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Mehrheit der Verbraucher kennt PSD2 nicht

Verbraucher kennen sich beim Thema PSD2 nicht wirklich aus. Einige Anwendungsfälle finden jedoch starken Zuspruch, wie CRIF Bürgel in einer Endkundenbefragung herausgefunden hat. Eine gute Nachricht für Banken gibt es auch.

Von Philipp Scherber - 28. Mai 2019
Eine Umfrage von CRIF Bürgel hat ergeben, dass 69 Prozent der Verbraucher noch nie etwas von der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 gehört haben.

Foto: CRIF Bürgel

CRIF Bürgel hat eine Umfrage unter Endkunden zum Thema PSD2 durchgeführt.

BANKINGNEWS: Sie haben eine Umfrage unter Endkunden zum Thema PSD2 durchgeführt. Was sind die Ergebnisse?

Christian Bock: Bei vielen Verbrauchern ist das Thema noch gar nicht richtig angekommen: Laut unserer repräsentativen Online-Umfrage im November 2018 haben 69 Prozent der Teilnehmer noch nie von PSD2 gehört. Generelles Interesse an PSD2-basierten Services besteht jedoch bei 46 Prozent der Befragten, etwa an Benachrichtigungen, wenn durch einen Vertragswechsel – etwa beim Stromanbieter oder der Versicherung – Geld gespart werden kann. Für Services, wie zum Beispiel Benachrichtigungen, wenn der eigene Kontostand eine bestimmte Schwelle über- oder unterschreitet, interessieren sich 39 Prozent der Befragten. Darüber hinaus können PSD2-basierte Angebote ja auch helfen, die Bankdaten und die Identität des Bankkunden vor Missbrauch zu schützen: Dazu überwachen Drittanbieter im Internet die vom Kunden freigegebenen Daten, wie etwa Name, Adressdaten, Kontonummer oder Kreditkartendaten und geben Bescheid, wenn verdächtige oder gar gestohlene Daten auftauchen. Eine solche Benachrichtigung wäre für fast drei Viertel der Befragten wertvoll und generell interessanter als Versicherungen oder persönliche Hilfestellungen. So ist etwa ein Service-Center, das täglich 24 Stunden telefonisch Beratung und Unterstützung anbietet, nur für 37 Prozent der Verbraucher interessant.

Google oder Hausbank: Wem vertrauen die befragten Kunden bei PSD2-basierten Services?

Bei der Frage „Wem würden Sie beim Zugriff auf Ihre Bankdaten vertrauen?“ rangieren Internetfirmen wie Facebook und Google, aber auch Anbieter wie Numbrs oder N26, mit einstelligen Prozentwerten auf den hinteren Rängen. Software-Anbieter wie Kaspersky, McAfee, Norton und andere bringen es immerhin auf 23 Prozent. Etwa jeder Dritte hält die Schufa oder das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik für vertrauenswürdig. Unangefochtener Spitzenreiter als vertrauenswürdigster Anbieter von PSD2-Diensten ist jedoch bei 64 Prozent der Befragten die eigene Hausbank. Sie verweist selbst andere Banken und Kreditinstitute mit nur 29 Prozent auf die hinteren Plätze.

„Unangefochtener Spitzenreiter als vertrauenswürdigster Anbieter von PSD2-Diensten ist die eigene Hausbank“

Wie beurteilen Sie die Befürchtung der Banken, die Kundenschnittstelle zu verlieren?

Das Risiko, dass Banken durch PSD2 den Kontakt zum Kunden verlieren, sehen wir so nicht. Im Gegenteil, mittelfristig werden sie wohl Mehrwertdienste anbieten müssen. Denn gerade die jüngeren Befragten im Alter zwischen 18 und 39 Jahren zeigen erhöhtes Interesse an PSD2-Diensten. Die „Generation Netflix“ ist ja den schnellen Zugriff gewohnt: Anbieter auswählen, Service anklicken und los geht’s! Und wenn die eigene Hausbank das Gewünschte nicht bietet, dann macht eben ein anderer Anbieter das Rennen. Um es ganz klar zu sagen: Wenn die Banken nicht aktiv nach neuen Geschäftsmodellen und Umsatzpotenzialen suchen, laufen sie Gefahr, dass sie zum Infrastrukturdienstleister degradiert werden. An die Kundenschnittstelle rücken dann die Tech-Giganten und Fintechs.

Was müssen Banken bei der Entstehung der neuen Ökosysteme beachten?

Kreditinstitute haben hervorragende Voraussetzungen, den Aufbau der neu entstehenden Ökosysteme zu gestalten. Gerade sie haben die Kapazitäten und Möglichkeiten, digitale Plattformen für Fintechs, Insurtechs und andere externe Partner anzubieten, Kooperationen zu ermöglichen und so die interessanten Dienstleistungen für ihre Kunden vorzuhalten. Für die erfolgreiche Umsetzung des Plattformgedankens sehen wir drei Stellschrauben: Erstens ist eine solche Kooperation keine Einbahnstraße – Drittanbieter sind daher ebenfalls in der Pflicht, Banken den Zugriff auf ihre Daten zu gewähren. Neben dem Aspekt der Gleichberechtigung braucht es auch ein gutes Partnermanagement, das etwa die Verantwortlichkeiten zwischen der Bank und den Drittparteien genau regelt. Und Drittens: Auch in der offenen Zusammenarbeit müssen strikte IT-Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um die Kunden vor möglichen neuen Bedrohungen zu schützen. Vorrangiges Ziel muss sein, die Wertschöpfung um weitere Dienste zu erweitern und so den Kunden Mehrwerte zu bieten, die diese als sinnvoll und preiswürdig erachten. So bleiben die Banken zum einen ganz nah an ihren Kunden, zum anderen heben sie mit solchen Kooperationen Cross- und Up-Selling-Potenziale. Denn die Kunden sind bereit, dafür Geld auszugeben.

Christian Bock

CRIF Bürgel

Christian Bock ist Geschäftsführer von CRIF Bürgel.

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