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„Die Kunden sind der Kern der Branche“

Im Zeitalter der Digitalisierung steht der gesamte Finanzsektor vor immer neuen Herausforderungen. Die Regulierung steht im Fokus jeglicher Interaktion, genau wie das Erfüllen der Kundenbedürfnisse. Kann leichtes unterfangen, schließlich sollen die Umsetzung alles Neuen zudem schnell sein. BANKINGNEWS sprach mit Michael Heffner von Appian, einem der größten Anbieter von BPM Software, über die Zukunft der Bank- und Finanzbranche im Hinblick auf Compliance und Regulierung.

Von Anna Stötzer - 02. November 2016

Michael Heffner ist der Finanzexperte bei Appian und berät Banken und Versicherungen, wie sie ihre Geschäftsprozesse durch Technologien wie BPM und Case Management modernisieren. Als MBA hat er sich schon früh auf den Finanzsektor spezialisiert und die Bankbranche unter anderem als Managing Director, Business Transformation bei State Street Global Markets sowie in führenden Positionen bei Accenture und Charles Schwab & Co begleitet.

BANKINGNEWS: Welchen Herausforderungen sind Banken im Hinblick auf Compliance ausgesetzt?

Banken reagieren in erster Linie auf Anforderungen, gehen dabei aber zu wenig strategisch vor. Dementsprechend hinken sie bei der Erfüllung von Compliance-Anforderungen stetig hinterher. Auch entwickeln Banken Lösungen nicht gesamtheitlich. Da wird dann etwa eine Lösung für MiFID oder „Know Your Customer“ gebaut. Generell bauen Unternehmen und Finanzdienstleister im Besonderen mit dieser Vorgehensweise isolierte Säulen auf, die nicht mehr zusammenfinden. Die Herausforderung: Banken müssen lernen, dass die Kunden Kern der Compliance sind und daher im Fokus stehen sollten, nicht nur die Implementierung neuer Lösungen.

In den vergangenen Jahren ist in der Bank- und Finanzbranche viel passiert. So haben diverse Fintechs Vollbank-Lizenzen erhalten. Welche Rolle nehmen sie in Ihren Augen ein?
Ich persönlich freue mich über Fintechs. Sie sind in unserer heutigen Zeit ein wichtiger Innovator für Financial Services. Bis dato war der Finanzsektor der letzte Sektor, der sich noch nicht geändert hatte. Hier war immer noch alles ganz langsam und die Kundenerfahrung stand nicht konsequent im Mittelpunkt. Das ändert sich mit den Fintechs.

Big Data ist zukunftsweisend

Das Ganze beobachte ich vom Retail-Banking bis zum Institutional Banking. Die Frage ist nun, wie Digitalisierung und Core-Banking zusammenfinden. Diese neue Form der Auseinandersetzung befürworte ich genauso wie die Vergabe neuer Bank-Lizenzen in Deutschland. Oder auch London, wo es vergangenes Jahr mindestens fünf neue Lizenzen gab.

Welche Auswirkungen haben all diese Veränderungen in Ihren Augen für den Kunden?
Es gibt weltweit mittlerweile sehr viele Fintech-Unternehmen, das Investitionsvolumen beläuft sich auf mindestens 25 Milliarden US-Dollar in den letzten zwei Jahren. Diese entstehen aus einem simplen Grund: Sie haben einen besseren Weg gefunden, um Kunden zu bedienen. Oder aber das Fintech verbessert Abläufe und Zahlungsverkehr – denken Sie nur an das Beispiel Blockchain. Aber auch innovative Abläufe im Back-Office verbessern Kundenerfahrungen und Produkt-Journey. Insgesamt haben Fintechs die Kunden und ihre Erfahrung in den Mittelpunkt gestellt, und das sehe ich in dieser radikalen Form zum ersten Mal. Wenngleich die Realität auch ist, dass nicht alle Unternehmen werden überleben können.

Wie steht es um die Regulierung?

Ich finde, dass Banking überall auf der Welt eine regulierte Industrie sein sollte. Regulierung gibt es aus einem bestimmten Grund: Für die Allgemeinheit soll sie Risiken deutlich minimieren. Allerdings werden sich Banken mit Blick auf die Zukunft anpassen und wirklich darüber nachdenken müssen, wie sie neue Lösungen integrieren, Innovationen à la Fintech in ihre Geschäftsmodelle einbinden und trotzdem compliant sind. Appian ist an dieser Stelle wie der Klebstoff zwischen Banken und Fintechs. Wir helfen dabei, indem wir Innovationen und Legacy-Strukturen verbinden. Also: Ich sage Ja zur Regulierung, Ja zur Innovation. Aber es bleibt zu klären: Wie werden die Neuerungen in Legacy- und Compliance-Systeme integriert?

How do you make the elephant dance?

Welche Anforderungen haben Global Player in der Finanzwelt an Compliance-Systeme? Gerade vor dem Hintergrund von „Big Data“?

Big Data ist omnipräsent und zukunftsweisend. Gleichwohl ist die Einhaltung lokaler Regelungen nötig, was kompliziert werden kann. Die Regeln der Nutzung von persönlichen Daten sind in den USA ja andere als z.B. in Deutschland. Wenn man nun für die verschiedenen Märkte separate Systeme baut, verliert man schnell den Überblick, die Einhaltung der Compliance ist gefährdet. Daher müssen Systeme clever genug sein, um verschiedene regionale Regelwerke gleichzeitig umsetzen zu können. Am besten ist es, alles über dieselbe Plattform zu managen. Wir machen das so: Unsere Kunden erhalten ein Hauptprogramm für Compliance, so dass alle Compliance-Aspekte global und zuverlässig abgedeckt sind; gleichzeitig stellen wir die technischen Ressourcen für regionale Anpassungen bereit. Damit wird Big Data am Ende des Tages eine große Möglichkeit, Kundenservice und Customer-Journey zu optimieren. Aber das geht auch mit mehr Verantwortung einher und dazu müssen Finanzdienstleister die regulatorischen Vorschriften umsetzen.

Wo sollten Banken zukünftig anknüpfen?

Eigentlich müssten Banken mit ihrer kompletten Architektur neu anfangen. Dies geht natürlich nicht. Sie müssen also den Spagat zwischen der IT-Modernisierung als Basis für neue Services und dem Beibehalten bewährter Strukturen meistern. Banken müssen lernen zu integrieren und Wege finden, Neues zu ermöglichen. Es muss ein Umdenken stattfinden. Ich frage meine Kunden daher gerne: „How do you make the elephant dance?“

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