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Resultate statt Riten

Arbeitgeber und Gewerkschaften müssen Partner sein, die konstruktiv an Lösungen arbeiten. Ein Rückfall in veraltete Eskalationsriten hilft am Ende keinem. Nur gemeinsam können beide Seiten die besten Resultate für die Beschäftigten erzielen.

Von Gunar Feth - 11. Oktober 2021
Gewerkschaften Voeb Tarifverhandlungen

Foto: Foto: Peter Himsel

Ende September sind die Tarifgespräche der öffentlichen Banken in die zweite Runde gegangen. Arbeitgeber und Gewerkschaften haben sich über die Forderungen der Arbeitnehmervertreter ausgetauscht. Gleichzeitig konnten wir als Arbeitgeber unseren Zukunftsplan für die Institute und ihre Beschäftigten vorstellen.

Dieser Zukunftsplan hat ein Ziel: eine zukunftsfeste Bankenlandschaft mit modernen und sicheren Arbeitsplätzen. Ein Bestreben, das wir mit den Gewerkschaften teilen.

Unser Plan besteht dabei aus vier Bausteinen: Den ersten Baustein, einen modernen Tarifvertrag für die Nachwuchskräfte in den öffentlichen Banken, haben wir in dieser Tarifrunde bereits erfolgreich mit den Gewerkschaften abgeschlossen. Wir waren uns der gemeinsamen Verantwortung gegenüber den jungen Menschen bewusst und haben konstruktiv und sachorientiert zusammengearbeitet.

Gewerkschaften Voeb Tarifverhandlungen
Die Banken-Arbeitgeber suchen auch außerhalb des Verhandlungssaals das Gespräch mit den Mitgliedern von ver.di. (Foto: Peter Himsel)

Der zweite zentrale Bestandteil des Zukunftsplans ist die Reform des Entgeltsystems. Um zukunftsfähig zu sein, brauchen wir ein Tarifentgeltsystem, das die Arbeitswelt von heute abbildet und sich an kommende Entwicklungen anpassen kann. Das neue System muss entsprechend flexibel, leistungsgerecht und transparent gestaltet sein. Dabei wollen wir auch einen schnelleren Aufstieg für junge Leistungsträgerinnen und Leistungsträger ermöglichen.

Neben der Reform des Entgeltsystems ist auch die Modernisierung des übrigen Manteltarifvertrags ein zentraler Schritt, um die öffentlichen Banken und die Arbeitsplätze in den Instituten für zukünftige Herausforderungen aufzustellen.

Natürlich ist auch das Thema mobiles Arbeiten ein wichtiger Bestandteil unseres Zukunftsplans. Mobiles Arbeiten war in der Corona-Krise ein zentrales Instrument, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie zu begrenzen. Für die Beschäftigten der öffentlichen Banken war diese Zeit sehr belastend und trotzdem haben sie Enormes geleistet. Deshalb haben wir uns mit den Gewerkschaften darauf verständigt, die Chancen ebenso wie die großen Herausforderungen des mobilen Arbeitens in einer Arbeitsgruppe genauer zu beleuchten.

Gewerkschaften in Zukunftspläne einbeziehen

Neben diesen vier Bausteinen ist auch das Thema Gehalt ein wichtiger Punkt. In dieser Runde ist es so, dass Gehaltsanpassungen Teil einer die Tarifgespräche abschließenden Gesamtlösung sein müssen. Es bringt wenig, Gehaltsanpassungen auf ein altes System zu münzen, das man dann im nächsten Schritt reformiert. Stattdessen müssen Anpassungen beim Gehalt kompatibel mit dem neuen System gestaltet werden.

Wichtig ist jedoch, dass weder die Reform noch eine längere Tarifrunde zu Lasten der Beschäftigten gehen. Deshalb sind wir einen ungewöhnlichen Schritt gegangen und haben als Arbeitgeber schon in der zweiten Verhandlungsrunde von uns aus eine Einmalzahlung avisiert – noch für dieses Jahr. Zudem wollen wir Gehaltsanpassungen für Nachwuchskräfte zeitnah und unabhängig von den Tarifgesprächen für die Beschäftigten mit den Arbeitnehmervertretern vereinbaren.

Den skizzierten Zukunftsplan wollen wir gemeinsam mit den Gewerkschaften im Detail entwickeln. In der Runde Ende September haben wir Vorschläge unterbreitet, die als Diskussionsgrundlage dienen sollen. Nun gilt es, weiterhin sach- und lösungsorientiert zu verhandeln, um die bestmöglichen Resultate für die Beschäftigten und die Institute zu erarbeiten.

Gewerkschaften Voeb Tarifverhandlungen
(Foto: Peter Himsel)

In den Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern ist uns dies bisher gut gelungen. Auch die Gewerkschaften haben laut eigener Aussage die Atmosphäre der Verhandlungen als konstruktiv und positiv empfunden. Natürlich gibt es bestimmte Dynamiken und Klappern im Nachgang gehört zum Handwerk. Wichtig ist aber, dass dieses Geklapper die eigentlichen Verhandlungen nicht beschädigt.

Für uns als Arbeitgeber ist klar: Auch die Tarifverhandlungen selbst müssen modern und zukunftsfest gestaltet werden. Alte Muster und Rollenverteilungen mögen kurzfristig gefühlte Erfolge bringen, nachhaltig sind sie nicht. Wesentlich sinnvoller ist es, konstruktiv und sachorientiert miteinander zu verhandeln und auch den Beschäftigten das Gefühl zu vermitteln, dass hier zwei Partner ihrer gemeinsamen Verantwortung den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber gerecht werden.

Das gilt nicht nur für die Tarifgespräche der öffentlichen Banken, sondern für Verhandlungen in allen Branchen, denn überall gilt: Mit Riten ist keinem Beschäftigten geholfen. Was sie brauchen, sind Resultate.

Tipps: Sie möchten mehr zum Thema Personal? Dann schauen Sie hier.

Gunar Feth

SaarLB

Gunar Feth ist Vorsitzender des Tarifausschusses und Verhandlungsführer der öffentlichen Banken bei den Tarifgesprächen. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der SaarLB ist ausgebildeter Bankkaufmann und schloss einen Diplom-Studiengang am Lehrinstitut für das kommunale Sparkassen- und Kreditwesen an der Sparkassenakademie in Bonn ab. 2005 übernahm Feth seine erste Vorstandsposition bei der Kreissparkasse Saarpfalz. 2014 wechselte er zur Saar LB und wurde im Folgejahr zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt

 

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