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Risk

Kann man das Risiko managen?

Von Thorsten Hahn - 12. Juli 2010

Die Finanzkrise bewegt weiterhin die Gemüter. Frank Romeike, Herausgeber des Werkes „Die Bankenkrise“, beschreibt in seinem Interview, warum die Finanzkrise letztlich ein Ergebnis von zu viel Spiel auf Risiko ist.

 

Herr Romeike, die weitläufige Meinung geht immer noch dahin, dass die Gier nach Rendite den „gesunden Menschenverstand“ ausgeschaltet und zur Krise geführt habe. Wie sehen Sie das?
Zu diesem Ergebnis kommt man nur durch eine sehr grobe und oberflächliche Analyse. Die eigentlichen Ursachen sind viel komplexer. Ein wesentlicher Grund für die Blasenentwicklung auf dem US-Immobilienmarkt liegt in der Niedrigzinspolitik der US-amerikanischen Notenbank nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.
Die US-Notenbank wollte mit einer drastischen Senkung der Leitzinsen eine Rezession der amerikanischen Wirtschaft verhindern – und hat dies zunächst auch erfolgreich geschafft. Ermutigt durch die Politik vergaben US-Banken in einem boomenden Immobilienmarkt „billige“ Kredite an US-Bürger, die sich den Traum vom Eigenheim verwirklichen wollten. Durch die Verbriefung und den Verkauf der Kreditrisiken haben sich die ursprünglichen Gläubiger dann des Ausfallrisikos entledigt, so dass sie sorglos wurden und weiter Kredite vergeben haben, die sie nicht vergeben hätten, wenn sie das Risiko in den eigenen Büchern behalten hätten.
Derweil begann eine Welttournee der US-Hypothekenrisiken. Die Risiken wurden in kleine Pakete verpackt (verbrieft), die dann immer weiter verpackt und verbrieft wurden. Ein Blick in die reale Welt der US-Immobilienmärkte hätte auch dem Nicht-Experten relativ schnell verdeutlicht, dass alle Marktteilnehmer auf einem Pulverfass – oder auch einer riesigen Blase – saßen, und die einzige Unbekannte im Spiel der Zeitpunkt der Explosion war…

Aber warum haben intelligente Menschen in verbriefte US-Hypothekenrisiken investiert? Warum haben sie die wahren Risiken nicht erkannt?
Tatsache ist, dass die Methoden und Anreizsysteme einen zu sorglosen Umgang mit Risiken tendenziell gefördert haben. In vielen Häusern waren die Instramente und Werkzeuge zur Bewertung und Steuerung von Risiken zwar vorhanden – allerdings wurden die Informationen in der strategischen Unternehmenssteuerung einiger Institute nicht in vollem Umfang verwendet.
Eine ganz wesentliche Ursache für die aktuelle Krise liegt aber darin, dass das Grundprinzip einer wertorientierten Unternehmensführung verletzt wurde, nämlich das Abwägen der erwarteten Rendite und der Risiken. Vor diesem Hintergrund beschlossen die Spitzenvertreter der G20-Staaten grundlegende Reformen der internationalen Finanzmärkte. Eine dominante Rolle spielt hier das Risikomanagement.

Und wie können die Risiken in Zukunft gemanagt werden? Kann man das Risiko überhaupt managen?
Risikomanager werden zukünftig darauf hinweisen, wenn zwischen dem Willen, Renditechancen zu nutzen, und der Bereitschaft, Risiken vorausschauend einzuschätzen, ein Ungleichgewicht existiert.
Außerdem werden sie ihre Werkzeuge anpassen müssen. Denn die aktuelle Finanzkrise hat gezeigt, dass einige Methoden blind sind für die Realität. Mit den zukünftigen Werkzeugen und Methoden des Risikomanagements beschäftigt sich das Buch, das ich gemeinsam mit neun Autorinnen und Autoren veröffentlicht habe.

Herzlichen Dank für das äußerst aufschlussreiche Gespräch, Herr Romeike.

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