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Online-Banking: Von wegen Mobile First

Das Smartphone als täglicher Begleiter. Für das Online-Banking gilt diese Aussage nicht. Wie steht es um die Nutzung von Online-Banking in Deutschland? Welchen Anteil nehmen dabei der stationäre PC bzw. mobile Endgeräte ein? Und welche Konsequenzen sollten Banken aus diesen Zahlen ziehen?

Von Philipp Scherber - 27. Juli 2018

Nutzung von Online-Banking am PC bzw. mobilen Endgerät; Angaben in Prozent. Quelle: Bankenverband/GfK; Juni 2018

Der Bankenverband hat in Zusammenarbeit mit der GfK eine Studie zum Online-Banking in Deutschland herausgegeben. Einige Ergebnisse sind wenig überraschend, wie etwa der generelle Anstieg der Nutzerzahlen. Im vergangenen Jahr lag der Anteil noch bei 45 Prozent, heute gibt die Hälfte an, dass sie Online-Banking-Angebote nutzt. Auch eine altersbedingte Kluft war zu erwarten. So stehen 70 Prozent bei den unter 50-Jährigen mageren 23 Prozent bei den über 60-Jährigen gegenüber. Der stärkste Anstieg ist in der Kohorte der 40-49-Jährigen von 47 Prozent (2017) auf 69 Prozent (2018) zu verzeichnen.

Smartphonisierung? Nicht beim Banking

Viel interessanter als der „Digital Divide“ zwischen den Generationen ist die Tatsache, dass 75 Prozent der Online-Banking-Nutzer den stationären PC als Kanal nutzen und lediglich ein Viertel auf mobile Endgeräte zurückgreift. Selbst die 18-29-Jährigen, die ansonsten mehrheitlich nicht mehr auf eine tägliche Nutzung des Smartphones verzichten, bevorzugen den PC (58 Prozent). Mit zunehmenden Alter geht die Schere immer weiter auf.

Ein Hemmnis für die Nutzung von Online-Banking scheinen unter anderem Sicherheitsbedenken zu sein: Lediglich 49 Prozent halten Online-Banking für „(sehr) sicher“, 37 Prozent für „nicht so sicher“ und 15 Prozent für „überhaupt nicht sicher“. Man muss konstatieren, dass diese Bedenken der Kunden in vielen Fällen einer gewissen Logik entbehren: Menschen, die Online-Banking für unsicher halten, versenden im nächsten Moment ein Foto der EC-Karte via WhatsApp an einen Freund, damit dieser seinen Anteil an einer Restaurantrechnung überweisen kann. Aber woher kommt diese ganz offensichtlich vorhandene Schieflage in der Wahrnehmung einiger Kunden? Die Nutzer von WhatsApp, Facebook, Instagram sowie den hauseigenen Diensten von Google und Apple haben sich an die unglaublich bequeme Handhabung gewöhnt. Sicherheitsbedenken? Mitnichten. Rechte an meinen Daten an die Technologieunternehmen abtreten? Darüber empören wir uns zweimal im Jahr und nutzen sie dann weiter, weil uns diese Apps das Leben erleichtern. Eine Umfrage der Gesellschaft für deutsche Sprache und der Uni Hannover zeigt, dass 83 Prozent der 55-60-Jährigen täglich oder mehrmals pro Woche einen Messenger-Dienst nutzen. Platzhirsch ist WhatsApp. Laut Online-Studie von ARD und ZDF für 2017 schrieben 64 Prozent der Deutschen täglich oder wöchentlich Nachrichten über WhatsApp.

Banking-Apps sind besser als ihr Ruf

Doch sind die Apps der deutschen Banken tatsächlich so schlecht? Schauen wir uns dazu die Bewertungen in Googles Play Store an: Die User können hier zwischen einem und fünf Sternen vergeben. Wie sich zeigt, erreichen die Apps von Commerzbank (4,2), Deutsche Bank (4,3), Sparkassen (4,3) und DKB (4,3) respektable Werte. Sie sind damit nicht schlechter als Anbieter wie Finanzblick (4,3), Numbrs (4,4) oder Zuper (4,3), welche die mobile Kontoverwaltung mit Personal Finance Management (PFM) verbinden, oder die Digitalbanken N26 (4,4) und Fidor (4,2). Einsame Spitze ist die App von Revolut (4,8). Traurige Schlusslichter sind die VR-Banking-App (3,4) sowie die aktuelle Version der ING-DiBa (2,2). Was die sonst so innovative Direktbank geritten hat, als sie zum Relaunch eine App mit stark eingeschränkten Funktionen in den App Store lud, bleibt ihr Geheimnis. Die User sind in diesen Fällen gnadenlos. Und wie sieht es bei den digitalen Platzhirschen aus? Selbst im Vergleich mit PayPal, Amazon, Facebook und WhatsApp machen die Apps der deutschen Banken eine gute Figur; diese rangieren ebenfalls in Gefilden zwischen 4,1 und 4,4.

Den Banken sollte es ein Anliegen sein, dass die Nutzung ihrer App zur täglichen Routine wird. Denn so ergeben sich enorme Up- und Cross-Selling-Potenziale, indem passgenaue Angebote eigener Finanzprodukte und Mehrwertdienste von Partnern ausgespielt werden können. Und wenn der User sich erst daran gewöhnt hat, die Banking-App als täglichen Begleiter zu betrachten, stellt er die Nutzung nicht so schnell wieder ein. Das haben WhatsApp und Co. bewiesen. Letztlich geht es wie in vielen anderen Bereichen auch beim Online-Banking um Bildung: einerseits um Finanzbildung und andererseits um digitale Kompetenzen, die sowohl junge als auch ältere Menschen zu einem sicheren Umgang mit digitalen Finanzdienstleistungen befähigen. Die Banken sollten ihren Beitrag zu dieser Bildungsoffensive leisten.

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