Bitte melden Sie sich an

Registrieren Sie Sich als Premium-Mitglied, um Vorträge herunterzuladen.

  • 100% Rabatt auf alle Club-Events und Kongresse
  • Download der Vortragsunterlagen aller Veranstaltungen
  • Zugriff auf Fotogalerie aller Veranstaltungen
Sie sind noch kein Mitglied?

Dann registrieren Sie sich jetzt:

Jetzt Mitglied werden
Sie sind bereits Mitglied oder waren Teilnehmer?

Bitte loggen Sie sich ein:

Jetzt einloggen
Jetzt Mitglied werden

Prozessmanagement: „Unternehmen brauchen die richtige Kultur“

Der Name comdirect steht für Innovation. Das Unternehmen betreibt eine Startup-Garage für Gründer im Finanzbereich, kooperiert mit FinTechs bei der Entwicklung einer Foto-App für IBAN-Überweisungen und möchte im gleichnamigen Blog die Bank neu denken. Auch intern ist die Direktbank innovativ und setzt auf eine prozessorientierte Wissensfabrik für die operativen Einheiten. Wie genau das in der Praxis aussieht, erklärt Reni Strecker, verantwortlich für die BPM-Software Adonis.

Von Philipp Scherber - 07. April 2016

BANKINGNEWS: Frau Strecker, was zeichnet eine erfolgreiche Bank-Organisation aus?

Reni Strecker: Wir machen sehr gute Erfahrungen mit einem prozessorientiert aufgebauten Unternehmenshandbuch. Jeder Mitarbeiter kann im Intranet auf die Schriftlich fixierte Ordnung (SfO) zugreifen und sich über alle gültigen Anweisungen informieren. Das ermöglicht den Fachbereichen, sich selbst zu organisieren und Prozessänderungen aktiv mit allen Beteiligten abzustimmen.

Sie haben keine zentrale Steuerungseinheit dafür?

Eine eigenständige Abteilung Bank-Organisation gibt es bei uns tatsächlich nicht. Unsere Aufgabe besteht darin, das methodische Know-how im Unternehmen zu verankern und Kollegen aus den Fachbereichen gezielt zu schulen. Unternehmensweit verfügen wir inzwischen über 80-100 aktive Prozessmodellierer. Unser Grundsatz lautet: Zentrale Methodik, dezentrale Verantwortung. Die Kernfunktion meiner Abteilung besteht im Dokumentationsmanagement.

Wie gehen funktionale Aufbauorganisation und prozessorientierte Abläufe zusammen?

Entscheidend sind eine prozessorientierte Kultur im Unternehmen und eine aktive Kommunikation der sich ergebenen Vorteile. Dazu gehört vor allem Transparenz: Der prozessorientierte SfO-Aufbau legt sämtliche Schnittstellen offen. Das versetzt die Fachbereiche in die Lage, erforderliche Abstimmungsbedarfe selbst zu ermitteln. Sind die Prozesse fertigmodelliert und von den Prozesseigentümern fachlich geprüft, erfolgt die Veröffentlichung.

Bitte geben Sie uns doch mal ein praktisches Beispiel.

Stellen Sie sich die Einführung eines neuen Produkts vor. Ein Prozessmodellierer des federführenden Fachbereichs identifiziert die Schnittstellen zu anderen Bereichen, holt erforderliche Informationen ein und erstellt den Prozess. Anschließend folgt die technische Prüfung. Das umfasst die Freigabe der fachlich verantwortlichen Prozesseigentümer und eine zusätzliche Qualitätssicherung, bei der wir Kontrolltester, Interne Revision und auch das Risikomanagement einbeziehen.

Das Risikomanagement ist bei jeder Prozessentwicklung eingebunden?

Ja, das ist notwendig, da zum prozessualen Verständnis auch die Einsicht gehört, dass Prozessversagen mit einem operativen Schaden verbunden sein kann. Entsprechend bewerten wir die Risiken von Einzelprozessen, um zu einer Gesamtaussage kommen zu können. Dieses Vorgehen erleichtert uns auch den Umgang mit der aufsichtsrechtlich geforderten Plausibilisierung über die Wirksamkeit von internen Kontrollen.

„Ein modernes, vollelektronisches Anweisungswesen“

Wann haben Sie auf das prozessorientierte Organisationshandbuch umgestellt?

Das war ein zweistufiger Vorgang. 2005 haben wir Adonis eingeführt und zunächst das gesamte Anweisungswesen in einer zentralen Bibliothek konsolidiert. Wenn Sie so wollen, war das der Übergang von Excel-Tabellen und Word-Dokumenten zu einem modernen, vollelektronischen Anweisungswesen. Die Entscheidung brachte das Jahr 2009, als der Gesetzgeber das Bilanzrecht modernisiert hat. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass wir in der Lage sein müssen, jederzeit mögliche Auswirkungen regulatorischer Maßnahmen in unserer Prozesslandschaft zu wiegen und zu messen.

Bei einem Institut Ihrer Größe sicher keine leichte Aufgabe.

Insgesamt haben wir bislang rund 1.500 Prozesse in die heutige Form gebracht und mit Adonis nach- oder neumodelliert. Damit haben wir den methodischen Kulturwandel angestoßen und mit der Unterstützung des Managements diesen zu einem unternehmensweiten Prozessverständnis ausgebaut.

„Der Vorteil: aktive Vernetzung“

Hat das reibungslos geklappt?

Wie bei allen Veränderungsprozessen zahlt sich aus, allen Beteiligten den konkreten Mehrwert für das Unternehmen und die Fachbereiche zu erläutern. Der Nutzen in diesem Fall: aktive Vernetzung. Prozesse, IT und Fachbereiche sind inzwischen so eng miteinander verwoben, dass ein bereichsübergreifender Blick auf die Dinge unumgänglich ist. Denken Sie allein an das „Channel-Hopping“, bevor Kunden ein Bankprodukt tatsächlich erwerben. Kontaktkanäle unterscheiden sich etwa bei Komplexität und technisch erforderlicher Unterstützung. Das Denken in Prozessen und eine SfO-Software, die diese Zusammenhänge grafisch darstellt, erleichtert den Kollegen, sich im Unternehmen zu vernetzen, schnell die richtigen Ansprechpartner zu finden und so Veränderungen zielgerichtet anzutreiben.
Nutzen Sie auch analytische Funktionen von Adonis?

Natürlich nutzen wir die gewonnenen Erkenntnisse für Analysen und das Aufspüren von Optimierungspotenzialen. Die grafische Darstellung von Abhängigkeiten und Prozessfolgen erlaubt dabei eine besonders einfache Strategie: Abkürzungen finden und Umwege vermeiden. Wir leben einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess und motivieren die Fachbereiche, sich daran zu beteiligen, falls dort Optimierungsmöglichkeiten ins Auge springen.

Unterstützen Sie die Kollegen auch beim Ausformulieren der Anweisungen?

Selbstverständlich unterstützen wir die Kollegen, auch wenn es sich vornehmlich um Linienaufgaben handelt, Richtliniendokumente zu erstellen und Anweisungen zu verfassen. Dafür zeichnen Prozesseigentümer verantwortlich, die auch für die fachliche Korrektheit der Abläufe geradestehen. Kundennahe Prozesse erfordern beispielsweise eine andere Detailtiefe als weniger standardisierte Vorgehensweisen. Nach unserer Erfahrung kann die Bewertung über das erforderliche Maß nur aus den Fachbereichen selbst stammen.

Gibt es so etwas wie Mindestanforderungen an das Anweisungswesen?

Unsere Idealvorstellung geht davon aus, dass fachkundige Kollegen mit Hilfe der SfO die Aufgaben an ihrem Arbeitsplatz erfüllen können. Aber verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Das ist ein Qualitätsanspruch und kein Handlungsersatz. Neue Kollegen werden nicht mit einem Link zum Portal alleingelassen, sondern bekommen eine persönliche Einarbeitung im Team.

Wie gewährleisten Sie eigentlich die Prozessaktualität ohne zentrale Kontrolle?

Jeder Prozess durchläuft nach 18 Monaten eine Aktualisierung. Prozessverantwortliche bekommen die zur Überprüfung anstehenden Prozesse automatisch vorgelegt. So halten wir die SfO auf dem Laufenden, ohne in die Prozesshoheit der Fachabteilungen hineinzuregieren.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Bank-Organisatoren immer häufiger auch ins Projektmanagement einsteigen. Machen Sie das auch?

Unsere Projektleiter stammen entweder aus den Fachabteilungen selbst oder aus der Consulting-Einheit. Unterstützt werden sie je nach Anforderungen von Kollegen aus unterschiedlichen Fachbereichen. Wir kommen ins Spiel, sobald neue Prozesse als Ergebnis eines Projekts feststehen und in die SfO aufgenommen werden sollen.

Die von Procedera Consult und Steinbeis-Hochschule Berlin vorgelegte Studie über „Aufgaben und Wandel von Organisationsabteilungen“ fasst die Ergebnisse von Interviews mit Entscheidern in Regionalbanken zusammen. Nur eins der 30 befragten Institute verzichtet auf eine eigenständige Bank-Organisation. Das Modell der Comdirect eines zentralen Dokumentationsmanagements und Prozessverantwortlichkeit ausschließlich in den Fachbereichen findet sich bei keiner dieser Banken wieder. Die Studie kostenfrei anfordern: office@procedera.de

Reni Strecker ist seit 2015 Prozessdokumentationsmanagerin bei comdirect und treibt vor allem die Themen Methodik und Software voran. Die gelernte Bürokauffrau gewährleistet zusammen mit ihrem Team die einheitliche Modellierung und Pflege von Prozessen innerhalb der Bank und fungiert als Ansprechpartnerin für die Prozessmanagement-Software Adonis.
Bildnachweis (Teaserbild auf Startseite): Greyfebruary via istockphoto.de

Lesen Sie auch

Mehrwert in digitaler Form erlebbar machen

Wie die Volksbank Allgäu-Oberschwaben, kurz: Vbao, die Mitbestimmung[…]

Sabrina Heine

„Die Hauptvorteile sehen wir in der Agilität“

Michael Girg, Chief Cloud Officer bei der Deutschen[…]

Thomas Friedenberger

Bancassurance: Zusammenbringen, was zusammengehören kann

Bancassurance – es ist nicht der erste Versuch,[…]

Thorsten Hahn

Kommt die Superbank?

Die Idee wird seit Jahren diskutiert: eine einzige[…]

Thorsten Hahn

„Wie eine Operation am offenen Herzen“

Ein Gespräch mit Dr. Martin Straaten, Sprecher der[…]

Thorsten Hahn

„Es besteht die Gefahr, dass Banken ihre Beziehung zum Kunden verlieren“

Ein Gespräch mit Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Bundesbank,[…]

Thomas Friedenberger
Sven Siering auf der Bühne von INNOVATIONSforBANKS 2019 in Köln.

Change your running system!

Manch etabliertes Unternehmen tut sich schwer, die Digitale[…]

Sven Siering

Von Casablanca nach Schanghai

Die marokkanische BMCE Bank hat ihre erste Niederlassung[…]

Philipp Scherber

BANKINGCLUB-Radar: Die Organisation in digitalen Zeiten

Erstaunliche Ergebnisse im ersten BANKINGCLUB-Radar: Obwohl viele Banken[…]

Redaktion

Die DNA des Erfolgs

Die Sparkassen denken aktuell über eine eigene Direktbank[…]

Redaktion

Aus purer Verzweiflung

Deutsche Commerz? Ernsthaft?

Thorsten Hahn

Risiken und Prozesse digital integriert

Ein Praxisbericht zur Prozessdokumentation unter Einbeziehung operationeller Risiken[…]

Karl Hartinger
Dr. Alexander Bethke-Jaenicke, Gründer und geschäftsführender Partner von Horn & Company

Data Analytics: „Andere Branchen sind deutlich weiter“

Die Industrialisierung von Prozessen steht weit oben auf[…]

Philipp Scherber

Banca Carige wird zwangsverwaltet

Neues Jahr, neue Führung, neues Glück? Nach dem[…]

Tobias Schenkel

Wenn Digitalisierung einfach intelligent ist

Zukunftsweisend, papierlos, nachhaltig – diese Aspekte fehlten bis[…]

Siegfried Fichtler

Was Banken von Spotify lernen können

Agile, schnelle Entscheidungen von Teams, in denen flache[…]

Tobias Schenkel

Das Ziel

Autoren: Eliyahu M. Goldratt (Verfasser), Dwight Jon Zimmerman[…]

Daniel Fernandez

Vabanque-Spiel

Die Deutsche Bank holt die Beratungstruppe Cerberus Operations[…]

Thorsten Hahn

Rezension: Digital Work Design

Der Begriff der „Digitalisierung“ ist heutzutage nicht mehr[…]

Dalia El Gowhary

Agiles Projektmanagement in Banken – eine Utopie?

In der Bankenwelt greift seit einigen Jahren mehr[…]

Christoph Lütchens

Künstliche Intelligenz als Use Case Factory: vom Management operativer Risiken lernen

Viele Herausforderungen der Gesamtbanksteuerung sind noch nicht gelöst.[…]

Lars Holzgraefe

Waidmannsheil

In einem Brief appellierte der neue Deutsche-Bank-Chef jüngst[…]

Thorsten Hahn

German Dream in der Deutschen Bank

Ein Ende zieht auch immer einen neuen Anfang[…]

Christian Grosshardt

Von Säulen, Telefonzellen und Dinosauriern

Bis zum Jahr 2030 soll es in Deutschland[…]

Christian Grosshardt

Mit „Systemischem Projektmanagement“ sicher durch den Sturm navigieren

„Was hat der Mars mit dem Berliner Flughafen[…]

Kurt-Walter Langer

Inhouse Consulting – der kleine Unterschied

Viele Banken beschäftigen externe Unternehmensberater. In der Commerzbank[…]

Andrea Dreyer

Bänkchen, wechsel dich

Von Banken werden agile Methoden und Transformation gefordert,[…]

Thorsten Hahn

Fehler sind erlaubt – ein Scheitern nicht

Nachbericht zum Fachkongress "Zukunft der Bankorganisation" am 20.[…]

Philipp Scherber

Wie die KfW Bankengruppe die interne Kommunikation auf Dialog ausrichtet

Seit drei Jahren setzt die KfW Bankengruppe auf[…]

Christian Chua

BANK VISIT 2017 – US-Orden für Verdienste im Finanzumfeld

„For the fifth time“ – am 10. August[…]

Markus Müller

Digitale Kollaboration im Social Intranet

Die Sparda-Bank West macht sich fit für die[…]

Heike Szary-Bogdon

Die Prozesslandkarte der BayernLB

Die in der Bankbranche weit verbreitete aufbauorganisatorische Sicht[…]

Sven Trautner

Kommentieren, empfehlen, bloggen – Social Business macht’s möglich

Qualitativ hochwertiger Austausch und schlanke Prozesse sind kein[…]

Alex Bering

Geht es auch ein bisschen schlanker?

Nicht erst seit Big Analytics wissen wir, dass[…]

Barbara Laimer

Die MaRisk sind nicht alles

Vorschriften einzuhalten, ist keine Strategie!

Claudia Meier

Disruption trifft Tradition. Nicht.

Vom 5. Bis 6. April war Berlin Magnet[…]

Thorsten Hahn

„Banken wollen mehr Prozesse auslagern“

68 Prozent der deutschen Banken planen teilweise in[…]

Redaktion
Bank für Gemeinwohl

Geld mit Sinn: Die Bank für Gemeinwohl

Einen Wandel der Finanzlandschaft hin zum ethischen Banking[…]

Frederik Schorr

Banking unter sich wandelnden Wettbewerbsbedingungen

Egal, ob Privat-, Genossenschaftsbank oder Sparkasse – sowohl[…]

Jochen Ramakers

Revolution oder Evolution?

Bitcoin und Kryptowährungen sind eine Revolution des Geldwesens.[…]

Christoph Mann

Kreativität sticht Komplexität

Auf dem Weg zu Corporate Creativity.

Claudia Meier
Deutsche Bank Strategie

Über die Rückkehr zur Strategie

Im Jahr 1870 wurde die Deutsche Bank in[…]

Thorsten Hahn

Prozesskultur für Banken: Organisationen sich selbst verändern lassen

Studien belegen: Prozessmanagement erzeugt Widerstände, viele Mitarbeiter bekommen[…]

Florian Hutter

„Weichen neu gestellt“ – GLS Bank zieht positive Bilanz

Wesentliche Entwicklungsschritte verzeichnete die GLS Bank für das[…]

Christian Grosshardt

Die Großprojekte kommen

Banken dürfen sich nicht verstolpern.

Claudia Meier

Erfolgreiche Digitalisierung erfordert neue Prozessmanagement-Ansätze

Meist wird das Thema Geschäftsprozessmanagement vor allem mit[…]

Thomas Allweyer

Mit Multi-Projektmanagement Risiken minimieren

In vielen Branchen ist es State-of-the-art, in anderen[…]

Norman Frischmuth

Studie: Banken wünschen sich mehr Veränderungskompetenz

Vom Schlagwort zum Programm: 62 Prozent der Fach-[…]

Ralf Heydebreck

Brexit: Großbanken wollen Mitarbeiter aus London abziehen

Die Brexit-Pläne der britischen Regierung könnten Großbanken mit[…]

Daniel Fernandez

„Investmentprozess à la nextgen“

Rund 3.100 Privatstiftungen in Österreich verfügen über ein[…]

Manfred Wieland