Jetzt Mitglied werden
Personal

Zombies vor den Toren!

Wie jede Generation, die neu auf den Arbeitsmarkt strömt, bringt auch die Generation Z ganz eigene Forderungen und Erwartungen mit, die so manchem Babyboomer das Fürchten lehren. Doch anstatt sich wie vor einer Zombiehorde zu verbarrikadieren, sollten Unternehmen ihre Tore öffnen und von den Eindringlingen lernen.

Von Marco Schomburg - 28. März 2018

Bildnachweis: iStock.com/yusak_p

Was haben wir ihnen nicht alles an Lorbeeren entgegengeworfen. Sie seien leistungsbereiter als wir, risikofreudig, perfekt informiert und selbstbewusst, ergänzt um eine extreme Flexibilität. Anerkennend und neugierig schauten wir auf ihre Forderung nach Trennung von Privat- und Berufsleben. Ihre räumliche Unabhängigkeit und ihre hohe Technologiekompetenz begeisterten uns, denn wir waren zu „busy“, um immer online zu sein. Ein richtiger Glücksfall für unsere, sich am Horizont abzeichnende, technologieschwangere Zukunft der Bankenwelt. Doch das Blatt hat sich gewendet. Jetzt sagen wir ihnen nach, dass sie gleich wieder zum nächsten Arbeitgeber wechseln, wenn es ihnen in unseren Finanzunternehmen nicht gefällt. Wir nennen sie medial manipuliert, ohne Pflichtgefühl, unterstellen ihnen, dass sie ihren Selbstwert aus Materiellem ableiten, Statusdenker sind und politikfrei leben. Eine Generation mit Fokus auf Spaß, die bereit ist, in ihrem medialen Wahn unsere geschätzten sozialen Grenzen des Anstands zu überschreiten.

Sie haben Fragen und trauen sich, sie zu stellen

Gemeint ist die Generation Z, die sogenannten „Digital Natives“ – die infektiöse Gefahr, die am Zukunftshorizont sehnsüchtig erwartet wurde und nun mit ihren Forderungen nach neuen Arbeitszeitmodellen und der Erwartung auf Spaß vor den Unternehmenstoren der Gegenwart stehen. Doch der von uns erwartete Glanz ist anders als erhofft: Diese Menschen haben tatsächlich Fragen und trauen sich, sie zu stellen. Sie haben neue, teils revolutionäre Vorstellungen – und zwar klare. Sie wissen, wie der Hase laufen soll, damit ihre auf dem Bankenmarkt begehrte, spärliche Anzahl den höchsten Profit für sie ergibt, denn Freizeit im großen Stil kostet etwas. Und sie sind bereit zu tun, zu lassen und zu verändern, wie und wann es auch immer sein muss. „24/7“ ist ihr mobiles Motto und das leben sie uns vor. Wie Zombies infizieren sie Schritt für Schritt unsere Jahrzehnte geschützte Arbeitswelt.

Und wir? Wir Babyboomer in Chefsesseln, pflichttreuen Generation-Xler und Karrieregeilen aus der Generation Y? Was ist mit uns und unseren Wünschen nach dieser lebendigen Generation Z, die alles in unserem Sinne umkrempeln wird, die frischen Wind bringt und unsere Zukunft darstellt? Können wir sie denn überhaupt in unser geschütztes, jahrelang erprobtes und sicheres Nest des Finanzunternehmens lassen? Schließlich haben wir es mit Schweiß und Fleiß aufgebaut. Oder müssen wir die medial angekündigte „Infektion“ unserer eigenen Generation und Arbeitsweise fürchten? Werden wir schon sehr bald auch nach Homeoffice, immer neuen Technologieständen am Arbeitsplatz, Spielecken zum Chillen, Think Tanks und Co-Working Spaces schreien? Und werden wir, wenn uns etwas nicht passt, gleich die Segel streichen, um erst einmal drei Monate durch Asien zu trampen, die Wunden zu lecken und uns selbst neu zu kalibrieren? Sind wir bereit, in unseren Finanzunternehmen für eine Work-Life-Balance 2.0, mobile Arbeitsplätze, Blogs, Kreativwerkstätten, Instagram-Stories, Labs und Workhacks zu sorgen? Trauen wir uns denn, selbst auch mal Zuhause zu bleiben und mit einem kühlen Drink in der Hand mal hier, mal da zwei Stunden zu arbeiten, bis unser wichtiges Projekt online an den Chef geht?

Ich bin nicht infiziert, sondern begeistert

Ich jedenfalls habe mich mal getraut und bin montags daheim geblieben. Es war anfänglich mehr als komisch. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, zwischen zwei recht wichtigen Projekt-Konzepten mit Abgabedruck in Flip Flops in der Sonne spazieren zu gehen, danach mit der Nachbarin einen Chai Latte in ihrem Garten zu trinken, um erst geschlagene vier Stunden später entspannt und voller Energie weiterzumachen. Und was soll ich sagen, ich war schneller fertig als erwartet. Das Scheitern blieb aus, da ich auf mich geachtet hatte und nun der Kopf für neue Ideen frei war. „Oh Gott“, dachte ich am Ende des Tages, „bin ich jetzt verrückt geworden?“ Nein, bin ich nicht! Denn ich war zum ersten Mal seit Jahren richtig glücklich, statt gehetzt. Ich habe es jetzt schon mehrfach wiederholt und finde es herrlich. Ich bin auch nicht infiziert, wie die Medien es gern beschreiben, sondern nur begeistert, was alles heutzutage geht, wenn man es einfach tut. Testen Sie es! Sie werden einen deutlichen Anstieg an Erfolg, Leistung und Motivation feststellen. Öffnen Sie die Tore Ihres Unternehmens und lernen Sie!

Marco Schomburg

Marco Schomburg, Diplom-Wirtschaftspsychologe, ist Senior Experte für Personalentwicklung bei einer deutschen Bank.

Lesen Sie auch

Hirnforschung meets Chef

In Berlin dreht sich das HR-Karussel: Beim zweitägigen[…]

Dalia El Gowhary

Change mich am Arsch

Autor: Axel Koch Preis: 16,00 € 302 Seiten, broschiert ISBN: 978-3-430-20245-9 Econ[…]

Daniel Fernandez

Personalentwicklung auf dem digitalen Prüfstand

Digitalisierung wird in den Medien aktuell gerne als[…]

Susanne Bergau

Auf die Plätze, fertig, los! Der Kampf um die besten Mitarbeiter beginnt

Wer heute als gut qualifizierter Mitarbeiter auf der[…]

Daniel Fernandez

Intern vor extern – Besetzung von Stellen durch Bewerber aus dem eigenen Haus

„Die Abwesenheit oder das Ausscheiden von Mitarbeitern sollte[…]

Andreas Wollenberg

Eine neue Kündigungskultur

Im Kampf um die Nachfolge Londons als Bankenhauptstadt[…]

Tobias Schenkel

Unterschätzt: Der Finanzplatz Köln

Vor allem seit Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte[…]

Olav Lippmann

Neidgesellschaft

Mit einer Milliarde Euro Bonus schafft es die[…]

Thorsten Hahn

Der „Erste Campus“ – Architektur, die Unternehmenswerte berücksichtigt

Die Bedeutung von Mitarbeiterzufriedenheit und einem angenehmen Arbeitsumfeld[…]

Ursula Tavolato-Kuntner

Moderne Arbeitswelten zwingen traditionelle Unternehmen zum Wandel

Durch die Digitalisierung und die damit einhergehenden Innovationen[…]

Andrea Braun

Auf Jobsuche als Humankapital

„Wenn ich groß bin, möchte ich Humankapital sein.“[…]

Christian Grosshardt

„Banken laufen Gefahr, ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu verspielen“

Von der Bank zum Start-up – ein Karriereweg,[…]

Philipp Scherber

Chatbots im Recruiting – Braucht man das?

Im Zuge der Etablierung eines Recruiting 4.0 steht[…]

Olav Lippmann

„Das Wichtigste ist der tone from the top“

Die Finanzindustrie habe inzwischen ein stärkeres Bewusstsein für[…]

Philipp Scherber

„Jeder ist dazu angehalten, etablierte Strukturen herauszufordern“

Welche Veränderungen ergeben sich in Bezug auf Personalführung,[…]

Daniel Fernandez

Frauen in der Finanzberatung

Zahlreiche Banken und Finanzdienstleister kämpfen im „War for[…]

Nancy Diesterweg

New Work in der Finanzbranche – wo geht die Reise hin?

Wenn man immer weiß, wohin die Reise geht,[…]

Sven Robin

Wir brauchen eine Trennungskultur

Während der Konzeption dieses Beitrags führte ich ein[…]

Nina Zimmer

„Azubis eng in den Arbeitsalltag einbinden“

In vielen Fällen versagt jede Theorie, sobald sie[…]

Christian Grosshardt

Leistungsmotor Wertschätzung

Erfolg – Anerkennung – Wertschätzung. Dies sind nur[…]

Peter Schrooten

Spielerische Weiterbildung

Nicht nur Prozessmanagement und Zahlungsverkehr unterliegen dieser Tage[…]

Christian Grosshardt

Arbeitszeitmodelle in Banken – Gesellschaftliche Fragestellungen zur Entwicklung

Bereits im Dezember 2013 stellte das Unternehmen Microsoft[…]

Nina Zimmer

Mit IT-Experten die Zukunft gestalten

Der wachsende Mangel an IT-Kräften stellt auch Banken[…]

Philipp Tauch

„Den klassischen Personaler gibt es nicht mehr“

Nicht nur die Ansprüche und Wertvorstellungen von Bewerbern[…]

Philipp Scherber

„Wir suchen mindestens 50 Vermögensberater“

Personalabbau ist in der Bankbranche ein Thema, das[…]

Christian Grosshardt

Gesundes Banking

„Deutsche Arbeitnehmer sind am Limit“ überschrieb eine deutsche[…]

Dr. Axel Roßdeutscher

Rekrutierung und Weiterbildung in Zeiten der Digitalisierung

Die Digitalisierung krempelt die Arbeitswelt um. Arbeitnehmer müssen[…]

Raymond Homo

Michael Wolgast verlässt DSGV

Der Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) beginnt das[…]

Daniel Fernandez

Banken suchen deutlich mehr Personal

Die Gesamtnachfrage nach Fachkräften im Bankensektor hat sich[…]

Amra Ljaic

Einsteigen, wo der Kunde und der Berater im Mittelpunkt stehen

Der Wechsel aus der klassischen Finanzwelt zum modernen[…]

Christoph Grote

Recruiting 4.0 – erfolgreiche Umsetzung in Banken

Bewerber möchten sich heute im Vorfeld umfassend über[…]

Marcus Gasch

Eine Win-win-Situation

Immobilienmakler und Finanzberater können Synergien nutzen, wenn eine[…]

Jörn Hornfeck

„Unsere Mitarbeiter sind die besten Markenbotschafter“

Wie kann eine Bank als Arbeitgeber attraktiv bleiben?[…]

Philipp Scherber

Veränderung im Recruiting durch Digitale Transformation?

Durch die Digitale Transformation durchleben derzeit alle Unternehmensbereiche[…]

Nicole Backhaus

„Der Blick für das große Ganze“

Während eines Traineeships können sowohl umfassende als auch[…]

Philipp Scherber

Wege des Recruitings

Recruiting ist für Unternehmen und besonders Banken ein[…]

Anna Stötzer

Wie steht’s denn um den Nachwuchs?

Die Wirtschaft schreit, dass immer weniger Schulabgänger einen[…]

Anna Stötzer

Brückenmaßnahme für zugewanderte Akademiker

Projektleiter Klaus Deimel, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, erläutert die Brückenmaßnahme[…]

Anna Stötzer

Weiterbildung in Banken: 5 Fragen – 10 Antworten

Wie können Banken in Zukunft attraktive Arbeitgeber bleiben?[…]

Philipp Scherber

Finanzeinhörner. Good guys in the money business

Autorin: Gabriela Friedrich Euro: 19,90 120 Seiten, broschiert[…]

Julian Achleitner

Handbuch Bankvertrieb – Theorie und Praxis im Zukunftsdialog

Hrsg.: Detlef Hellenkamp und Kai Fürderer Euro: 39,99[…]

Anna Stötzer

Wer will heute noch zu den Banken?

Lange Zeit waren sie Schwiegermutters Liebling – die[…]

Markus Müller

Lebensferne Universität?

Die Kritik hat es in sich: Universitäten produzieren[…]

Julian Achleitner

„Zukunftsorientiert aufstellen!“

Im Bereich der Finanzbranche nimmt das Meldewesen einen[…]

Cordula Senne

Zwickmühle im Quadrat

Sie kennen bestimmt diese Situation beim allseits beliebten[…]

Thorsten Hahn

Kreditprozesse: Wissensgesellschaft ist im Backoffice der Banken angekommen

„Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer[…]

Anouschka Scheideck

Commerzbank: Millionen für Ulrich Sieber

Die Commerzbank entließ vor zwei Jahren den damaligen[…]

Julian Achleitner

Sterben Investmentbanker aus?

Einst galt es als Wunsch so vieler Absolventen[…]

Julian Achleitner

Billige Arbeitskräfte hoch im Kurs

Auf den ersten Blick sieht die Sache richtig[…]

Christian Grosshardt

Out of Office – Warum wir die Arbeit neu erfinden müssen

Autoren: Elke Frank, Thorsten Hübschen Euro:19,99 272 Seiten,[…]

Christian Grosshardt