Jetzt Mitglied werden

„Compliance-Initiativen müssen sichtbar und nutzbar sein!“

Seit Januar diesen Jahres gelten neue Regularien der Bundesbank in Bezug auf die Vereinhetilichung des XML-Reportings. BANKINGNEWS sprach mit Armin Trautner von iGrafx über die neuen Standards und deren Umsetzung.

Von Christian Grosshardt - 09. März 2015

Armin Trautner ist für iGrafx Deutschland sowie für alle geschäftlichen Aktivitäten in Europa, im Nahen Osten und in Afrika verantwortlich. Seine Präsenz im Bereich Business Process Management ist wohl bekannt, fungierte er doch zuvor als Geschäftsleiter für Micrografx EMEA, wo er in der gesamten Region Vertriebsentwicklung und -aktivitäten einführte. Armin Trautner hat über 20 Jahre Erfahrung in der IT-Branche.

BANKINGNEWS: Wie können Compliance-Risiken zuverlässig erfasst werden, wenn man die neuen Regelungen der Bundesbank bzgl. der Vereinheitlichung des XML-Reportings berücksichtigt, die seit diesem Januar gelten?

Trautner: Eine verlässliche ganzheitliche Ansicht von Geschäftsprozessen und Informationsflüssen lässt sich mit Hilfe entsprechender Werkzeuge recht einfach erstellen. Eine solche ganzheitliche Ansicht kann und sollte auch die für Compliance notwendigen Risiko-Kontrollpunkte beinhalten. Die neue XML-Datenübermittlung für Kapitalverwaltungsgesellschaften, die Alternative Investmentfonds führen möchten, bedeutet darüber hinaus aber auch die Generierung und Bearbeitung der Informationen. Auf Grund dieses erhöhten Aufwands, sollten Kapitalverwaltungsgesellschaften auf die Nutzung eines geeigneten Software-Werkzeugs zur Unterstützung bei der Erzeugung dieser XML-Meldungen nicht verzichten.

Wie wird eine funktionierende Compliance in Einklang mit den täglichen Geschäftsprozessen und Anforderungen involvierter Stakeholder gebracht?

Natürlich stellt sich oft die Frage, inwiefern Compliance mit Geschäftsprozessen und deren Analyse zusammenhängt. Das mit Compliance verwandte Risk Management spielt schon seit langer Zeit eine große Rolle zum Beispiel bei der Six Sigma-Methode, bei der es um die Fehlerminimierung geht. Der logische Schritt zur Prozessanalyse und -optimierung ist demnach nicht weit.

„KVGs sollten nicht auf Software-Werkzeuge verzichten“

Durch Funktionen wie etwa benutzerdefinierte Filter und Benachrichtigungszeitpläne lassen sich Prozessverantwortliche und Stakeholder über die Effizienz der Unternehmensprozesse jederzeit informieren. Dank der Funktionalität für Sofortkommentare können sich Stakeholder außerdem unverzüglich mit anderen austauschen und so Reaktionszeiten verkürzen. Unternehmen und Finanzdienstleister erhalten somit Rahmenbedingungen für die Optimierung von Geschäftsprozessen, die sowohl die Anforderungen der einzelnen Stakeholder als auch die des Unternehmens erfüllen.

Wie kann die konstruktive Zusammenarbeit im Sinne der Compliance innerhalb der Corporate Governance, aber auch über alle Units im Unternehmen hinweg gestaltet werden?

Die Einhaltung von Compliance und damit verbunden auch das Aufdecken von Verbesserungspotenzialen funktioniert freilich nur, wenn auch die Mitarbeiter von Anfang an in die Dokumentation der Arbeitsschritte gemäß der Corporate Governance eingebunden werden. Ihre Arbeit muss als sinnvoll und wichtig anerkannt werden. Haben sie dagegen das Gefühl, die lästige Dokumentations-Aufgabe nur aufgebrummt bekommen zu haben, ist das ein Garant für das Scheitern. Compliance-Initiativen bringen nur dann einen echten Mehrwert für das Unternehmen, wenn Prozesse für alle beteiligten Mitarbeiter nicht nur sichtbar, sondern auch leicht und schnell auffindbar und nutzbar sind. Die Ernennung eines Compliance Managers kann dabei hilfreich sein.

In Ihrem Whitepaper haben Sie ja bereits ein neues XML-Tool vorgestellt, das mehr Transparenz im Reporting über Investmentvermögen gewährleisten soll. Wie darf man sich das konkret vorstellen?

In enger Zusammenarbeit mit einem unserer Kunden entwickelten wir ein webbasiertes XML-Tool für die Meldungen an die Bundesbank, das die Möglichkeit bietet, Daten zu importieren und einfach und schnell die XML-Meldung zu erstellen. Dank des Einsatzes von Web-Technologien läuft das XML-Tool in jedem modernen Browser. Benutzer bekommen eine übersichtlich strukturierte Oberfläche, über die festgelegt werden kann, welche Meldungen erstellt werden sollen.

„Mitarbeiter müssen direkt eingebunden werden“

Die eigentliche Arbeit, die Aggregierung der benötigten Daten sowie die Erzeugung der Meldung, erledigt die Backend-Komponente serverseitig. Bevor die fertige XML-Meldung an die Bundesbank übermittelt wird, lässt sich die Validität im Hinblick auf vorgegebenen Richtlinien durch die Bundesbank überprüfen. Somit kann sichergestellt werden, dass die erzeugte XML-Meldung konform zum vorgegebenen Meldeschema ist. Die Datenübermittlung erfolgt dann über das Extranet der Deutschen Bundesbank.

Die Umsetzung ist wahrscheinlich zunächst mit sehr viel Aufwand verbunden. Welchen Nutzen können die Verantwortlichen in den Instituten in Bezug auf ihr Prozessmanagement ziehen?

Nach der initialen Einrichtung sowie einer individuellen In-House-Beratung sind meldepflichtige Unternehmen in der Lage, das System eigenständig zu betreiben. Die Datenerfassung selbst kann manuell durch den Benutzer erfolgen oder automatisch durch einen Import. Stammdaten müssen nur einmal erfasst oder können aus externen Quellen eingelesen werden.

„Der Nutzen liegt in der Überprüfbarkeit und der Transparenz“

Nach der Konfiguration und Anbindung an die Datenquellen ist auch eine automatische Erzeugung der XML-Meldungen möglich. So lässt sich beispielsweise am Ende des Berichtsmonats die monatliche Meldung vom System selbstständig erzeugen. Ein großer Nutzen in Bezug auf das Prozessmanagement sind die Überprüfbarkeit und die Transparenz. Die Abläufe für die Generierung des XML-Dokuments sowie für das Aggregieren der benötigten Daten lassen sich leicht selbst anpassen und verändern. Der durch die automatische Datenerfassung erzeugte Datenpool kann neben der primären Aufgabe der Erzeugung der XML-Meldungen auch zusätzlich sekundär genutzt werden. Dashboards mit verschiedenen Charts bieten zum Beispiel die Möglichkeit, Informationen grafisch aufzubereiten und können in Verbindung mit KPIs herangezogen werden, um zeitnah Entwicklungen zu identifizieren und geeignete Maßnahmen treffen zu können. Anstrengungen im Zuge der Erstellung eines korrekten XML-Reportings sollten nicht als Selbstzweck verstanden werden, sondern als lohnenswerte Möglichkeit, Transparenz zu schaffen: Wer also die Richtlinien nicht nur aus gesetzlichen Gründen umsetzt, sondern dabei gleichzeitig die eigenen Prozesse optimiert, profitiert doppelt.

Das Gespräch führte
Christian Grosshardt

 

Lesen Sie auch

Vorsicht, Kompetenzfalle!

Risk Governance bedeutet, das Geschäftsmodell einer Bank risikofest[…]

Arnd Wiedemann

„30 Sekunden vor 12“

Regulierung kann für Banken ein wichtiger Verbündeter sein.[…]

Thorsten Hahn

Ausgewählte Neuerungen zum Thema Auslagerungen in der 5. MaRisk-Novelle

Am 27. Oktober 2017 veröffentlichte die Bundesanstalt für[…]

Christian Gudat

Raus aus der Defensive!

Aktuelle empirische Erhebungen zeigen: Die Zahl der Banken[…]

Carsten Krah

Stresstesting: Wesentliche Änderungen durch EBA-Leitlinien

Im April 2017 wurde von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde[…]

Armin Rheinbay

Noch Factoring-Anbieter oder schon Vollbank?

Der Factoring- und Leasing-Markt boomt wie lange nicht.[…]

Frank Peterlic

Eurex-LCH-Basis ist nicht mehr wegzudiskutieren

Der Preisunterschied zwischen Derivaten, die mit LCH bzw.[…]

Dmitry Zaykovskiy

„Gute Kundenbeziehung ist nicht mehr ausreichend“

Wie lege ich Geld mit dem geringsten Zeitaufwand[…]

Christian Grosshardt

„Die Risiken des Kreditnehmers werden außer Acht gelassen“

Der Traum von der eigenen Immobilie – nicht[…]

Christian Grosshardt

Quantitatives Risikomanagement in Zeiten von Solvency II

Die quantitative, erste Säule von Solvency II umfasst[…]

Stefan-M. Heinemann

Praktische Hinweise für die Umsetzung eines Abwicklungsplans

Während der Abwicklung eines Kreditinstituts verändern sich die[…]

Heiko Trautmann

„Datenmengen sind nicht gleich Informationsmengen“

Der gemeine Risikomanager hat es nicht leicht: Neben[…]

Christian Grosshardt

Geschützt: Vorträge RISKMANAGEMENTforBANKS 2017 (exklusiv für Mitglieder und Teilnehmer)

Es gibt keine Kurzfassung, da dies ein geschützter[…]

Frank Rathner

Die überarbeiteten aufsichtlichen Vorgaben zur Risikotragfähigkeit

Am 05.09.2017 veröffentlichten BaFin und Bundesbank die Konsultationsfassung[…]

Dr. Daniel Baumgarten

Überarbeitung der SREP-Leitlinien

Im Rahmen des SREP-Mehrjahresplans zur Überprüfung der Angemessenheit[…]

Christian Gudat

Mehr Aufwand, gleiches Risiko

Deutsche Tochtergesellschaften von weltweit tätigen Konzernen müssen wegen[…]

Stephan Utzelmann

RISKMANAGEMENTforBANKS 2017

Spätestens seit der Finanzkrise ist das Thema Risikomanagement[…]

Redaktion

Verschlafen Banken ihre Wettbewerbsfähigkeit?

Die meisten deutschen Banken und Sparkassen stehen unter[…]

Dirk Piethe

Eine Regulierung, sie zu knechten

Wir schreiben das Jahr 2017, als sich alle[…]

Christian Grosshardt

SSM Risk Map: Standardisierung der Säule II?

Ein Formular dient der standardisierten Erfassung eines bestimmten[…]

Frank Hölldorfer

Steigende regulatorische Anforderungen, Herausforderungen und das Projektvorgehen

Die Flut von neuen regulatorischen Anforderungen an die[…]

Björn Fehrenbach

Basel III-Compliance: Integration heißt das Zauberwort

Die Commerzbank AG nutzt regulatorischen Druck als Chance[…]

Bernd Leinert

Basel gegen alle?

Die Bankbranche sieht sich vom Basel Committee on[…]

Christian Grosshardt

„Die Kunden sind der Kern der Branche“

Im Zeitalter der Digitalisierung steht der gesamte Finanzsektor[…]

Anna Stötzer

Risikomanagement im Fokus der Bankbranche

Risikomanagement ist ein wichtiger Aspekt in der täglichen[…]

Anna Stötzer

Proaktive Steuerung der untertägigen Liquidität

Transparenz und Aktualität liquiditätsrelevanter Daten senken die Kosten,[…]

Dirk Rath

Modernisierung im Risikomanagement

Nie waren die Zeiten besser geeignet, im Risikobereich[…]

Carsten Krah

Business Continuity Management – Mehr als eine regulatorische Anforderung

Die zunehmende Regulierung fordert die parallele Erfüllung vieler[…]

Markus Müller

Bauernopfer Risikomanager

Die derzeitige Regulierung zwingt Banken zumindest auf der[…]

Thorsten Hahn

Neue EU-Verordnung eIDAS macht Unterschriften mobiler und papierlos

Wir schreiben das Jahr 2016. Immer mehr Prozesse[…]

Jörg Lenz

Risikomanagement für Banken nimmt Fahrt auf

Finanzinstitute geraten erneut unter Handlungsdruck. Im Visier der[…]

Dipl. Oec. Holger Kilian

Vergesst Online Banking und Mobile-Banking-Apps

Wenn Bankkunden ihre täglichen Bankgeschäfte digital abwickeln, nutzen[…]

Tobias Baumgarten

Der Regulierungswahn

Und immer noch ist kein Ende in Sicht:[…]

Christian Grosshardt

Der Sturz der Bank-Aktien – ist die Veröffentlichung von Stresstests eine gute Idee?

Der Stresstest ist vorbei, doch der eigentliche Stress[…]

Christian Grosshardt

Stress durch Stresstest

Ein durchwachsenes Ergebnis förderte der groß angelegte Stresstest[…]

Christian Grosshardt

Die Zukunft quantitativer Modelle im Risikomanagement

Eine hochkarätig besetzte Runde aus Risk-Experten von Banken,[…]

Philipp Scherber

„Nichts lebt so lange wie ein gutes Provisorium“

Die aus der Wirtschaftskrise resultierende Bankenregulierung hat die[…]

Christian Grosshardt

No More Taxpayer Money!

Wie Sanierungs- und Abwicklungsplanung den Bankensektor widerstandsfähiger gegen[…]

Dr. Philipp Gann

Multilingualer Hochsicherheitstrakt für Banken

Die Globalisierung bestimmt die Entwicklung der Weltwirtschaft. Global[…]

Christian Grosshardt

Besser flüssig bleiben!

Die Liquidity Coverage Ratio ist ein neues wichtiges[…]

Sebastian Fleer

Das Risiko im Risikomodell

Nach der Finanzkrise forderte die Welt die Regulierung[…]

Carsten Krah

Rating Agentur oekom research: DKB ist nachhaltigste Bank

Nachhaltigkeit ist nicht erst seit heute ein Thema,[…]

Christian Grosshardt

Die MaRisk Compliance – Entwicklung einer Best Practice

Mit der 4. MaRisk-Novelle hat die deutsche Bankenaufsicht[…]

Dr. Volker Gehrmann

„Deutsche Banken sitzen auf einer Menge riskanter Kredite“

Bad clients, bad loans, bad banks? Immer mehr[…]

Christian Grosshardt

Beratungsverhinderungsprotokolle

Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint. Eines[…]

Thorsten Hahn

Die MaRisk Compliance – Entwicklung einer Best Practice

Mit der 4. MaRisk-Novelle hat die deutsche Bankenaufsicht[…]

Dr. Volker Gehrmann

Kleinanlegerschutzgesetz in Kraft getreten

Prokon wirkt nach, nicht nur bei den 75.000[…]

Julian Achleitner

Grau ist jede Theorie

Für manche Berufe ist ein akademisches Studium unausweichlich.[…]

Vasily Nekrasov

Herabstufung droht

Im April hörte man die ersten Gerüchte und[…]

Christian Grosshardt

Deutsche Bank schaut mit Sorgen über den großen Teich

Setzen, sechs! Das ist zwar nicht die offizielle[…]

Christian Grosshardt

Analoge Probleme in einer digitalen Welt

Gewiss, ohne die moderne digitale Technik läuft gar[…]

Jürgen P. Müller