Der Managementpuffer

Die EZB fordert im Leitfaden zum ICAAP die Definition eines Managementpuffers. Was ist darunter zu verstehen?


Mit der klaren Intention, die WiderstandsfĂ€higkeit der Kreditinstitute im Wirkungsbereich des Single Supervisory Mechanism (SSM) nachhaltig zu stĂ€rken, fordert die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) im Leitfaden „ECB Guide to the internal capital adequacy assessment process (ICAAP)“ die kontinuierliche Verbesserung der internen Prozesse zur zukunftsorientierten Beurteilung der Angemessenheit des Kapitals der Kreditinstitute. Ziel ist es, bestehende SchwĂ€chen der Institute bei der Identifikation, Bewertung und effektiven Steuerung von Risiken nachhaltig zu eliminieren. Außerdem sollen Banken sĂ€mtliche potenziell kapitalwirksamen Risiken jederzeit durch ein hinreichend großes Risikodeckungspotenzial hoher QualitĂ€t abdecken können.

In diesem Kontext thematisiert der EZB-Leitfaden die Notwendigkeit der Definition eines Managementpuffers. Dabei handelt es sich um einen Kapitalbetrag, der ĂŒber den regulatorischen und aufsichtlichen Mindestwerten sowie den internen Kapital-Schwellenwerten liegt und den das jeweilige Institut als notwendig erachtet, um sein GeschĂ€ftsmodell nachhaltig betreiben und flexibel gegenĂŒber etwaigen GeschĂ€ftschancen bleiben zu können, ohne seine angemessene Kapitalausstattung zu gefĂ€hrden.

Bei der Festlegung des Managementpuffers hat das Institut sĂ€mtliche wesentlichen Aspekte, wie etwa das GeschĂ€ftsumfeld und die Erwartungen relevanter Stakeholder, zu berĂŒcksichtigen. Der Managementpuffer soll dabei die Einhaltung der Overall Capital Requirement (OCR) und Pillar 2 Guidance (P2G) unter den gemĂ€ĂŸ Leitfaden zu analysierenden erwarteten Basisszenario-Bedingungen sowie der Total SREP Capital Requirement (TSCR) in den ebenfalls zu betrachtenden hinreichend adversen Szenarien ermöglichen. Da im EZB-Leitfaden keine konkreten Vorgaben zur Ableitung des Managementpuffers formuliert werden und auch die prinzipienbasierten Anforderungen diesbezĂŒglich wenig prĂ€zise sind, verbleibt fĂŒr das Verfahren zur Definition des Managementpuffers ein großer bankindividueller Spielraum.

Mögliche Vorgehensweise zur Ableitung

Die EZB fordert, dass zur umfassenden Sicherstellung der Konsistenz ICAAP und Sanierungsplan stets Teil des identischen Risikomanagement-Rahmens sein mĂŒssen. DarĂŒber hinaus stellt der Leitfaden explizit eine logische VerknĂŒpfung zwischen der Höhe des notwendigen Managementpuffers und der im Institut betrachteten Szenarien her. Daher erscheint es sinnvoll, den Managementpuffer auf Grundlage des Zusammenspiels der Ergebnisse des im Institut betrachteten Stresstest-Programms, der institutsspezifischen aufsichtlichen SREP-Mindestquoten sowie der im schweren Stressfall zur Abwendung einer Abwicklungssituation vorhandenen kapitalwirksamen Handlungsoptionen, die im Sanierungsplan eines Instituts dokumentiert sind, zu definieren.

So kann der Managementpuffer beispielsweise ausgehend von der Festlegung der Kapitalquoten abgeleitet werden, die in den gemĂ€ĂŸ Vorgabe des Leitungsorgans zu ĂŒberlebenden Szenarien des institutsspezifischen Stresstesting-Programms eingehalten werden sollen. Die simultane BerĂŒcksichtigung derjenigen kapitalwirksamen Handlungsoptionen des Sanierungsplans, die das Leitungsorgan im Krisenfall vor dem Hintergrund der durch den Einsatz der Optionen bedingten Implikationen fĂŒr die GeschĂ€ftsstrategie und die Reputation des Instituts bereit ist einzusetzen, ermöglicht dann die stringente und nachvollziehbare Bestimmung eines Managementpuffers.

Ein Beispiel

Das Leitungsorgan strebt an, ein im Rahmen der normativen Perspektive betrachtetes stark adverses Szenario ohne Verletzung der OCR zu ĂŒberleben. Im Rahmen der mehrjĂ€hrigen Kapitalplanung zeigt sich jedoch, dass eine Unterschreitung der OCR bei diesem Szenario in Höhe von X erfolgt. Gleichzeitig ist das Leitungsorgan vor dem Hintergrund des FortfĂŒhrungsziels bei diesem Szenario lediglich bereit, kapitalwirksame Handlungsoptionen mit geringen Implikationen fĂŒr die GeschĂ€ftsstrategie sowie Reputation des Instituts einzusetzen. Die unter dieser Maßgabe definierten Handlungsoptionen besitzen einen aggregierten Kapitaleffekt in Höhe von Y, wobei Y<X gilt. Sofern gemĂ€ĂŸ Risikoappetit des Leitungsorgans das betrachtete adverse Szenario unter BerĂŒcksichtigung der definierten Handlungsoptionen ohne Verletzung der OCR ĂŒberlebt werden soll, ist folglich ex ante ein Managementpuffer in Höhe von mindestens X-Y zu definieren und durch geeignete Maßnahmen zeitnah aufzubauen.

Methodenfreiheit wird sich vermindern

Durch die beschriebene Methodik kann eine konsistente und nachvollziehbare quantitative Ableitung des Managementpuffers erfolgen. Bei der finalen Festlegung des Managementpuffers sind darĂŒber hinaus gemĂ€ĂŸ EZB-Leitfaden stets auch qualitative ErwĂ€gungen zu berĂŒcksichtigen, die zu einer Adjustierung des quantitativ abgeleiteten Betrags fĂŒhren können. Prinzipiell besteht bei der Definition des Managementpuffers eine große Methodenfreiheit des Instituts. Es ist jedoch zu erwarten, dass sich diese durch weitere PrĂ€zisierungen von Seiten der EZB und die tatsĂ€chliche PrĂŒfungspraxis kĂŒnftig vermindern wird.