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Nachhaltigkeit ist unser Kerngeschäft und nicht nur ein Randbereich

Von Thorsten Hahn - 03. September 2010

BANKINGNEWS im Interview mit Georg Schürmann, einem der beiden Geschäftsleiter der Triodos Bank.

Nachhaltigkeit ist derzeit in aller Munde. Die Triodos Bank arbeitet schon seit 1980 mit diesem Begriff. Wie genau definieren Sie „nachhaltig“?
Unter Nachhaltigkeit verstehen wir die Balance von Mensch, Umwelt und Wirtschaft. Als Nachhaltigkeitsbank finanzieren wir daher nur Unternehmen, Institutionen und Projekte, die sich dem Wohl von Mensch und Umwelt verschrieben haben und hierfür wirtschaften. So vergeben wir beispielsweise Kredite im Bereich Erneuerbare Energien, Gesundheitswesen, Bildung, Ökolandbau sowie Kunst und Kultur. Auf der anderen Seite haben wir auch eine klare Meinung dazu, was nicht nachhaltig ist, und machen diese auch öffentlich: in einer sogenannten „Negativliste“, die auf unserer Website zu finden ist, benennen wir Sektoren und Verhaltensweisen von Unternehmen, die wir nicht finanzieren bzw. akzeptieren: z.B. Rüstung, Atomenergie, Pornographie, Tabak, Arbeiter- und Menschenrechtsverletzungen, Verletzung von Umweltgesetzen und –standards. Wie unterscheidet sich demnach Ihr Geschäftsmodell von dem der Banken und Sparkassen?
Unser Geschäftsmodell ist 100 Prozent auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Nachhaltigkeit ist unser Kerngeschäft und nicht nur ein Randbereich, wie bei einigen traditionellen Banken und Sparkassen, die – immerhin – mittlerweile den ein oder anderen nachhaltigen Fonds anbieten. Bei uns fließen die Kundeneinlagen nur in Kredite, die unsere Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Gleiches gilt für das verwaltete Fondsvermögen. Unser Vorgehen hierbei machen wir auch ganz transparent. Als Kunde der Triodos Bank kann man auf unserer Website genau sehen, an welche Unternehmen, Institutionen oder Projekte Kredite vergeben werden bzw. unsere Fonds investieren. Diese Transparenz zeigen bisher nur die Nachhaltigkeitsbanken. Desweiteren betreiben wir als Bank keinen Eigenhandel oder Investmentbanking, sondern fokussieren uns rein auf das klassische Bankgeschäft.
Zudem achten wir als Organisation auch auf Nachhaltigkeit bei unserer Beschaffung und dem Thema Mobilität sowie generell bei dem Umgang mit unseren Mitarbeitern. Das, was wir nach außen darstellen, leben wir auch nach innen.

In den vergangenen Monaten haben alternative Banken einen starken Kundenzulauf verzeichnet und damit von der Finanzkrise profitiert. Ist das Ihrer Einschätzung nach ein kurzfristiger Hype oder ein langfristiger Trend?
Die Nachhaltigkeitsbanken zeigen bereits seit Längerem durchschnittliche Wachstumszahlen von 20-25%. Der Trend zur Nachhaltigkeit, den wir bei Biolebensmitteln und Ökostrom bereits seit ein paar Jahren sehen und der sich immer mehr verstärkt, überträgt sich nun auch auf das Thema Geldanlage. Das Beratungsunternehmen zeb schätzt, dass zehn bis 12 Millionen Menschen sich in den nächsten Jahren für nachhaltiges Banking entscheiden werden. Aktuell sind es in Deutschland noch keine 200.000 Menschen, die bei einer Nachhaltigkeitsbank sind. Das zukünftige Wachstumspotenzial ist entsprechend groß.
Wir wissen, dass wir unseren Lebensstil nachhaltiger gestalten müssen – das ist keine Phase, sondern die Zukunft. Nachhaltigkeitsbanken sind daher auch kein kurzzeitiges Phänomen, sondern werden zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Gerade ist die noa bank von der BaFin geschlossen worden. Das Konzept war, ähnlich wie bei Ihnen, den Kunden ganz transparent zu zeigen in welche Projekte das angelegte Kapital investiert wird. Was macht Ihr Geschäftsmodell so stabil?
Wir sind die deutsche Niederlassung von Europas führender Nachhaltigkeitsbank. Die Triodos Bank ist seit 30 Jahren im nachhaltigen Banking aktiv und damit einer der Pioniere auf diesem Gebiet. Mittlerweile hat die Triodos Bank europaweit ca. 260.000 Kunden und verwaltet ein Gesamtvermögen von mehr als fünf Milliarden Euro. Zudem hat die Triodos Bank eine sehr starke Eigenkapitalbasis und wir haben in den letzten 12 Monaten zwei sehr erfolgreiche Kapitalerhöhungen durchgeführt. Wir haben damit sowohl die richtige Erfahrung als auch die richtige wirtschaftliche Basis, um erfolgreich zu sein. Ein direkter Vergleich mit der noa bank ist daher nicht möglich. Zudem war die noa bank keine reine Nachhaltigkeitsbank, da sie auch eine regionale Strategie ähnlich der Sparkassen und Volksbanken verfolgt hat, für die keine nachhaltigen Kriterien galten. In Deutschland gab und gibt es damit weiterhin vier Nachhaltigkeitsbanken: die GLS Bank, die Umweltbank, die Ethikbank und die Triodos Bank.

Im März 2009 hat die Triodos Bank zusammen mit weiteren Partnern die Global Alliance for Banking on Values mitbegründet. Was genau verbirgt sich dahinter?
Die Global Alliance for Banking on Values ist ein Zusammenschluss der weltweit führenden Nachhaltigkeitsbanken, darunter auch einige Mikrofinanzinstitute. Ziel des internationalen Bündnisses ist die gemeinsame Entwicklung einer sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltigen und erfolgreicheren Alternative zum bisherigen, krisenbehafteten globalen Finanzmarktsystem zu schaffen. Peter Blom, CEO der Triodos Bank, ist Vorsitzender der Global Alliance for Banking on Values. Im März 2010 hat sich die Global Alliance for Banking on Values das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2020 das Leben von einer Milliarde Menschen positiv zu beeinflussen.

Herzlichen Dank für das Interview, Herr Schürmann!

© Foto by Triodos Bank – www.triodos.de

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