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Die unaufhaltsame Schrumpfung des Investmentbanking

Von Thomas Seidel - 17. Dezember 2012

Umdenkprozesse in der Finanzbranche. Regierungen machen Finanzmarktliberalisierung rückgängig.

Die goldenen Jahre des Investmentbanking sind offensichtlich für eine lange nächste Zeit vorbei. Die letzte und immer noch andauernde Finanzkrise hat zu einem Umdenken geführt. Auch wenn die Umsetzung von Maßnahmen zäh und langsam vor sich gehen, die Auswirkungen sind jetzt schon deutlich zu erkennen. In einem interessanten Vortrag, neulich an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, zeigte der englische Publizist Martin Wolf die bisherige Entwicklung des Investmentbanking auf und gab eine Aussicht auf die künftigen Möglichkeiten dieses Geschäftszweigs.

Ausgangspunkt für die zwei Dekaden dauernde globale Herrschaft der Investmentbanker waren die großzügigen staatlichen Deregulierungen, der bis dahin eher streng reglementierten Finanzindustrie in den 1980er Jahren. Man ging davon aus, neues Wirtschaftswachstum würde vor allem aus dem Dienstleistungssektor resultieren. Besonders in Großbritannien vernachlässigte die Politik den Sektor der produzierenden Industrie, ein Umstand der sich für das Land heute bitter rächt. Die Finanzindustrie produzierte in ihrer neuen Handlungsfreiheit vor allem eins, riesige Geschäftsvolumen. Martin Wolf zitierte eine Statistik, wonach bereits in den 1990er Jahren die Britischen Banken fünfmal so viel Geschäftsvolumen verwalteten wie der Staatshaushalt des Vereinigten Königreiches groß war. Von diesem Volumen entfielen etwa dreimal soviel auf das Auslandsgeschäft verglichen mit dem inländischen Geschäftsanteil. Gerade diese hohe Auslandsquote sollte sich dann in der Finanzkrise als besonders fatal herausstellen, denn auf dessen Verlustabhängigkeit der eigenen Banken hatte keine britische Regierung einen Einfluss und man sah sich gezwungen die schwankenden Banken mittels Steuergeldern zu retten, um letztlich in dem allgemeinen Sog nicht auch noch den Rest der heimischen Wirtschaft gleich total mit zu ruinieren.

Was hier beispielhaft an der Entwicklung in Großbritannien aufgezeigt wurde, gilt Gleichmassen für den Euroraum und die USA, mit nur wenigen länderspezifischen Abweichungen. Der politisch gewollte Trend hin zum Finanz- und Dienstleistungssektor wurde noch verstärkt durch die rasche Verbreitung neuer Kommunikationsmittel wie Mobiltelefon und Internet. Beide Industrien sind aber in erheblichen Maße vom dauerhaften Konsum abhängig. Deshalb produzieren deren Hersteller in schneller Abfolge ständig neue trendige Geräte und Software. Würden die Kunden weltweit einmal nicht alle zwei Jahre neue Handys und Computer kaufen, bräche der gesamte, auf Pump basierende, Markt innerhalb von zwölf Monaten sang und klanglos in sich zusammen.

Das alles und die damit einhergehende Infrastruktur konnte nur deshalb so schnell und so weit verbreitet aufgebaut werden, weil die Finanzindustrie mit neuen, innovativen Finanzprodukten die nötigen liquiden Mittel zur Verfügung stellte. Allerdings entsprachen diese Geldmittel immer weniger tatsächlich produzierten Arbeits- und Warenwerten, als vielmehr einem sich enorm aufblasenden Kreditvolumen. Wie bei allen Krediten verkauften die neuen Finanzprodukte ein Stück ungewisse Zukunft. Folgerichtig kam es zu Spekulationsblasen, deren größte, die amerikanische Immobilienblase, dieser Entwicklung dann auch das bekannte Ende setzte.

Zunächst standen die Regierungen der betroffenen Länder dem Phänomen ratlos gegenüber und wurden Getriebene einer Entwicklung, die in ihren Staaten nur zwei Jahrzehnte zuvor angestoßen worden war. Was folgte war die politische Absicht und dann langsam Schritt für Schritt die Umsetzung einer neuen strammeren Regulierung und Beaufsichtigung des globalen Finanzwesens. Im Detail ist da zwar noch viel zu tun, aber die Finanzindustrie hat schon längst damit begonnen sich neue Betätigungsfelder zu suchen. Ein wirksames Mittel war, durch die Ankündigung strengerer Eigenkapitalvorschriften (Basel III) das Investmentbanking für die Banken immer teurer zu machen und so die Profitmargen in diesem Geschäft einzuengen. Schon zieht die internationale Gemeinschaft der Finanzleute an den nächsten Schauplatz vermeintlich satter Profitmöglichkeiten und erhofft sich diese u. a. in der Vermögensverwaltung.

Deutlich können wir heute bereits die Anzeichen eines schrumpfenden Investmentbankings erkennen. Einige Häuser wie die britische Lloyds Bank haben sich bereits von ihrem Investmentbanking getrennt. Große europäische Häuser wie die schweizerische UBS wollen diesen Geschäftszweig möglichst schnell los werden. Einem der globalen Mitspieler, der Deutschen Bank, wurde unlängst öffentlich von Analysten geraten sich ebenfalls vom Investmentbanking zu trennen. Andere werden schnell folgen. Allenthalben werden die staatlichen Aufseher die Daumenschrauben immer weiter anziehen und zumindest versuchen dem Geschäftsgebaren der Finanzindustrie besser als zuvor mit Sachverstand begegnen zu können. Das alles heißt aber nicht, dass in Zukunft weitere Finanzkrisen auszuschließen sind. Generell gilt, auch weiterhin werden sich immer dort Spekulationsblasen bilden, wo das Kreditvolumen den tatsächlich erwirtschafteten Werten immer weiter voraus eilt. Das ist aber eine Kennzahl, die man eigentlich leicht wahrnehmen könnte, wenn man sie denn wahrnehmen wollte. Zeit genug gegenzusteuern wäre dann allemal.

Foto von Scott Hirko – www.istockphoto.de

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