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Aufwind oder Abwind für Clearstream

Von Thomas Seidel - 11. März 2011

Chancen für den Luxembourger Wertpapierabwickler bleiben vorhanden

Man erinnert sich noch. Vor einigen Jahren hatte die Deutsche Börse einmal versucht die Londoner Konkurrenzinstitution zu übernehmen. Wochenlang wurde dieser Prozess von den Medien begleitet, am Ende, nach viel Knarzen und Knarren im Gebälk, fand der Deal nicht statt. Heute, nach zwei knappen öffentlichen Auftritten, steht die Branche vor der vollendeten Tatsache, dass die Deutsche Börse als Seniorpartner mit dem New Yorker Pendant NYSE-Euronext demnächst verschmilzt. Dieser Coup war wochen- vielleicht monatelang professionell vorbereitet worden. Diesmal gab es in den Medien kein Forum für den Austausch irgendwelcher Befindlichkeiten von irgendwelchen Betroffenen. Alle Welt redet nun über die Konsequenzen für den Handel mit Wertpapieren. Aber was bedeutet diese Fusion für Clearstream? Bekanntlich ist Clearstream als voll integrierter Teil der Deutschen Börse Gruppe die Einheit in der im Nachhandelsbereich das Settlement der Geschäfte, vor allem aus Luxembourg heraus, betrieben wird. In den Unternehmensstrukturen der NYSE-Euronext sucht man eine entsprechende Einheit vergebens. Man macht dort, vor allem in Amerika, das Settlement nicht selbst. Der große Abwickler für die NYSE ist vielmehr „The Depository Trust & Clearing Corporation“ kurz DTCC. Das bedeutet, von Haus aus bringt die NYSE-Euronext keine direkte Konkurrenz zu Clearstream mit. Indirekt allerdings sieht das etwas anders aus. Seit dem Zusammengehen von NYSE mit der Euronext im April 2007 wird ein Teil der Abwicklungsmenge allerdings von Euroclear getätigt.

Traditionell pflegt die Deutsche Börse sogenannte proprietäre IT-Systeme zu betrieben, das sind durch eigene Entwicklung entstandene Technologien. Schätzungen zufolge arbeiten etwa ein Drittel aller Mitarbeiter in diesem Bereich. Man ist darum bemüht technologisch steht’s „state of the art“ zu sein. Nichts anderes gilt für Clearstream auch. In ihren öffentlichen Mitteilungen heben die beiden Fusionspartner ihre künftige gemeinsame „Position als führender Anbieter von Technologiedienstleistungen und Informationen“ und „globaler Pionier bei dem Handel nachgelagerter Infrastruktur und Abwicklung“ geradezu besonders heraus. Darüber hinaus kommen durch die Fusion nicht allein die Plätze Frankfurt und New York in einem Börsengebilde zusammen, vielmehr bringt die NYSE-Euronext auch noch das Geschäft von Amsterdam, Brüssel, Lissabon und Paris mit ein, sowie den Londoner Terminmarkt.

In jedem Fall entstehen in den unterschiedlichen Produkten, hinsichtlich der Anzahl der zusammen getätigten Geschäfte, große Volumen von Transaktionen. Auf der Basis einer zentralen technisch hoch aktuellen Geschäftsabwicklung können dann Skaleneffekte, also sinkende Stückkosten pro Transaktion, erzielt werden. Das wäre eine gute Ausgangsbasis für die neue fusionierte Börse, um mit konkurrenzfähigen Stückkosten Kunden und Geschäft einwerben zu können. Das scheint auch dringend notwendig. Erlaubt doch die europäische Wertpapierrichtlinie MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) seit November 2007 Finanzdienstleistern, in Konkurrenz zu den etablierten Börsen, Handelsplattformen zu betreiben. Das ist auch geschehen und Unternehmen mit schillernden Namen wie Tourquoise und Chi-X haben sich in bestimmten Segmenten des Wertpapierhandels, unter anderem auch mit günstigen Kostenkonditionen, bereits ordentliche Marktanteile gesichert. Deshalb dürfte Clearstream voraussichtlich ein wichtiger strategischer Faktor bei dem neuen globalen Großbörsenbetreiber bleiben und durchaus sogar Wachstumspotential besitzen.

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