeitszeitmodelle anzubieten, die nur denkbar sind, um seine Mitarbeiter zufrieden zu stellen. Und doch genehmigen unsere Betriebsräte neue Arbeitszeitmodelle nicht.

Sind wir offen für neue Arbeitszeitmodelle?

Werden wir künftig nur noch als freie Handelsvertreter arbeiten? Als selbständig arbeitende Menschen unterliegen diese keinen Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträgen. Dem Kunden käme es entgegen. Vielleicht muss sich aber auch der Kunde umstellen. Ist eine Eins-zu-eins-Kundenbetreuung noch zeitgemäß? Oder muss sich der Kunde demnächst auf die Schichtarbeit seines Betreuers einstellen? Da frage ich mich wirklich, was das Äquivalent zur Gewerkschaft (der Errungenschaft der Industrialisierung) im Zeitalter der Digitalisierung wohl wäre. Oder hat sich die Gewerkschaft sogar komplett überflüssig gemacht? Brauchen wir Betriebsräte, die offen sind für neues Arbeiten? Und sind wir eigentlich offen dafür – nicht nur für neue Arbeitszeitmodelle, sondern auch für einen Kulturwandel?

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