Noch Factoring-Anbieter oder schon Vollbank?

Der Factoring- und Leasing-Markt boomt wie lange nicht. Der Wettbewerb nimmt zu, die Regulierung auch. Angesichts neuer Anforderungen kann von Nischenanbietern keine Rede mehr sein – Factoring- und Leasing-Anbieter werden faktisch wie Banken behandelt. Doch worauf sollten vor allem kleine und mittlere Institute nun achten?


Leasing- und Factoring-Unternehmen können selbstbewusst in die Zukunft schauen. Bildnachweis: iStock.com/erhui1979

Geht es heutzutage um einen intelligenten Finanzierungsmix, kommen Unternehmen nicht mehr an Factoring und Leasing vorbei. Vor allem in mittelstĂ€ndischen Unternehmen sind auch alternative Finanzierungslösungen lĂ€ngst etabliert. Doch mit dieser positiven Entwicklung ging und geht auch eine zunehmende Regulierung einher. Seit die in Deutschland tĂ€tigen Factoring- und Leasing-Gesellschaften 2009 unter die eingeschrĂ€nkte Bankenaufsicht „KWG-light“ gestellt wurden, bei der sie fortan selbst die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) umsetzen mussten, erfolgten kĂŒrzlich weitere Regulierungen. Auf Basis einer publizierten Novelle vom 27.10.2017 von der Bundesanstalt fĂŒr Finanzdienstleistungsaufsicht wurden kĂŒrzlich die Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT) veröffentlicht. Aus der neuen Regulation ergeben sich nun weitere Herausforderungen fĂŒr die Finanzbranche, die auch fĂŒr klassische Finanzierungsdienstleister uneingeschrĂ€nkt gelten.

Ganzheitliches Risikomanagement ist gefordert

Ein Regulierungsschwerpunkt liegt im Bereich digitaler Dienstleistungen. Diese werden besonders von kleineren und mittleren Instituten hĂ€ufig ausgelagert, damit sie sich ganz auf ihr KerngeschĂ€ft konzentrieren können. Die neuen MaRisk wie auch die BAIT zeigen nun nochmal deutlich, dass fĂŒr die technische Infrastruktur nicht nur ein robustes Monitoring einzufĂŒhren ist, sondern auch die Identifizierung und Überwachung von IT-Risiken sichergestellt werden muss. Eine Auslagerung der technischen Infrastruktur bedeutet dabei nicht, dass auch die IT-Kontrollen auslagert werden können. Im Gegenteil, die konkretisierte Ausgestaltung der Anforderungen verpflichtet dazu, neben des in den MaRisk geforderten IT-Risikomanagements auch die IT-Governance samt der Definition einer IT-Strategie intern zu erstellen und zu strukturieren. Eine externe Beratung kann hier sinnvoll unterstĂŒtzen – was jedoch einen nicht unerheblichen Kostenfaktor darstellt.

Eine weitere Herausforderung an ein ganzheitliches Risikomanagement betrifft das Compliance-Risiko. Die erhöhten Anforderungen aus dem GeldwĂ€schegesetz werden besonders die Mobilien-Leasing-Unternehmen betreffen, obwohl der Schwerpunkt der TĂ€tigkeit auf der direkten Finanzierung von GĂŒtern und Leistungen liegt. Internationale Standards wie die IFRS 16 ziehen ebenfalls spĂŒrbare Folgen nach sich. Denn auch wenn die Mehrzahl der Leasingnehmer in Deutschland nach Handelsgesetzbuch (HGB) bilanziert, mĂŒssen große Leasing-Unternehmen nach IFRS bilanzieren und die neuen Anforderungen anwenden. Das schließt wie bei der Novelle der MaRisk und BAIT eine umfangreichere Datenbereitstellung ein, etwa bei abweichenden GeschĂ€ften wie Sale-and-Lease-Back.

Nicht zu einem Regulierungsdienstleister werden

Dies lĂ€sst sich alles gut regeln, keine Frage. Und neue Herausforderungen bringen immer auch die Chance auf verbesserte Lösungen mit sich. Doch dafĂŒr mĂŒssen jetzt besonders kleine und mittelgroße Factoring- und Leasing-Anbieter sorgen, um nicht zu Regulierungsdienstleistern zu werden. Gerade bei ihnen ist die Unsicherheit groß, wie die gestiegenen Anforderungen operativ und wirtschaftlich umgesetzt werden können. Das ProportionalitĂ€tsprinzip, das die Bankenaufsicht jĂŒngst noch einmal bestĂ€tigt hat, gibt die Richtung vor: Jetzt ist die gemeinsame Suche der Partner nach werthaltigen und kundengerechten Lösungen gefragt. Leasing- und Factoring-Unternehmen können also durchaus selbstbewusst und optimistisch in die Zukunft blicken. Aufsichtsrechtlich werden sie zunehmend nicht lĂ€nger als Nischenanbieter mit reduziertem Risiko fĂŒr das Finanzsystem angesehen, sondern immer stĂ€rker an den MaßstĂ€ben der Banken gemessen. Die Regulierung lĂ€sst sich da als Privileg nutzen, um Kunden auch kĂŒnftig sichere Technologien bereitstellen zu können.