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Besser flüssig bleiben!

Von Sebastian Fleer - 21. Oktober 2015

Die Liquidity Coverage Ratio ist ein neues wichtiges Element von Basel III, um den gefährlichen Verlust der Liquidität von Banken zu vermeiden. Hinter dieser zuerst trocken erscheinenden Kennziffer stecken wichtigen Navigationshinweisen für die Steuermänner der Banken. In diesem Beitrag erkläre ich die Funktionsweise der LCR sowie die wichtigsten Einflüsse auf das Risikomanagement und die Gesamtbanksteuerung.

Der Beginn der Finanzmarktkrise liegt nun etwa acht Jahre hinter uns. Die Bankenaufsicht zog ambitioniert ihre Lehren aus der Krise. Die Quintessenz: Eine angemessene Eigenmittelausstattung bei Banken reicht noch lange nicht aus, um die Stabilität und Widerstandsfähigkeit des Finanzsektors zu gewährleisten. In der waren die Märkte geprägt durch sinkende Werte von Vermögensgegenständen und Misstrauen der Banken untereinander. Unter den Umständen der Finanzmarktkrise schafften viele Institute keine adäquate Liquiditätssteuerung oder missachteten deren Grundsätze grob! Diese Verletzung bis dato geltender Regeln war der Anlass für die Regulierer eine neue, globale und quantitative Regulierung der Liquidität einzuführen: Die Liquidity Converage Ratio (LCR).

Aufbau der LCR

Die LCR ist eine Cash-Flow orientierte Kennziffer und der Versuch der Regulierer einen gesetzlichen Mindeststandard für die Liquiditätspuffer von Banken zu etablieren. Die Kennziffer ist angelehnt an ein 30 Tage Stressszenario auf den Märkten und soll den Fortbestand von Banken in einer Finanzkrise sicherstellen. Sie simuliert den Bestand an liquiden Aktiva unter Preisdruck und den Nettocashflow der Bank. Seit geraumer Zeit melden die deutschen Institute ihre LCR-Kennziffern. Ab Oktober dieses Jahres ist die LCR auf einem 60 Prozent Niveau bindend in Europa. Bis zum Jahr  2018 wird die Kennziffer auf 100 Prozent erhöht. Die LCR ist der Quotient aus der Liquiditätsreserve und dem Nettozahlungsmittelabfluss der Bank.

Die Liquiditätsreserve

Der aufsichtsrechtliche Liquiditätspuffer einer Bank ist untergliedert in unterschiedliche Qualitätsstufen. Die Vermögensgegenstände gehen mit ihrem Marktwert, abzüglich eines Abschlags, in den Zähler der LCR ein. Wie hoch dieser Abschlag ist, hängt maßgeblich von der Wertstabilität und Transparenz des Anlagegenstands in Krisenzeiten ab. Grundsätzlich gilt: Eine hohe Bonität ist ein Garant für Liquidität. Barmittel oder durch Zentralbanken sowie staatliche Institutionen ausgegebene Anleihen sind von hoher Liquidität. Die Definition der liquiden Aktiva hat maßgebliche Auswirkungen auf die Gesamtbanksteuerung.

Auswirkung des Liquiditätspuffers auf das Risikomanagement

Die Einführung der LCR sorgt für eine Umstrukturierung des Bankportfolios. Zum Aufbau des Liquiditätspuffers müssen Banken weitere Staatsanleihen kaufen. Herr Schäuble wird sich über die wachsende Nachfrage seiner Anleihen sicherlich freuen. Aufgrund des begrenzten Geschäftsvolumens kann das risikoreichere Kreditgeschäft dadurch zurückgefahren werden. Die LCR führt zu einer direkten Limitierung des Liquiditätsrisikos und zu einer indirekten Verringerung des Kreditrisikos. Die LCR wirkt sich dabei vielseitig auf die Risikolandschaft der Banken aus. Der reduzierte Risikogehalt der Anlagegenstände geht gemäß dem kleinen 1×1 der Finanzwissenschaften häufig mit einer geringeren Rendite einher. Insbesondere in der heutigen Zeit niedriger Zinsen ist der Aufbau des Liquiditätspuffers ertragsmindernd und trägt zudem maßgeblich zur Erhöhung der Liquiditätskosten bei.
Der starke Fokus auf Staatstitel in der Originalfassung der LCR zwang die Europäischen Regulierer zu einer erneuten Modifikation der Kennzahl. Mit der delegierten Verordnung der Europäischen Union zur LCR sind ebenfalls Pfandbriefe bester Bonität der höchsten Liquiditätsstufe zuzuorden. In dem Bereich geringer Liquidität sind gewisse Aktien, Unternehmensanleihen und Verbriefungen zugelassen. Glücklicherweise stützen die Regulierer nach dem Relaunch der LCR bei der Auswahl der Anlagegenstände weniger auf die Zentralbankfähigkeit der Titel, sondern viel mehr auf deren empirische nachgewiesene Marktfähigkeit. Die Stoßrichtung einer Abkehr vom „lender of last resort“ hin zur Liquiditätsgenerierung auf privaten Märkten ist begrüßenswert, aber Gefährlich. In wie weit der Verbriefungsmarkt zur Sicherung der Liquidität einer Institution beitragen kann, möchte ich nicht abschätzen. Fakt ist er war 2008 tot. In Jedem Fall bietet die Berücksichtigung der weiteren Vermögenswerte wichtige Diversifizierungsmöglichkeiten für den Liquiditätspuffers und trägt zur Sicherung der Rentabilität bei.

Der Nettozahlungsmittelabfluss einer Bank

Gemäß dem Motto „Geld kommt, Geld geht“ muss die Bank ihre vertraglichen und potenziellen Cashflows der kommenden 30 Tage saldieren. Je Produktgruppe und vertraglichen Partner werden unterschiedliche Gewichtungen vorgegeben. Dabei ist die Tendenz, dass Privatkundeneinlagen weniger volatil sind als die institutionellen Einlagen. Daher sind sie mit einer geringeren Abzugswahrscheinlichkeit versehen. Für die Gesamtbanksteuerung bedeutet die Gewichtung eine stark wachsende Nachfrage nach Kundeneinlagen, die gegebenenfalls in einem nicht förderlichen Wettbewerb enden kann.  Insbesondere steigende Einlagezinsen und der Abbau anderweitiger Refinanzierung können die Stabilität der Banken gefährden. Die neuen Liquiditätsregeln verursachen also nicht nur geringere Erträgen aus der Fristentransformation, sondern sorgen ebenfalls für Zinsstress bei den Instituten. Die LCR birgt die Gefahr, dass sich das Finanzsystem durch eine Normierung der Liquiditätsanforderungen, einer one-size-fits-all-Politik, zu sicher fühlt.

Gefahren und Möglichkeiten der Kennzahl

Die pauschale Festlegung auf ein 30 Tage Stressszenario ist für viele volatilere Geschäftsmodelle von Banken ungeeignet. Hier sind Kollegen aus dem Risikomanagement gefragt, die eine Steuerung der Liquidität durch interne Modelle gewährleisten. Eine permanente Erfüllung der LCR geht einher mit der Integration der Kennzahl in die interne Steuerung. Planungs-, Steuerungs- und Überwachungsprozesse der LCR müssen unterstützt werden durch Simulationen der Liquiditätsrisiken. Durch Optimierung an den Stellen Liquiditäts- und Refinanzierungskosten können Institute ab dem 1.10 über die Liquiditätssteuerung gezielt Wettbewerbsvorteile generieren. Also nehmen Sie das Ruder in die Hand und bringen Sie Ihre Bank auf Kurs!

Bildnachweis: PhonlamaiPhoto via istockphoto.de

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