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Das Fell des Bären zu früh verteilt?

Von Christian Grosshardt - 22. August 2014

Wer hätte gedacht, dass sich der Streit um die Kirch-Pleite für die Deutsche Bank so lange hinzieht und immer noch nicht beendet ist?
Mittlerweile verbreiten sich Gerüchte, dass der Vorstand bereits vor der Kirch-Pleite Teile des Imperiums aufteilen wollte.

Man möchte meinen, dass es fast zum guten Ton gehört, das eine oder andere „Skandälchen“ in der Firmengeschichte eines Unternehmens zu finden. Die Presse verfolgt die Prozesse sehr gerne, da sie sich in der Regel über einen sehr langen Zeitraum erstrecken. Die Deutsche Bank bildet hier keine Ausnahme. Zwölf Jahre liegt das unglückliche Interview des damaligen Vorstandssprechers Rolf Breuer zurück, doch der Rechtsstreit mit den Erben des Medienmoguls Leo Kirch dauert an. Dabei könnte der Zeitpunkt für die Privatbank nicht ungünstiger sein.

No, he can´t

Im Jahre 2002 machte Rolf Breuer wohl den größten Fehler seiner Karriere; durch eine unüberlegte Aussage sprach der damalige Topmanager der Deutschen Bank dem von Leo Kirch gegründeten Medienunternehmen jegliche Kreditwürdigkeit ab. Was folgte, ist mittlerweile so ziemlich jedem Medieninteressierten bekannt: Der Konzern (u.a. PREMIERE) hatte keine andere Wahl, als kurze Zeit später Insolvenz anzumelden. Seitdem muss sich die Deutsche Bank in einem Rechtsstreit mit den Kirch-Erben behaupten, der die Schuldfrage des Geldinstituts klären soll. Im Februar wurde die Vergleichssumme veröffentlicht – insgesamt 925 Millionen Euro erhalten die Erben Leo Kirchs. Nun haben sich im Rahmen dieses Prozesses weitere Schwierigkeiten aufgetan. Fünf Managern des Geldinstituts wird vorgeworfen, während des Schadensersatzprozesses vorsätzlich getäuscht zu haben. Unter ihnen befindet sich auch der jetzige Co-Vorsitzende des Vorstandes, Jürgen Fitschen. Hat er versucht, den Schaden im wahrsten Sinne des Wortes, so gering wie möglich zu halten? Leider lassen sich darüber noch keine Aussagen treffen.

Zweifrontenkrieg

Wirklich schwierig wird es für die Deutsche Bank nicht wegen dieser Affäre. Das gehört, wie gesagt, schon dazu, wenn man in derartigen finanziellen Sphären operiert. Zudem hat man ja selbst erst vor ein paar Wochen öffentlich bekannt, dass man einen erheblichen Puffer für juristische Streitigkeiten zurückgelegt habe. Problematisch ist viel mehr der nun stattfindende Zweifrontenkrieg, dem sich das Institut ausgesetzt sieht, denn die Bundesfinanzaufsicht ermittelt im Rahmen Libor-Affäre (London Interbank Offered Rate) wegen angeblicher Zinsmanipulation ebenfalls gegen das deutsche Traditionsunternehmen. Zum Glück wird dieser Sachverhalt auch anderen Instituten vorgeworfen, so dass man in diesem Streit nicht ganz alleine da steht; allerdings ist das wohl kaum ein Trost.

Aufteilung des Kirch-Konzerns?

Ob es in der Causa Kirch zu einem Prozess kommt, entscheidet am Ende auch der gerade in den Schlagzeilen stehende Richter Peter Noll. Vor ein paar Wochen hatte er den Prozess gegen Formel 1-Boss Bernie Ecclestone eingestellt, nachdem dieser sich für 100 Millionen Euro – man kann es nicht anders sagen – freigekauft hatte. In Fachkreisen herrscht jedoch zumindest Einigkeit darüber, dass einer Anklage gegen Rolf Breuer stattgegeben werde. Als wäre das nicht alles schlimm genug, kam nun ein weiteres Gerücht ans Tageslicht: Laut dem Handelsblatt soll die Deutsche Bank bereits Wochen vor dem ominösen Interview Breuers über die Aufteilung des Kirch-Konzerns debattiert haben. Dies würde die Aussagen Breuers wiederum in ein ganz anderes Licht rücken: man lehnt sich auch nicht weit aus dem Fenster, wenn Breuer bei seinem „unglücklichen“ Interview vielleicht sogar Vorsatz unterstellt. Warum sollte denn sonst vorher in der Führungsetage der Deutschen Bank eine Diskussion über die Zerstückelung des Kirch-Konzerns entbrannt sein? Doch wie eine alte Weisheit besagt: „Man soll das Fell des Bären erst verteilen, wenn er erlegt ist.“ Dieser Reihenfolge ist die Deutsche Bank nicht gefolgt, stattdessen macht sie lauter negative Schlagzeilen über einen langen Zeitraum.

Nerven und Geld

Egal, wie die Geschichte am Ende ausgeht, eines steht wohl fest: Für die Deutsche Bank wird es teuer. Die juristischen Auseinandersetzungen kosten die Mitarbeiter und natürlich den Gläubigern jede Menge Nerven. Des Weiteren bringen diese Prozesse eine andere unangenehme Problematik mit sich: Sie kosten Geld.

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