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Risk

Bauernopfer Risikomanager

Die derzeitige Regulierung zwingt Banken zumindest auf der Kostenseite in die Knie. Dennoch fragt man sich, ob die sogenannten Mindestanforderungen ausreichend sind, um das Risiko der Zukunft einschätzen und beherrschen zu können.

Von Thorsten Hahn - 28. Oktober 2016

Bildnachweis: iStock.com/Sven Hoppe

„Banken und Finanzdienstleister sind einer ganzen Palette von Risiken ausgesetzt, die sie beherrschen müssen“, so beginnt auf der Internetseite der BaFin das Kapitel Risikomanagement. „Beherrschen“ und „müssen“. Beherrschen Banken eine ganze Palette von Risiken? Risiken, die wir kennen, einschätzen und simulieren können, sind unter Umständen zu beherrschen. Zumindest in der Verantwortung als Bankleiter wäre dies mein vornehmstes Ziel. Aber was ist mit den Risiken, die wir nicht kennen und nicht modellieren können? Müssen Banken diese auch beherrschen? Und was, wenn nicht? Muss dann der Risikomanager als Baueropfer herhalten, damit der König unangreifbar bleibt?

In Deutschland trägt die gesamte Finanzbranche 2015 gerade einmal 4,1 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei. Dennoch soll der Banksektor, insbesondere einige spezielle Banken, systemrelevant sein. Die Deutsche Bank soll sogar das Potential haben, bei einer Schieflage die halbe Welt in Unruhe zu stürzen. Und Unruhe ist extrem milde formuliert. Überdrehen wir die Simulationen über das, was kommen könnte, jedoch zu stark, dann hat bereits die Veröffentlichung dieser „Was-wäre-wenn-Ergebnisse“ heftigste Auswirkungen an der Börse. Ist das marktgerecht? Kann ein solches Worst-Case-Szenario überhaupt eintreten?

Und obwohl die BaFin „müssen“ schreibt, sind die Regularien formuliert mit „Mindestanforderungen“. Mindestanforderungen klingen aber nicht danach, dass Banken damit Risiken beherrschen können. In diesem Begriff schwingt ein kleiner Zweifel mit. Oder ein Freibrief? Weil zukünftige, nicht vorhersehbare Risiken nicht zu beherrschen sind? Weil wir eine Finanzsuppe gekocht haben, die niemals zuvor gekocht wurde? Die Zutaten aus Niedrigzinsen, umlaufenden Derivaten im Verhältnis zu Wertschöpfung, Staatsverschuldungen, Wirtschaftsleistung und Regulierung ergeben einen exotischen Geschmack, der uns durchaus skeptisch stimmen sollte. Banking ist in den letzten Jahren extrem komplex geworden. Produkte, die keiner mehr versteht. Verflechtungen, die keiner mehr entwirrt. Zinsen, mit denen keiner mehr verdient. Und ein Risikomanagement, was all dem hinterherläuft?

Wo steht das Risikomanagement im Jahr 2016? Seit 2010 diskutieren Branchenexperten auf dem Fachkongress RISKMANAGEMENTforBANKS, wo die Risiko-Reise hingeht und wie sich Banken gegen mögliche Negativszenarien absichern können. Welche Modelle liefern die sinnvollsten Ergebnisse und welche Risiken bergen die Modelle selbst in sich? Am 09. und 10. November haben Sie die Möglichkeit, diese Fragen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Häuser sowie Experten von Hochschulen, Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen zu diskutieren. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

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