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Lebensferne Universität?

Die Kritik hat es in sich: Universitäten produzieren Akademiker, die für den Markt schlecht oder überhaupt nicht vorbereitet sind. Doch die Rolle der Studenten bleibt dabei oft außen vor.

Von Julian Achleitner - 22. Dezember 2015

Studenten werden nicht optimal auf die berufliche Laufbahn vorbereitet! Das Studium ist nicht praxisorientiert! Universitäten schmeißen Jahr für Jahr Theoretiker en masse auf den Markt! Diese Vorwürfe hört man immer wieder, sobald das Gesprächsthema auf die akademische Ausbildung fällt. Aber auch außerhalb des persönlichen Gesprächs unter Freunden und Kollegen stößt man unweigerlich auf diese Argumente. Wer jetzt aber denkt, dass all diese Vorwürfe der Bolognareform zuzuschreiben sind, ist gewaltig auf dem Holzweg. Schon in früheren Zeiten, als das mittlerweile verklärte Diplom das lange Studium belohnte, waren diese sie im Raum.

Es soll jetzt ausnahmsweise keine Schelte der Lehrpläne und der angeblich im Elfenbeinturm lebenden Professoren folgen, sondern eine Schelte an die Erwartungshaltung so mancher Studenten. Viele machen gerade zu Beginn ihres Studiums die schmerzhafte Erfahrung, dass Schule und Universität zwei ganz verschiedene Paar Schuhe sind. Einige lernen diesen Unterschied bis zum Schluss nicht. An der Universität bekommt man nicht alles vorgekaut und muss viel Eigenengagement an Tag legen. Hier nimmt kein Dozent die Studenten an die Hand oder fragt solange nach, bis auch der Letzte die Thematik verstanden hat. Arbeitet der Student die Veranstaltung nicht nach, ist es in erster Linie sein Problem und nicht das einer „lebensfernen“ Universität, die ihre Schützlinge nicht adäquat auf die Berufswelt vorbereitet.
Besonders auffallend ist die mangelnde Kenntnis der grundlegendsten Begriffe. Kennt man sie bei Beginn des Studiums nicht, sollte das bereits oben beschriebene Eigenengagement greifen. Doch leider bleiben diese Begriffe Terra Incognita. Auch mit der Einführung der Bachelor-und Masterabschlüsse hat sich daran wenig geändert. Bedauerlicherweise ist dieses Wissen bei vielen Studenten nicht gegeben. Dabei handelt es sich nicht um Fachbegriffe, die sich einem erst nach intensiver und jahrelanger Forschung erschließen. Es geht hier vielmehr um Fragen wie: Wie rechnet man die Punkte des DAX aus? Wie kommt ein Unternehmen überhaupt in den DAX? Was bedeutet eine Währungsabwertung oder ein Handelsüberschuss? Wer das nicht weiß, sollte sein Studium überdenken und sich fragen, ob er das Richtige studiert.

Ein Studium kann man nur bestehen, wenn Leidenschaft und Drang nach Wissen ebenso vorhanden sind, wie das Basiswissen des Faches. Fehlen diese, kann die Universität zur wahren Qual werden.

Bildnachweis: darksite via istockphoto.de

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