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Auf die Plätze, fertig, los! Der Kampf um die besten Mitarbeiter beginnt

Wer heute als gut qualifizierter Mitarbeiter auf der Suche nach einer neuen Herausforderung ist, lässt sich immer häufiger von Recruitern ansprechen, statt selbst aktiv zu werden. Das stellt Personaler vor ganz neue Herausforderungen. Welche das sind, erklärt Boris Boettcher, Leiter der Personalabteilung der Quirin Privatbank AG.

Von Daniel Fernandez - 28. März 2018

Bildnachweis: iStock.com/negoworks

BANKINGNEWS: Der Fachkräftemangel holt Unternehmen mehr und mehr ein – was sind Ihrer Auffassung nach die größten Herausforderungen bei der Gewinnung neuer Berater bzw. Mitarbeiter?

Boris Boettcher: Infolge einer annähernden Vollbeschäftigung können sich gut qualifizierte Arbeitnehmer in Deutschland die Jobs immer häufiger aussuchen. Fachkräftemangel und Bewerberwandel mischen den Arbeitsmarkt kräftig auf. Suchten Menschen früher aktiv nach einer beruflichen Veränderung, bleiben heute viele eher passiv. Sie setzen zunehmend auf Empfehlungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis oder wollen direkt von attraktiven Arbeitgebern angesprochen werden.

Welche Folgen hat das für das Recruiting geeigneter Mitarbeiter, in Ihrem Falle von Beratern?

So wie sich der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren gewandelt hat, so musste sich auch die Personalbeschaffung verändern. Recruiting bedeutet heute nicht mehr das Bearbeiten von eingehenden Bewerbungen, sondern es erfordert in erster Linie ein aktives Akquirieren von geeigneten Kandidaten. Der Recruiting-Mitarbeiter der Personalabteilung ist heute mehr denn je ein Akquisiteur.

„Wir haben uns bewusst für ein Inhouse-Recruiting entschieden“

Welche Herausforderungen bringt der Markt darüber hinaus mit sich?

Die Arbeitslosenquote ist in den letzten Jahren stark gesunken und Fachkräfte sind gefragt. Es entwickelt sich zunehmend ein Bewerbermarkt, in dem Bewerber entsprechende Forderungen stellen können. Neben dem Jobprofil und dem Gehalt sind vielen Bewerbern Faktoren wie die Work-Life-Balance, ein angenehmes Arbeitsklima, flexible Arbeitszeiten und monetäre Benefits wichtig. Das bedeutet, dass das Recruiting entsprechend aktiv sein und sich um neue Mitarbeiter bemühen muss. Wir haben uns bewusst für ein Inhouse-Recruiting entschieden, damit wir Kandidaten bewusst auswählen und gezielt ansprechen können.

Gibt es in der Finanzbranche Besonderheiten bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter?

Eine Besonderheit in der Bankbranche ist die Tatsache, dass einerseits zwar seit Jahren ein Stellenabbau bei herkömmlichen Banken zu verzeichnen ist. Andererseits ist es trotzdem eine Herausforderung, qualifizierte neue Mitarbeiter zu finden. Viele Bankberater wechseln aus Frust oder mangelnder Zukunftsperspektive komplett in andere Branchen, weil sie keine Lust mehr auf Vertrieb haben oder nicht wissen, dass es auch anders geht.

Womit wir bei Ihrem Geschäftsmodell wären. Kommt es Ihnen bei der Suche nach geeigneten Kandidaten zugute oder ist es eher hinderlich?

Unser Geschäftsmodell spielt uns vor allem bei der Suche nach neuen Beratern in die Karten. Wir sind die einzige Bank in Deutschland, die Anleger unabhängig, sprich ausschließlich gegen Honorar, berät. Wir haben keine hauseigenen Produkte, die vertrieben werden müssen, und wir erhalten keine Provisionen von Produktanbietern. Viele Berater bei anderen Banken sind unzufrieden, weil die Beratung in den letzten Jahren zum provisionsgesteuerten Vertrieb verkommen ist. Die ganzheitliche Beratung und eine bedürfnisorientierte Produktauswahl bleiben oft auf der Strecke, die Provisionsinteressen der Banken stehen im Vordergrund. Davon haben viele Berater genug; sie suchen nach Alternativen und sind offen für Veränderungen. Einige kommen von selbst auf uns zu, andere werden von unserer Personalabteilung „entdeckt“.

Was muss ein Bewerber „mitbringen“, damit Sie ihn ansprechen – oder damit seine Bewerbung hervorsticht?

In erster Linie Begeisterung für unser Geschäftsmodell und für die unabhängige Beratung. Dafür muss der potenzielle Mitarbeiter brennen. Darüber hinaus ist uns vor allem Authentizität wichtig und der Wunsch, endlich wieder auf der Seite des Kunden stehen zu dürfen. Das hat mehr Gewicht als ein vermeintlich perfekter Lebenslauf.

Im vergangenen Jahr kündigte die Quirin Privatbank an, bis 2021 etwa 50 neue Berater einstellen zu wollen. Was ist aus diesem Ziel geworden?

Geplant war, innerhalb von fünf Jahren 50 neue Berater einzustellen, per anno zehn. Das anteilige Ziel haben wir im letzten Jahr erreicht – wir haben sogar mehr Mitarbeiter eingestellt, allerdings nicht nur Berater, sondern auch für interne, zentrale Positionen. Wir wollen weiter wachsen und sind nach wie vor auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern.

Boris Boettcher

Quirin Privatbank

Boris Boettcher ist seit 2008 für die Quirin Privatbank tätig, seit über fünf Jahren leitet er die Personalabteilung.  Zu seinen Aufgaben zählen klassische Personalthemen wie das Personalmanagement und die Mitarbeitergewinnung, aber auch die strategische Beratung der Geschäftsleitung.

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