Jetzt Mitglied werden

Steigende regulatorische Anforderungen, Herausforderungen und das Projektvorgehen

Die Flut von neuen regulatorischen Anforderungen an die Banken scheint weiterhin ungebrochen, wie es die Vielzahl der Reformwerke wie Basel III, CRR/CRD IV, die BRRD und ganz aktuell Basel IV zeigen. Die Banken schaffen es kaum noch, bei der Umsetzung der Vorgaben Luft zu holen.

Von Björn Fehrenbach - 02. November 2016

Effizientes Arbeiten in einem Umfeld der Niedrigzinsen und einer immer stärkeren Regulierung gleicht einem Drahtseilakt. Bildnachweis: iStock.com/alphaspirit

BCBS239, Fundamental Review of the Trading Book, die Überarbeitung der Vorschriften zur Nutzung interner Modelle sowie der neue SREP, um nur einige zu nennen, halten die Banken bereits in Atem. Die anhaltende Niedrigzinsphase lässt jedoch kaum mehr Erträge im klassischen Bankgeschäft zu. Hohe Anforderungen, die ebenso hohe Investitionen erfordern, sind daher nur schwer zu realisieren. Gleichzeitig müssen die Anforderungen in immer kürzerer Zeit umgesetzt werden, und oftmals sind die Ressourcen gerade im Fachbereich begrenzt.

Zentrale Anforderungen und Lösungsdimensionen

Es muss sich die Frage gestellt werden, wie die kommenden regulatorischen Anforderungen möglichst effizient umgesetzt werden können. Zur Beantwortung dieser Frage habe ich aus den bestehenden und kommenden regulatorischen Papieren zentrale Anforderungen, wie beispielsweise die differenzierte Messung aller Risikotreiber oder die stark vereinfachte Datengranularität im Meldewesen, herausgearbeitet. Den zentralen Anforderungen wurden Lösungsdimensionen wie beispielsweise Programm- und Projektmanagement oder Data Governance zugeordnet. Die aktuelle Anwendung der Lösungsdimensionen wurde anhand einer Onlineumfrage mit 100 Teilnehmern (in 2015; www.fitforbasel.de) abgefragt. Dabei hat die Lösungsdimension Data Governance eine sehr schlechte Einschätzung erhalten (vgl. Björn Fehrenbach, Fit for Basel IV: Anforderungen + Lösungsdimensionen, Neopubli, ISBN 978-3-7418-1571-3).

Das ist sicherlich nicht weiter überraschend. Doch wirken neben den regulatorischen Anforderungen auch weitere Entwicklungen, wie die Digitalisierung, und auch neue technische Möglichkeiten im Bereich der BI-Systeme, wie beispielsweise In-Memory oder Predicitve Analytics, auf diese Lösungsdimension. Diese Tatsache erhöht den Handlungsdruck, sich mit der Architektur und dem Datenhaushalt zu beschäftigen. Zudem scheinen die wesentlichen Anforderungen direkt aus den regulatorischen Papieren ablesbar zu sein. Damit kann die Frage gestellt werden, in welchem Umfang es eine Definitionsphase in der Projektumsetzung braucht. Daran schließt sich die Überlegung an, zu welchem Zeitpunkt der Fachbereich direkt ins Projekt einbezogen werden soll und ab wann Tests durchgeführt werden sollen.

Projektvorgehen

Doch selbst wenn die Handlungsfelder bekannt sind und man sogar eine Aufteilung in verschiedene Projekte vornehmen kann, stellt sich die Frage, wie man in der konkreten Projektumsetzung (im Change) vorgehen soll. Verschiedene Studien zeigen auf, dass sich immer mehr Unternehmen in Richtung von agilen Vorgehensmodellen bewegen. Hiermit soll mehr Transparenz geschaffen werden, um auch eine höhere Qualität des Projektergebnisses zu erhalten. Die genaue Definition der agilen Vorgehensweise und deren Inhalt wird von Unternehmen zu Unternehmen anders verwendet und ist damit nicht vergleichbar. So gibt es einen großen Spielraum zwischen traditionellen Wasserfallprojekten und rein agilen Scrum-Projekten. Jegliche Mischform zwischen traditioneller und agiler Vorgehensweise wird als hybrides Vorgehen bezeichnet. Generell besteht die Gefahr, ein rein agiles Vorgehen immer dann zu wählen, wenn man zu wenig Zeit für eine ausreichende Definitionsphase hat oder viele Dinge unklar sind.

Neben den gefühlten Vorzügen von agilen und hybriden Methoden lassen sich bis heute noch keine fundierten Aussagen finden, ob die im Projekt eingesetzten agilen Techniken wirklich zu einem Mehrwert führen. Auch ist nicht bekannt, auf welche Business Values (beispielsweise Qualität, Time-to-Market, Kosten) die eingesetzten agilen Techniken wirken. Eine Antwort auf diese Frage soll eine weltweit laufende Studie zum Thema „business value of current software development methodologies“ geben. Die Studie ist an Entwickler und alle Beteiligten (inkl. Auftraggeber und Fachbereich) eines Softwareprojekts ausgelegt. Eine Teilnahme ist noch möglich.

Vorläufige Ergebnisse der Studie

Von den bis jetzt 210 Teilnehmern gaben 32% an, traditionelle, 34% hybride und 31% agile Vorgehensweisen zu verwenden. Bezogen auf die 39 Teilnehmer aus Banken sieht die Verteilung wie folgt aus: 38% traditionelle, 46% hybride und 15% agile Vorgehensweisen. Damit werden nach Einschätzung der Teilnehmer aus der Bankbranche in Banken mehr hybride und weniger agile Vorgehensweisen als im Durchschnitt eingesetzt. Spannend wird es, nach Abschluss der Studie zu analysieren, welche agilen Prinzipien sich auf welche Business Values auswirken, und ob sich dies nach Branchen unterscheiden lässt. Ein Bezug der exklusiven Ergebnisse ist durch die Teilnahme an der Studie möglich.

Lesen Sie auch

Vorsicht, Kompetenzfalle!

Risk Governance bedeutet, das Geschäftsmodell einer Bank risikofest[…]

Arnd Wiedemann

„30 Sekunden vor 12“

Regulierung kann für Banken ein wichtiger Verbündeter sein.[…]

Thorsten Hahn

Ausgewählte Neuerungen zum Thema Auslagerungen in der 5. MaRisk-Novelle

Am 27. Oktober 2017 veröffentlichte die Bundesanstalt für[…]

Christian Gudat

Raus aus der Defensive!

Aktuelle empirische Erhebungen zeigen: Die Zahl der Banken[…]

Carsten Krah

Stresstesting: Wesentliche Änderungen durch EBA-Leitlinien

Im April 2017 wurde von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde[…]

Armin Rheinbay

Noch Factoring-Anbieter oder schon Vollbank?

Der Factoring- und Leasing-Markt boomt wie lange nicht.[…]

Frank Peterlic

Eurex-LCH-Basis ist nicht mehr wegzudiskutieren

Der Preisunterschied zwischen Derivaten, die mit LCH bzw.[…]

Dmitry Zaykovskiy

„Gute Kundenbeziehung ist nicht mehr ausreichend“

Wie lege ich Geld mit dem geringsten Zeitaufwand[…]

Christian Grosshardt

„Die Risiken des Kreditnehmers werden außer Acht gelassen“

Der Traum von der eigenen Immobilie – nicht[…]

Christian Grosshardt

Quantitatives Risikomanagement in Zeiten von Solvency II

Die quantitative, erste Säule von Solvency II umfasst[…]

Stefan-M. Heinemann

Praktische Hinweise für die Umsetzung eines Abwicklungsplans

Während der Abwicklung eines Kreditinstituts verändern sich die[…]

Heiko Trautmann

„Datenmengen sind nicht gleich Informationsmengen“

Der gemeine Risikomanager hat es nicht leicht: Neben[…]

Christian Grosshardt

Geschützt: Vorträge RISKMANAGEMENTforBANKS 2017 (exklusiv für Mitglieder und Teilnehmer)

Es gibt keine Kurzfassung, da dies ein geschützter[…]

Frank Rathner

Die überarbeiteten aufsichtlichen Vorgaben zur Risikotragfähigkeit

Am 05.09.2017 veröffentlichten BaFin und Bundesbank die Konsultationsfassung[…]

Dr. Daniel Baumgarten

Überarbeitung der SREP-Leitlinien

Im Rahmen des SREP-Mehrjahresplans zur Überprüfung der Angemessenheit[…]

Christian Gudat

Mehr Aufwand, gleiches Risiko

Deutsche Tochtergesellschaften von weltweit tätigen Konzernen müssen wegen[…]

Stephan Utzelmann

RISKMANAGEMENTforBANKS 2017

Spätestens seit der Finanzkrise ist das Thema Risikomanagement[…]

Redaktion

Verschlafen Banken ihre Wettbewerbsfähigkeit?

Die meisten deutschen Banken und Sparkassen stehen unter[…]

Dirk Piethe

Eine Regulierung, sie zu knechten

Wir schreiben das Jahr 2017, als sich alle[…]

Christian Grosshardt

SSM Risk Map: Standardisierung der Säule II?

Ein Formular dient der standardisierten Erfassung eines bestimmten[…]

Frank Hölldorfer

Basel III-Compliance: Integration heißt das Zauberwort

Die Commerzbank AG nutzt regulatorischen Druck als Chance[…]

Bernd Leinert

Basel gegen alle?

Die Bankbranche sieht sich vom Basel Committee on[…]

Christian Grosshardt

„Die Kunden sind der Kern der Branche“

Im Zeitalter der Digitalisierung steht der gesamte Finanzsektor[…]

Anna Stötzer

Risikomanagement im Fokus der Bankbranche

Risikomanagement ist ein wichtiger Aspekt in der täglichen[…]

Anna Stötzer

Proaktive Steuerung der untertägigen Liquidität

Transparenz und Aktualität liquiditätsrelevanter Daten senken die Kosten,[…]

Dirk Rath

Modernisierung im Risikomanagement

Nie waren die Zeiten besser geeignet, im Risikobereich[…]

Carsten Krah

Business Continuity Management – Mehr als eine regulatorische Anforderung

Die zunehmende Regulierung fordert die parallele Erfüllung vieler[…]

Markus Müller

Bauernopfer Risikomanager

Die derzeitige Regulierung zwingt Banken zumindest auf der[…]

Thorsten Hahn

Neue EU-Verordnung eIDAS macht Unterschriften mobiler und papierlos

Wir schreiben das Jahr 2016. Immer mehr Prozesse[…]

Jörg Lenz

Risikomanagement für Banken nimmt Fahrt auf

Finanzinstitute geraten erneut unter Handlungsdruck. Im Visier der[…]

Dipl. Oec. Holger Kilian

Vergesst Online Banking und Mobile-Banking-Apps

Wenn Bankkunden ihre täglichen Bankgeschäfte digital abwickeln, nutzen[…]

Tobias Baumgarten

Der Regulierungswahn

Und immer noch ist kein Ende in Sicht:[…]

Christian Grosshardt

Der Sturz der Bank-Aktien – ist die Veröffentlichung von Stresstests eine gute Idee?

Der Stresstest ist vorbei, doch der eigentliche Stress[…]

Christian Grosshardt

Stress durch Stresstest

Ein durchwachsenes Ergebnis förderte der groß angelegte Stresstest[…]

Christian Grosshardt

Die Zukunft quantitativer Modelle im Risikomanagement

Eine hochkarätig besetzte Runde aus Risk-Experten von Banken,[…]

Philipp Scherber

„Nichts lebt so lange wie ein gutes Provisorium“

Die aus der Wirtschaftskrise resultierende Bankenregulierung hat die[…]

Christian Grosshardt

No More Taxpayer Money!

Wie Sanierungs- und Abwicklungsplanung den Bankensektor widerstandsfähiger gegen[…]

Dr. Philipp Gann

Multilingualer Hochsicherheitstrakt für Banken

Die Globalisierung bestimmt die Entwicklung der Weltwirtschaft. Global[…]

Christian Grosshardt

Besser flüssig bleiben!

Die Liquidity Coverage Ratio ist ein neues wichtiges[…]

Sebastian Fleer

Das Risiko im Risikomodell

Nach der Finanzkrise forderte die Welt die Regulierung[…]

Carsten Krah

Rating Agentur oekom research: DKB ist nachhaltigste Bank

Nachhaltigkeit ist nicht erst seit heute ein Thema,[…]

Christian Grosshardt

Die MaRisk Compliance – Entwicklung einer Best Practice

Mit der 4. MaRisk-Novelle hat die deutsche Bankenaufsicht[…]

Dr. Volker Gehrmann

„Deutsche Banken sitzen auf einer Menge riskanter Kredite“

Bad clients, bad loans, bad banks? Immer mehr[…]

Christian Grosshardt

Beratungsverhinderungsprotokolle

Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint. Eines[…]

Thorsten Hahn

Die MaRisk Compliance – Entwicklung einer Best Practice

Mit der 4. MaRisk-Novelle hat die deutsche Bankenaufsicht[…]

Dr. Volker Gehrmann

Kleinanlegerschutzgesetz in Kraft getreten

Prokon wirkt nach, nicht nur bei den 75.000[…]

Julian Achleitner

Grau ist jede Theorie

Für manche Berufe ist ein akademisches Studium unausweichlich.[…]

Vasily Nekrasov

Herabstufung droht

Im April hörte man die ersten Gerüchte und[…]

Christian Grosshardt

Deutsche Bank schaut mit Sorgen über den großen Teich

Setzen, sechs! Das ist zwar nicht die offizielle[…]

Christian Grosshardt

Analoge Probleme in einer digitalen Welt

Gewiss, ohne die moderne digitale Technik läuft gar[…]

Jürgen P. Müller