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Liquidität durch Forderungsverkauf

Forderungsbasierte Finanzierungsformen gewinnen gerade für mittelständische Unternehmen verstärkt an Bedeutung. Mit der richtigen Strategie können Banken sich hier als wichtige Impulsgeber positionieren.

Von Stefan Beismann - 27. Juli 2018

Mit einer gut geplanten Forderungsverkauf-Strategie können sich Banken als wichtige strategische Impulsgeber positionieren. Bildnachweis: iStock.com/ikryannikovgmailcom

Der Forderungsverkauf zu Finanzierungszwecken hat in den letzten Jahren für Firmen an Bedeutung gewonnen. Unternehmer schätzen die Flexibilität der Liquiditätszufuhr, die sich jeweils am Forderungsbestand orientiert und dynamisch mit dem Umsatz wächst. Dafür, dass dieser Trend auch weiterhin anhalten wird, spricht insbesondere ein Blick auf die aktuellen Novellen der internationalen Rechnungslegung. Mit dem Geschäftsjahr 2019 kommt IFRS 16 zur Anwendung und verlangt Unternehmen ab, große Teile des getätigten Leasings in der Bilanz abzubilden. Zur Bilanzverkürzung und Optimierung der Kapitalquoten verbleiben Forderungsverkäufe als mehrwertstiftende Lösung.

Der Verkauf einzelner Forderungen oder eines ganzen Forderungsportfolios gegen sofortige Liquidität bietet Unternehmen eine flexible Alternative zu kurz- und mittelfristigen Bankfinanzierungen. Firmen können sich auf diesem Wege gegen Forderungsausfälle ihrer Debitoren absichern und beschränken ihr eigenes Risiko auf die Veritätshaftung für die verkauften Forderungen. Zudem besteht in der Veräußerung ein effektives Mittel der Working-Capital-Optimierung, da das Umlaufvermögen zielgenauer gesteuert werden kann. Wenngleich somit teilweise Banklinien substituiert werden, ist die Produktgruppe dennoch für Kreditinstitute attraktiv. Abgesehen von der notwendigen Strukturierung und Abwicklung des Forderungsverkaufs, woran die Bank partizipieren kann, schont der Forderungsverkauf das eigenkapitalrelevante Gesamtengagement bei einem Kunden und eröffnet Raum für weiteres Geschäft.

Forderungsabtretung verliert zweifelhaften Ruf

Für den revolvierenden Verkauf von Forderungen kleineren Volumens stellt das Factoring häufig einen geeigneten Rahmen dar: Bereits ab Umsätzen von 250.000 Euro bietet der klassische Forderungsverkauf gegen Disagio kleineren Unternehmen die Möglichkeit, ihr Forderungsportfolio zu optimieren. Die Erfahrungen unserer Kunden in diesem Segment zeigen dabei, dass die häufig verbundene Offenlegung der Forderungsabtretung ihren anrüchigen Ruf verloren hat. Hinzu kommt, dass mit dem Factoring die Debitorenbuchhaltung zumindest teilweise an den Factorer ausgelagert werden kann.

Chancen für kleinere Unternehmen

Bei größeren Forderungsvolumen kommt anstelle des Factorings eine Finanzierung mittels Asset Backed Commercial Papers (ABCP) in Frage: Bereits ab einem dauerhaften Forderungsbestand von rund zehn Millionen Euro bietet die DZ BANK Unternehmen an, ein zu definierendes Forderungsportfolio an eine Zweckgesellschaft zu verkaufen. Damit steht diese Form der Finanzierung auch mittelständischen Unternehmen zur Verfügung. Die Zweckgesellschaft erwirbt die Forderungen aus Emissionserlösen von ABCP, also kurz laufenden Wertpapieren, die mit dem erworbenen Forderungsportfolio besichert werden. Eine betreuende Bank stellt dabei die Liquidität der Zweckgesellschaft sicher, die über Vertragszeiträume von fünf bis sieben Jahren das festgelegte Forderungsportfolio ankauft. Gegenüber dem Factoring können auf diesem Wege zum einen auch mittel- und langfristige Forderungen veräußert werden.

Zum anderen erfolgt die Forderungsabtretung still, während der Forderungsverkäufer im Außenverhältnis weiterhin als Gläubiger auftritt. Für größere Unternehmen spielt das im Gegensatz zum Factoring-Segment häufig eine Rolle. Das ABCP-Modell garantiert Finanzierungssicherheit über mehrere Jahre hinweg, da die Abnahme des definierten Portfolios garantiert wird. Darüber hinaus profitiert das Unternehmen von einem indirekten Kapitalmarktzugang, den es über die Zweckgesellschaft erhält: Letztere kann den Kauf der Forderungen am Kapitalmarkt günstig – beispielsweise zurzeit mit negativen Einständen – refinanzieren und die Konditionen in Form eines niedrigen Disagios an den Forderungsverkäufer weitergeben.

Ergänzend zu den revolvierenden Lösungen eröffnen Online-Handelsplätze für Forderungen neuen Spielraum für Finanzabteilungen, insbesondere auf Einzelforderungsebene. Als Kooperationspartner der DZ BANK bietet die Auktionsplattform TrustBills die Möglichkeit, von den Vorteilen des Forderungsverkaufs zu profitieren, ohne eine Andienungspflicht einzugehen. Unternehmen können hier Einzelforderungen zum Kauf anbieten oder aktiv in Forderungen investieren; ein fairer Preis wird über eine Auktion ermittelt. Erstmalig bestimmt der Forderungsverkäufer, wann er welche Forderung zu welchem Mindestpreis anbietet. Zudem ist ein unwiderrufliches Zahlungsversprechen des Debitors rein optional.

Banken als strategische Impulsgeber

Mit dem beschriebenen Ansatz können Banken ihren Kunden Lösungen zur forderungsbasierten Finanzierung anbieten, die vielgestaltige Kundenbedarfe abdecken. Die richtige Lösung für das Forderungsportfolio des Kunden zu strukturieren, eröffnet Banken dabei die Möglichkeit, sich als strategischer Impulsgeber zu positionieren.

Stefan Beismann

DZ Bank

Stefan Beismann ist seit 1998 bei der DZ BANK tätig und verantwortet seit 2016 das Firmenkundengeschäft im Norden und Osten Deutschlands.

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