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“The Dropout”: Ein Blick hinter die Maske der Elizabeth Holmes

Geschichtenerzähler ziehen Inspiration aus dem wahren Leben. Die Frage, was Menschen zu Verbrechen verleitet, wirkt dabei besonders anziehend auf Kunstschaffende. Ein Paradebeispiel ist die Gründerin Elizabeth Holmes, die mit ihrem Milliarden Start-up Theranos das Blutsversprechen brach.

Von Fiona Gleim - 15. Dezember 2022
The Dropout_Elizabeth Holmes_Theranos

Foto: tmdb.org

Das Jahr 2022 war turbulent für die Start-up-Gründerin Elizabeth Holmes. Nach 2016 war aufgrund ihrer Schwangerschaft und der Pandemie etwas Ruhe um den Theranos-Skandal eingekehrt. Erst im Januar 2022 sprach man Holmes in vier von 11 Anklagepunkten des Betrugs an Investoren schuldig.  

Noch 2014 stand Elizabeth Holmes an der Spitze der Gründerszene und setzte als jüngste und erste weibliche Selfmade-Milliardärin neue Maßstäbe. Die von Holmes entwickelte Maschine sollte angeblich mit wenigen Blutstropfen jegliche Krankheiten identifizieren können und so das Gesundheitssystem verändern. Bis heute beteuert die Angeklagte, stets an das Revolutionspotenzial ihrer Erfindung geglaubt zu haben. Seither berichteten „Bad Blood“, das Buch von Journalist John Carreyrou, die Dokumentation „The Inventor“ oder der Podcast „The Dropout“ über die Theranos-Machenschaften – bis ins tiefste Detail.  

Das Enigma Elizabeth Holmes

Intriganz und Machtspiele bewähren sich bekannterweise auch als On-Screen-Sujets und so war es bloß eine Frage der Zeit, bis sich Filmproduzenten des Falles annahmen. Im Frühjahr 2022 schließlich erschien die Miniserie „The Dropout“ mit acht Episoden auf dem US-Streaming-Anbieter Hulu (hierzulande bei Disney Plus) und brachte dem Betrugsskandal damit neue Aufmerksamkeit. Die Serie zum Fall fällt besonders in puncto Performance positiv auf: Mit Amanda Seyfried, die für ihre Darstellung der Elizabeth Holmes einen Emmy erhielt, und Naveen Andrews in den Hauptrollen ist sie überaus passend besetzt.  

Auch darüber hinaus fand die Produktion größtenteils Anklang. Zwar findet die Schriftstellerin Scaachi Koul, dass die Serie durch die Vielzahl der medialen Abhandlungen faktisch nichts Neues zu erzählen habe. Elizabeth Meriwether, die Schöpferin von „The Dropout“ hält allerdings dagegen, dass sich die Erzählweise einer Miniserie optimal dafür anbiete, in die Köpfe der Protagonisten zu blicken und deren Psychologie näher zu untersuchen. Viele Teile der Persönlichkeit von Elizabeth Holmes sind im Verborgenen geblieben und obwohl sie große Faszination ausgelöst hat, bleibt sie bis heute mysteriös. Holmes-Darstellerin Amanda Seyfried bestätigt diese Wahrnehmung und bezeichnet ihre Rollenvorlage als “Enigma”.  

„The Dropout“ versucht dies aufzubrechen und der „Schablone“ Elizabeth Holmes mehr Substanz und somit Greifbarkeit zu verleihen. Mit diesem Anspruch entfällt eine Mystifizierung oder gar Dämonisierung der Hauptfigur. Gleichwohl sieht die Show aber auch von einer Romantisierung und Ablenkung durch den extravaganten Lebensstil ihrer Protagonistin ab. Auf diese Weise wird der potenziellen Kritik, die Handlungen würden heroisiert werden und Zuschauer zur Kriminalität aufgefordert, gleich zu Beginn der Wind aus den Segeln genommen. 

Die Fernsehfigur Elizabeth Holmes

Das Narrativ folgt einer linearen Erzählstruktur und lässt sich in zwei Teile strukturieren: In den ersten Episoden geht es primär um die Anfänge des Start-ups und die Herausforderungen, mit denen Elizabeth dabei zu kämpfen hat. Als junge Frau ohne College-Abschluss wird sie oft belächelt und schafft es anfangs kaum, Investoren von sich zu überzeugen. Doch sie beweist Ehrgeiz und Willensstärke. Eigenschaften, die bereits in Szenen aus ihrer Kindheit und Jugend vorgestellt werden. Zuschauer fühlen zu Beginn mit ihr, man würde ihr den Erfolg gönnen. 

In der zweiten Hälfte der Serie verliert die Figur an Sympathie – die geht auf andere Figuren über. Zum einen der leitende Wissenschaftler Ian Gibbons, der Elizabeth bereits als Studentin unterstützt, aber für Rückfragen rund um seine wachsende Skepsis bestraft wird. Zum anderen die Praktikanten Tyler Schultz und Erika Cheung, die bedroht und verfolgt werden, weil auch sie den Betrug wittern. Noch bevor sich die Serie auch den anderen Charakteren verstärkt widmet, wird genauestens ausgeführt, wie Elizabeth eine Art Persona schafft, mit der sie sich Autorität verschaffen will.  

Diese Persona hilft ihr auch, emotional Abstand von ihren fragwürdigen Entscheidungen zu gewinnen. Der erste und wohl eindringlichste Schritt dieser „Verwandlung“ ist die Veränderung ihrer Stimme. Vor Veröffentlichung der Serie kursierten viele Spekulationen um die vermeintlich manipulierte Stimme Elizabeth Holmes. Für die fiktive Version bot sich damit ein weiterer Baustein für die Konstruktion eines mehrdimensionalen Charakters. Darstellerin Amanda Seyfried löst mit der plötzlich tiefen Stimme, die sie mit besessenem Blick in einer Nahaufnahme vor dem Spiegel einstudiert, ein regelrechtes Gefühl von Unbehagen aus.  

Die Folgewirkung der Elizabeth Holmes

Der Versuch, Licht hinter Elizabeth Holmes Persönlichkeit zu bringen und ihre Handlungen nachvollziehbar zu machen, stoß jedoch einigen negativ auf. „Nicht alles muss nachempfindbar sein“ protestieren hier Kritiker. Allen voran Scaachi Koul: Die Miniserie würde dem Zuschauer unterjubeln wollen, dass diese Vorfälle sich für jeden hätten abspielen können, der nur groß genug träume. Man würde hier eine Person anfeuern, die von Gier, Egotismus und institutionellem Vermögen getrieben sei und gar psychopathische Züge aufweise. Diejenigen, die vom Skandal direkt betroffen sind, dürften dem zustimmen. 

Doch die Auswirkungen reichen weiter. Die Serie endet mit einigen Fakten, unter anderem mit der Information, dass Unternehmerinnen seither mit Holmes-Vergleichen kämpfen und Schwierigkeiten haben, Investoren zu akquirieren. In Deutschland hat sich etwa die Berliner Gründerin Eirini Rapti auf LinkedIn zur Problematik geäußert. 

Dass der Theranos-Betrugsskandal immer wieder als Referenzpunkt für weibliches Unternehmertun herangezogen wird, bezeichnet Nina Anika Klotz von der GRÜNDERSZENE als Negatives Framing. Insbesondere im Health-Tech-Bereich komme dies häufig vor. Rapti sei froh über die aktuelle Entwicklung im Fall Elizabeth Holmes und Theranos: Im November 2022 wurde das Strafurteil verlesen. Elf Jahre Haft stehen ihr bevor – ein Misserfolg für Holmes’ Anwälte und ihrem Plädoyer von maximal 18 Monaten Gefängnisstrafe. Eirini Rapti sieht darin Gerechtigkeit und hofft mit der Verurteilung auf einen „Systemwechsel“ für Gründerinnen weltweit.  

Aktuell befindet sich Holmes in ihrer zweiten Schwangerschaft und muss die Haftstrafe daher erst ab dem 27. April 2023 antreten. 

Tipp: Erfahren Sie hier die Details des Theranos-Skandals.

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