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Rezension

Change mich am Arsch

Autor: Axel Koch
Preis: 16,00 €
302 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-430-20245-9
Econ Verlag

Von Daniel Fernandez - 28. März 2018

Wir alle kennen die Geschichten von Quelle, Nokia oder der Musikindustrie, all den Firmen oder gar ganzen Branchen, die die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannten und auf der Strecke blieben. Für den Psychologen und Professor für Training und Coaching Alex Koch sind die Opfer solcher Veränderungsprozesse jedoch nicht nur unter den abgebauten Stellen gescheiterter Firmen zu finden. Mit „Change mich am Arsch“ will der Autor auch all den Change-Opfern, deren Stellen nicht gestrichen wurden, sondern weiterhin mit dem permanenten Wandel leben und arbeiten müssen, erstmals eine Stimme geben.

Anders als der Titel des Buches suggeriert, ist diese Stimme aber nicht immer nur trotzig und frech: Neben den narrativen Teilen eines jeden Kapitels, in denen der Autor den Leidgenossen von Change-Prozessen die Möglichkeit bietet, ihre Geschichten zu erzählen und ihren „Peinigern“ die Meinung zu sagen, finden sich dort durchaus auch Lösungsansätze. Obwohl der promovierte Psychologe zustimmt, dass der Wandel unvermeidbar ist, sieht er die Schuld für das immer weiter steigende Veränderungstempo nicht bei der Globalisierung oder der fortschreitenden technologischen Entwicklung: „Es entsteht insbesondere dadurch, dass selbsternannte Experten, selbstdarstellerische Firmenchefs oder verkaufsorientierte Berater meinen, den Stein der Weisen gefunden zu haben, mit dem das Geschäft in der digitalen Welt so richtig fluppt“.

Auf dem Weg zum Change-Zombie

Trotzdem, so der Autor, liege es auch in der Hand der Mitarbeiter, Change-Prozesse kritisch zu reflektieren und hier die eigenen Grenzen zu erforschen. Zu diesem Zweck präsentiert er das selbsterschaffene Modell der Veränderungsbalance, das es erleichtern soll, festzustellen, „ob noch alles im grünen Bereich ist oder ob Sie schon auf dem Weg zum Change-Zombie sind“. Der akademischen Qualifikation des Autors entsprechend setzt das Buch den Fokus vor allem auf psychologische Aspekte hinter Change-Prozessen – sowohl bei den Lösungsvorschlägen als auch bei der Suche nach der Ursache für den „Change-Wahn“ in Unternehmen. So sei zum Beispiel das sogenannte Falsche-Hoffnung-Syndrom ein zentraler Grund, warum sich die Chefetage häufig mit unrealistischen Erwartungen in Change-Projekte stürzt und dann ein Großteil davon letztendlich fehlschlägt.

Gestalter- statt Opferhaltung

Damit sich die Mitarbeiter in diesem langwierigen Prozess des Scheiterns nicht kaputt verändern, sei es vor allem wichtig, dass diese sich nicht in eine Opferhaltung hineinziehen lassen. Statt nur noch zu erdulden, was die Unternehmensführung entscheidet, sollte eine differenzierte Gestalterhaltung angestrebt werden, bei der man sich darauf beschränkt, die Dinge zu ändern, die tatsächlich aus eigener Macht veränderbar sind.

Axel Koch bedient sich auch bei der Darlegung von komplexen Sachverhalten stets einer einfachen, oftmals humoristischen Sprache und greift dabei auf ein scheinbar unerschöpfliches Repertoire an sprachlichen Bildern und Analogien zurück. So vergleicht er etwa das Verhältnis zwischen Entscheidern und Betroffenen von Change-Prozessen mit einem Kind, das aus Experimentierfreude Insekten zerquetscht. Bedauerlich ist, dass Koch die Gespräche, die er bei der Recherche für dieses Buch mit Change-Opfern aus verschiedenen Branchen führte, nicht direkt wiedergibt. Ihre Geschichten werden stattdessen als Erzähltext präsentiert und können so auch in die Gedanken- und Gefühlswelt der Opfer eintauchen, wirken dadurch aber – insbesondere durch die etwas gestelzten Dialoge – oftmals nicht authentisch. Dennoch richtet Axel Koch mit seinem neuesten Buch einen wichtigen Appell an veränderungsbesessene Chefs, nicht das psychische Wohlergehen ihrer Mitarbeiter zu vernachlässigen, und gibt Change-Betroffenen gleichzeitig eine Botschaft für die Chefetage mit auf den Weg: „Akzeptiere meine Grenzen oder change mich am Arsch!“

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