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Der „Erste Campus“ – Architektur, die Unternehmenswerte berücksichtigt

Die Bedeutung von Mitarbeiterzufriedenheit und einem angenehmen Arbeitsumfeld wird für Arbeitgeber immer wichtiger. Dies zieht nicht nur Änderungen an der Gestaltung von Firmenbüros nach sich, sondern erfordert flexible Arbeitsformen, adaptive Führungskonzepte und ein hohes Maß an Selbstverantwortung.

Von Ursula Tavolato-Kuntner - 01. Dezember 2017

Der Erste Campus dient seit Anfang 2016 als das neue Headquarter der Erste Group. Bildnachweis: Erste Bank/Christian Wind

Unsere Arbeitswelten verändern sich derzeit grundlegend. Verantwortlich dafür sind neue Informationstechnologien und unterschiedliche Anforderungen an die Arbeit jüngerer Generationen. Die Beziehung der Banken zu ihren Kunden ist ebenso im Umbruch. Flexibilität und Mobilität nehmen zu und werden gefordert. Der Sinn der Arbeit ist heute ebenso bedeutend wie die Vereinbarkeit zwischen Berufs- und Privatleben.

Eine historische Chance auf die Arbeitswelt der Zukunft

Die Erste Group hat  dieser Entwicklung mit dem neuen Headquarter Rechnung getragen und ein Gebäude umgesetzt, das ihrer Firmenkultur entspricht: Transparenz, Offenheit und Zugänglichkeit leben wir nicht nur in unseren Dienstleistungen, wir zeigen sie auch in der Architektur. Der Bau des Erste Campus war eine historische Chance, die Arbeitskultur für die Zukunft zu prägen. Und diese Chance wurde genutzt: Wir wollten ein Bürogebäude errichten, das Kommunikation und Zusammenarbeit jenseits organisatorischer Grenzen unterstützt, in dem Wissensaustausch erleichtert wird und Visionen umgesetzt werden, um neue Lösungen für Kunden hervorzubringen.

Das dazu passende Arbeitsplatzkonzept nennt sich „Activity Based Working“. Wir haben unterschiedliche Zonen geschaffen, die verschiedenartige Tätigkeiten unterstützen: gemeinsames Arbeiten im Team,  konzentriertes Arbeiten in ruhiger Umgebung, ohne laufend gestört zu werden, aber auch herkömmliche Bürotätigkeiten, bei denen telefoniert und gesprochen wird. Für diese verschiedenen Tätigkeiten haben wir sehr hochwertiges Mobiliar bereitgestellt, wie zum Beispiel Tische, die bis zur Stehhöhe hinaufgefahren werden können. Wir haben bewusst auf kleine Büros verzichtet. Unsere Großraumbüros sind jedoch keine riesigen Hallen, wie es in den 80er- oder 90er-Jahren häufig der Fall war.

Unser Open Space besteht vielmehr aus Einheiten von bis zu acht Arbeitstischen, die durch Trennelemente in Form von Bibliotheken, Regalen oder Besprechungszimmern unterbrochen sind. Es gibt keine fixen Arbeitsplätze, dafür aber die Freiheit zu wählen. Ein großzügiges Gartendeck sowie Meeting-Points in den einzelnen Stockwerken sorgen derweil für eine kommunikative und zugleich entspannte Atmosphäre. Ein Kindergarten und ein Health Center mit umfangreichen Gesundheitsangeboten  finden sich ebenfalls im Haus. Neben zwei Betriebsrestaurants gibt es ein Café, ein asiatisches Restaurant und ein Bierlokal, die alle für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

Der Campus gleicht einer vielfältigen Stadtlandschaft

Bei uns hat Kommunikation einen großen Stellenwert. Wer auf den Campus kommt, möchte sich austauschen, zusammenarbeiten oder einfach sozial interagieren. Der Campus gleicht einer angenehmen, vielfältigen Stadtlandschaft, die für unterschiedliche Bedürfnisse wie Konzentration und Kommunikation Rückzugsräume zur individuellen Auswahl anbietet. Offene Strukturen und Einrichtungen erleichtern formelle und informelle Kommunikation. Die Arbeitsplätze sind so angelegt, dass man zum häufigen Positionswechsel animiert wird. Flexible, funktionale und bedarfsgerechte Arbeitsmöglichkeiten geben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Handlungsspielraum in der Art ihrer Aufgabenerledigung. Unsere neue Arbeitswelt verspricht weitgehende Entscheidungsfreiheit, wo und wann wir unsere Tätigkeit ausüben. Durch die Ausstattung mit Laptop und Mobiltelefon können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aussuchen, wo sie am besten arbeiten – in einem anderen Büro, einem anderen Gebäudeteil oder am Gartendeck. Das Arbeitsergebnis steht im Vordergrund, nicht die Anwesenheit im Büro.

Eigenverantwortung ist ein Eckpfeiler der neuen Arbeitswelt. Je größer die Freiheit der Arbeitseinteilung ist, desto wichtiger ist die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren. Die technische Ausstattung erlaubt es, auch im Home-Office zu arbeiten. Somit ist automatisch auch die Führungsarbeit anspruchsvoller. Es gibt keine Einzelzimmer. Auch Führungskräfte sind nicht mehr an einen Platz gebunden, sondern in Ort und Zeit flexibel. Partnerschaftliches Miteinander von Führungskräften sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Open Space sowie Führung auf räumliche Distanz werden Alltag. Eine Kultur des gegenseitigen Vertrauens ist somit unabdingbar.

Die Erfahrungen sind nicht für alle gleichermaßen einfach. Die Mehrheit unserer Mitarbeiter fühlt sich nach mehr als einem Jahr  sehr wohl in der neuen Arbeitsumgebung. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die sich nicht mehr vorstellen können, anders zu arbeiten. Manche wünschen sich jedoch noch immer ihren Schreibtisch oder ihr Einzelzimmer zurück. Ohne es allen recht machen zu können, ist jedoch die Veränderung  im Sinne der Gemeinschaft nutzstiftend. Der respektvolle Umgang ist essentiell in einer Gesellschaft, die mehr teilt als besitzt. Gemeinsam an etwas zu glauben und daran zu arbeiten, gibt auch in der Arbeitswelt Sinn.

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