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Börse & Märkte

Aktien mit wenig Potenzial, Anleihen mit erheblichen Risiken

Das Börsenjahr 2016 wurde vor allem von den Sorgen um das chinesische Wachstum, den unerwartet stark fallenden Ölpreisen, den Sitzungen der EZB und der US-Notenbank Fed, dem Brexit-Votum sowie den US-Präsidentschaftswahlen geprägt. Die entscheidenden Impulse resultierten aus Entscheidungen der Notenbanken, der OPEC, der chinesischen Regierung sowie Volksabstimmungen und Wahlen. Vor diesem Hintergrund waren klassische fundamentale Faktoren wie etwa die Unternehmensgewinne, Frühindikatoren, BIP-Wachstumsraten etc. kaum mehr als Randnotizen. Die (Geld-)Politik bestimmte das Geschehen.

Von Carsten Mumm - 19. Dezember 2016

Das Marktjahr 2016 wurde in besonderem Maße von politischen Entscheidungen beeinflusst. Eine der richtungsweisenden war die Senkung des Leitzinses durch die EZB. Bildnachweis: iStock.com/ollo

Wie wird es 2017 weitergehen? Kaum anders… Politische Institutionen werden erneut entscheidende Weichen stellen. Besondere Aufmerksamkeit gilt weiterhin den geldpolitischen Aktionen der global bedeutenden Notenbanken – neben der EZB und der Fed insbesondere auch der Bank of Japan (BoJ) und der Bank of England (BoE). Stichwort Großbritannien: Die Verhandlungen zur Umsetzung des Brexit-Votums dürften für einige Schwankungen bei Währungen und Aktien sorgen. Des Weiteren wird Donald Trump sein Amt als 45. US-Präsident antreten und mit Sicherheit die Kurse bewegen. Hinzu kommen die anstehenden Wahlen in Frankreich und Deutschland mit entscheidender Bedeutung auch für Europa. Und dann sind da auch noch die uns schon seit Jahren begleitenden Dauerthemen der Euroland-Staatsschuldenkrise, der politischen Auseinandersetzung mit Russland und de erstarkenden Populismus in vielen Staaten der Welt. Untermalt wird dieses Bild von einem nur moderaten globalen Wirtschaftswachstum.

Vor diesem Hintergrund sind die Aussichten für die Kapitalmärkte nur verhalten. An den Börsen dürften deutsche und europäische Aktien noch am ehesten von der weiter extrem expansiven Ausrichtung der EZB und den daraus resultierenden Niedrigzinsen profitieren. Zudem wird das weiter steigende US-Zinsniveau für eine Abschwächung des Euro im Vergleich zum US-Dollar sorgen, wodurch exportorientierte europäische Unternehmen Anschub bekommen. Im Umkehrschluss werden US-Unternehmen dadurch belastet.

Besonders spannend ist die Frage, wie die ersten Monate unter dem neuen US-Präsidenten von der Börse interpretiert werden. Den Chancen sinkender Unternehmenssteuern und steigender Infrastrukturausgaben stehen die Risiken eines zunehmenden Protektionismus und einer allgemeinen politischen Unsicherheit aufgrund der bekannten Trump’schen Unberechenbarkeit gegenüber. Deswegen und aufgrund der relativ hohen Bewertungen der US-Aktien messen wir diesem Segment kaum Kurssteigerungspotenzial zu.

Notenbanken im Blick – Was tun, wenn die Inflation zurückkommt?

In den vergangenen Wochen wurden weder von der Fed noch von der EZB Leitzinsänderungen beschlossen. Für viele überraschend gab es bisher auch noch keine Antwort auf die Frage, ob, und wenn ja, in welcher Weise die EZB das noch bis März 2017 laufende Wertpapierkaufprogramm verlängern wird. Mit einer abrupten Beendigung der Ankäufe ist indes nicht zu rechnen. Schließlich sind die drei Hauptargumente für die extrem expansive Geldpolitik der EZB – die Gefahr einer Deflation, das schwache Wirtschaftswachstum in der Eurozone sowie die anhaltend hohe Staatsverschuldung der Eurostaaten – noch immer akut. Somit ist bei Bundesanleihen mit kurzen Laufzeiten auch weiterhin kein Ende der Negativzinsphase absehbar. Bei längeren Laufzeiten hingegen stiegen die Zinsen seit Ende September von minus 0,15 Prozent p.a. auf über plus 0,30 Prozent p.a. (10-jährige Bundesanleihe) an. Die absolute Rendite hat sich damit zwar nur wenig verändert. Die Auswirkung dieser Zinsbewegung auf bestehende Anleiheportfolios war jedoch deutlich spürbar. Bekanntlich passen sich die Renditen von Anleihen durch Kursgewinne oder Verluste dem jeweiligen Zinsniveau an, wenn die Marktzinsen schwanken. Steigende Zinsen haben sinkende Kurse zur Folge. In Nullzinszeiten können diese Kursverluste dabei kaum von laufenden Zinserträgen abgemildert werden.

Ursächlich für den Zinsanstieg waren überraschend hohe Inflationsraten in Deutschland im September (0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat) und Oktober (0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat). Preisniveausteigernd wirkten sich vor allem die erhöhten Energiekosten im Zuge eines anziehenden Ölpreises aus. Selbst bei stagnierenden Rohölnotierungen sorgt der Vorjahresvergleich noch bis April 2017 für höhere Inflationsraten. Zusätzlich preistreibend würde ein schwächerer Euro über teurere Importe wirken. Gegen eine darüber hinaus weiter steigende Inflation spricht zwar grundsätzlich die nach wie vor fehlende Dynamik bei der Kreditvergabe in Deutschland und Europa. Sollten die gestiegenen Inflationsraten jedoch für allgemein höhere Inflationserwartungen sorgen und in diesem Zuge auch Löhne und Produzentenpreise anziehen, wären weiter steigende Zinsen wahrscheinlich. Um die wirtschaftliche Erholung nicht zu gefährden und keine neue Staatsschuldenkrise zu provozieren, ist sogar davon auszugehen, dass die EZB ein temporäres Überschießen der Inflation über ihren Zielbereich von nahe bei aber unter zwei Prozent hinaus tolerieren würde. Ob diese Zweitrundeneffekte tatsächlich entstehen, kann heute jedoch noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden.

Liquidität ist bei Nullzinsen und steigender Inflation keine Option

Daher sollten Anleiheinvestoren in den kommenden Monaten besonders die Entwicklung der Inflation beobachten. Wenn die langfristigen Zinsen weiter ansteigen sollten, wären empfindliche Verluste die Folge. Diese lassen sich nur durch ein wirkungsvolles Risikomanagement vermeiden. Zudem bieten sich als zusätzliche Sicherung Investments in inflationsindexierten Anleihen an. Generell kommt einer breiten Risikostreuung über verschiedene Anlageklassen eine große Bedeutung zu. Dabei sollten neben Aktien und Anleihen auch Rohstoffe und alternative Investments eine Rolle spielen. Wichtig ist, diese aktiv zu managen, um unerwünschten Entwicklungen rechtzeitig entgegenwirken zu können.

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