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Digital Leadership gibt’s nicht

Leadership lässt sich als soziale Beziehung nicht digital abbilden. Dennoch muss sich Führung – auch durch die Digitalisierung angestoßen – auf vielen Ebenen verändern.

Von Dr. Bernd Blessin - 13. September 2019

Hierarchische Führung stirbt aus. Stattdessen gewinnen Teamorientierung, Partizipation, Vernetzung, Vertrauen und Offenheit an Bedeutung. Bildnachweis: iStock.com/pixelfit

Wer Führung neu denken will, kommt mit Begriffserweiterungen, wie derzeit häufig gebraucht, nicht weiter. Etwa Leadership mit dem Zusatz „Digital“. Denn Digital Leadership gibt es nicht! Digital Leadership oder Digitale Führungskompetenz stellen keinen eigenen Führungsstil dar. Es ist gar ein Paradoxon, da sich Leadership als soziale Beziehung nicht digital abbilden lässt.

Es scheint sicher: Hierarchische Führung stirbt aus. Das geschieht manchmal schleichend, manchmal erdrutschartig – je nach Unternehmenskontext. Wichtig wird die Vermittlung von Sinn, der Wunsch nach Abbau von Hierarchie, Partizipation und Teamorientierung sowie fluidere und agilere Formen der Zusammenarbeit. Und somit eine zunehmende Selbstbestimmung und Selbstorganisation der Mitarbeiter.

Netzwerken war noch nie so wichtig wie jetzt

Ein zentrales Kennzeichen der Digitalisierung ist die Vernetzung. Mit Facebook, Twitter, YouTube, Instagram oder Snapchat ist Vernetzung und offener Austausch weltweit, im Unternehmen, im Team oder bilateral möglich. Netzwerken war noch nie so einfach und zugleich noch nie so wichtig wie jetzt. Für Führung bedeutet dies, dass Netzwerken zu einer zentralen Kompetenz werden muss. Führungspartner müssen die Bildung tragfähiger Beziehungen und Kooperation als Grundmodell verstehen.

Damit eng verbunden ist das Entwickeln und Leben von Offenheit. Das beinhaltet etwa, neue Formen der Zusammenarbeit sowie iteratives und inkrementelles Vorgehen und damit Lernen und „Verlernen“ zu ermöglichen, Diversität zu fördern und fordern sowie andere Sicht- und Herangehensweisen zu respektieren. Durch Partizipation verbinden sich Führungspartner und Mitarbeiter besser mit Zielen und Aufgaben, wenn sie transparent und gemeinsam vereinbart werden.

Command-and-Control hat ausgedient

Vertrauen ist schon immer eine wesentliche Komponente der Führungsbeziehung. Kooperation und Partizipation sind ohne Vertrauen kaum möglich. Ohne Vertrauen der Führung in die Mitarbeiter, aber auch der Mitarbeiter in die Führung, sinkt ihre Wirkung. Das Erarbeiten von Vertrauen gewinnt an Bedeutung, weil durch Führende ohnehin immer weniger kontrollier- und vorhersagbar ist.

Was sich in Unternehmen sicher ändern wird, ist, dass Command-and-Control ausgedient hat. Wir befinden uns in Zeiten postheroischer Führung. Das bedeutet mehr Partizipation und Mitspracherecht, Eigenverantwortung, Selbstorganisation und Vernetzung der Mitarbeiter.

Unverändert bleibt der Führungspartner in besonderer Verantwortung für die Leistung, die Kommunikation und das Ergebnis der Teams. Führende sind als Mentoren und Coaches gefragt. Sie müssen vorleben, wenn Mitarbeiter ihnen folgen sollen.

Dr. Bernd Blessin

VPV Lebensversicherungs AG

Dr. Bernd Blessin ist Leiter Personal und Organisation sowie Recht und Compliance (CCO) der VPV Versicherungen. Er ist zudem Präsidiumsmitglied des Bundesverbands der Personalmanager (BPM) und Mitautor von „Führen und führen lassen“.

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