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Bankorganisation

Geht es auch ein bisschen schlanker?

Nicht erst seit Big Analytics wissen wir, dass alles zunächst einmal einen Platz haben muss, damit man es auswerten kann – ein Appell für eine fachliche Unternehmensarchitektur.

Von Barbara Laimer - 03. August 2017

Die Grafik zeigt den Aufbau der Unternehmensarchitektur flankiert durch Security und Governance.

Betrachtet man die schier endlosen organisatorischen Anforderungen an Banken, fallen vor allem die Vielzahl der Themen und die enge Verschränkung der Arbeitsgebiete auf. Schnelle Änderungen der Prozesse, verstärkte Regulatorik, fortschreitende Digitalisierung, erweitertes Risk-Management, gesteigerte Anforderungen an Datenqualität und agile Softwareentwicklung sind nur einige davon. All diese Themen generieren oder verlangen ähnliche aber nicht gleiche Informationen. Sie hängen zusammen, ohne eindeutig einer Disziplin zugeordnet zu sein. Einzeln betrachtet bergen sie Potential für unendliches Chaos bzw. unendlichen Abstimmungsaufwand.

Um das zu vermeiden, sind einheitliche Konzepte vonnöten, die eine klare Strukturierung aller Anforderungen ermöglichen. EAM-Strukturen sind für einen Bankbetrieb zu starr, auf Kollaboration basierende Modelle zu gewagt. Im Raiffeisenverband Salzburg (RVS), der Landesbank der Salzburger Raiffeisenbanken und im Salzburger Lagerhaus/Raiffeisen Warenbetriebe hat man den Ansatz einer fachlichen Unternehmensarchitektur gewählt, um die unterschiedlichen Sichtweisen zu integrieren. Dazu wird der EAM-Ansatz mit seinen vier Ebenen (Technologien, Applikationen, Daten und Prozesse) um die Sicht der Bank- bzw. Ware-Funktionen erweitert und durch Security und Governance flankiert.

Durch die unternehmensstrategische und fachliche Brille betrachtet, erlaubt die Sicht auf die Bankfunktionen einen schnellen und klaren Überblick, welche Funktionen unternehmens- bzw. erfolgskritisch und welche weniger relevant sind. Zugleich kann die organisatorisch/technische Abdeckung im IST dargestellt werden. Die Zukunftsinitiativen und ihre Auswirkungen sind ebenfalls schnell ersichtlich. Zudem bietet sie die perfekte Basis für Investitionsplanung, Ausbildungsanforderungen und Diskussionen mit Outsourcing-Partnern.

Die Prozess-Sicht nimmt die Funktionen auf und zeigt IST- und SOLL-Prozesse. Dabei werden Fragen rund um OpRisk (Risiko des Prozesses), Internes Kontrollsystem mit operativen und Wirksamkeitskontrollen sowie Personalbedarfsplanung, Kapazitätsmanagement und Dokumentenmanagement geklärt sowie Projekte, agile Entwicklungen und Change Management unterstützt. Die Datensicht – noch einmal unterteilt in fachliche und technische Sicht – strukturiert sich fachlich danach, in welchen Prozessen und Bankfunktionen Daten generiert, genutzt, verändert und gelöscht werden. Nicht nur die Erfüllung von BCBS 239 und der neuen DSGVO, sondern vor allem die Basis für Datenqualitätsmanagement und Big Analytics sind hier zu Hause.

Die technische Datensicht verbindet die fachliche mit der Applikationswelt. Da in der vernetzten, gewachsenen Bank-IT selten eine klare Abgrenzung von IT-Produkten vorhanden ist, steht die agile Softwareentwicklung vor der zusätzlichen Herausforderung, dass gleichzeitig zur Abdeckung der neuen Anforderungen die eindeutige Trennung der zugrunde liegenden Software ermöglicht werden muss. Dabei leistet die Technologie-Sicht wertvolle Beiträge, weil auch hier die Grenzen und Möglichkeiten technischer Neuerungen im Gesamtkontext eines Hauses aufgezeigt werden können.

Im Zusammenspiel erlaubt die fachliche Unternehmensarchitektur schnelle Aussagen, etwa zum Business Contingency und Continuity Management, Change Management und zur Einbeziehung von Stakeholdern sowie zur Auswirkung von scheinbar „kleinen“ technischen Änderungen auf strategische Initiativen. Flankierend regelt die Governance das Zusammenspiel von Prozess- und Data Ownern, strategischen Gremien und Product Ownern. Die Security-Anforderungen über alle Ebenen des Unternehmens runden das Gesamtbild ab.

Durch die starke Integration der Modelle der Unternehmensarchitektur, in unserem Fall weitestgehend in der Software Adonis, kann der RVS viele Informationen aus den jeweils über- oder untergeordneten Ebenen übernehmen und somit Dokumentationsaufwand sparen. Abhängigkeiten und Wechselwirkungen werden schnell und einfach sichtbar. Durch einen Konnex der jeweils vorhandenen Daten kann eine große Bandbreite an ansonsten aufwändigen Analysen fast automatisch generiert werden. Insgesamt kann der administrative Overhead auf ein Minimum reduziert und durch integrierte Information ersetzt werden.

Die Autoren:

Michael Baldauf hat 25 Jahre Erfahrung in Banken und internationalen Beratungshäusern, unter anderem als Leiter einer Delivery-Einheit mit 190 Banken-Fachberatern. Im Raiffeisenverband Salzburg ist er für die Umsetzung der Strategie und das Change Management verantwortlich und hat die Zulassung zur Führung einer Bank in Österreich.

Barbara Laimer ist die Leiterin der beiden Einheiten Prozessmanagement und Organisationsberatung im Raiffeisenverband Salzburg. Ihr Schwerpunkt ist Prozessoptimierung, Change- und Projekt-Management. Sie vertritt Salzburg in den landesweiten Prozess-Expertenteams und lehrt an der FH Salzburg in diversen Fächern.

 

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