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Börse & Märkte

Deutsche Unternehmen überweisen 47 Milliarden Euro an Aktionäre

Der Blick auf die Kontoauszüge lässt viele Aktionäre dieser Tage wieder aufatmen, denn die ersten großen DAX-Konzerne haben den Ausschüttungsreigen 2018 eröffnet. Rund um den Globus befindet sich die Konjunktur im Aufwind. Daher verwundert es nicht, dass Investoren in diesem Jahr eine Rekorddividende erwarten können.

Von Christian Kahler - 11. Mai 2018

Dividende in Milliarden Euro. Quelle: FactSet, Zahlen beziehen sich auf die aktuelle Indexzusammensetzung.

Die großen deutschen Konzerne werden 2018 unseren Erwartungen nach knapp 49 Milliarden Euro und damit über 14% mehr als im Vorjahr an ihre Aktionäre ausschütten. Das liegt nicht zuletzt an der Aktienmarktkorrektur im Februar, welche dazu geführt hat, dass die Dividendenrenditen wieder gestiegen sind. Der DAX bietet zurzeit eine Dividendenrendite von 3,3%, was dem Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre entspricht und in einem Umfeld steigender Gewinne und Dividenden attraktiv erscheint.

Profitabilität der Unternehmen deutlich angestiegen

Auch relativ zu Anleihen bieten europäische Aktien einen deutlichen Renditeaufschlag. Dies gilt jedoch nur für Europa. In den USA ist die Zinswende bereits deutlich weiter fortgeschritten. Die Zinsen stehen hier deutlich höher als in Europa, wobei sich die Dividendenrenditen inzwischen wieder unter den Bondrenditen angesiedelt haben. Die deutschen Unternehmen sind finanziell gut aufgestellt und können somit überdurchschnittlich ausschütten. Wir gehen davon aus, dass rund 44% der Gewinne als Dividenden an die Aktionäre gehen werden. Dies ist etwas mehr als im Durchschnitt der letzten Jahre.

Allerdings ist die Profitabilität der Unternehmen in den letzten Jahren deutlich angestiegen, sodass die Unternehmen trotz der hohen Dividendenzahlungen auch die notwendigen Zukunftsinvestitionen noch tätigen können. Die Ausschüttungen sind durch die operative Entwicklung der Unternehmen finanziert und damit sehr solide. Frühindikatoren deuten auf eine anhaltend gute Konjunktur hin, wodurch die Ausschüttungen auch in den kommenden Jahren jeweils um rund 10% ansteigen sollten. Für Aktionäre bestehen also gute Aussichten auf höhere Einnahmen. In gut zwei Jahren könnten bereits 56 Milliarden Euro ausgeschüttet werden.

Sehr erfreulich ist, dass nur sieben der 110 Unternehmen im HDAX die Dividende kürzen, was rund 6% entspricht. Gleichzeitig zahlen elf Unternehmen keine Dividende, die Commerzbank ist der einzige DAX-Titel. Auf der anderen Seite haben über 68% der Unternehmen die Dividende zum Teil sehr deutlich angehoben. Da die Konjunktur weiterhin gut läuft, ist davon auszugehen, dass die Dividenden auch in den Folgejahren weiter ansteigen werden. Die Top-Dividendenzahler in diesem Jahr sind – absolut gesehen – Daimler und Allianz mit jeweils knapp vier Milliarden Euro, gefolgt von Siemens, Telekom und BASF mit jeweils über drei Milliarden Euro. Relativ gesehen bieten im DAX die höchsten Dividendenrendite RWE mit 9,2% (inklusive Sonderdividende), ProSieben (6,2%), Daimler (5,2%) und die Deutsche Telekom (5,0%).

DAX-Aussichten unverändert positiv

Wir empfehlen defensiv orientierten Investoren, weiterhin auf unsere „Dividen-denaristokraten“ zu setzen, d.h. Unternehmen, die kontinuierlich Dividende bezahlt und angehoben haben. Anlegern mit höherer Risikobereitschaft raten wir hingegen zu Aktien mit attraktiver Dividendenrendite und zusätzlichem Kurspotenzial. Denn die Auftragsbücher der deutschen Industrie sind dank wachsender Weltkonjunktur prall gefüllt, die Stimmung in der Wirtschaft ist so gut wie nie zuvor. Auch die anhaltenden Sorgen um den drohenden Protektionismus der Trump-Administration tun der guten Stimmung keinen Abbruch.

Dies spiegelt sich bei den Erwartungen für die Umsatz- und Gewinnentwicklung der DAX-Unternehmen wider. Analysten rechnen damit, dass in diesem und im nächsten Jahr die DAX-Gewinne um je 10% steigen werden. Aktienanalysten tendieren häufig dazu, Gewinnerwartungen zunächst zu positiv zu formulieren, meist ist die erste Schätzung dann zu optimistisch und muss revidiert werden.

Unternehmensgewinne expandieren wie erwartet

Berücksichtigt man jedoch das gesamte (volks-)wirtschaftliche globale Umfeld, welches durch eine gut laufende Konjunktur, eine äußerst freundliche Notenbankpolitik und politische Ruhe gekennzeichnet ist, stehen unseres Erachtens die Chancen diesmal nicht schlecht, dass 2018 und 2019 die Unternehmensgewinne tatsächlich im erwarteten Tempo expandieren. Steigen die Gewinne in den kommenden zwei Jahren tatsächlich um kumulierte 20%, könnte der DAX vom heutigen Niveau bis Anfang 2020 auf knapp 15.000 Punkte klettern, ohne dass sich die Bewertung auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses ausweiten würde. Sollte sich das DAX-KGV sogar wieder auf dem durchschnittlichen Bewertungsniveau der vergangenen zehn Jahre einpendeln (rund 13 KGV-Punkte), wären in zwei Jahren über 16.000 Punkte im DAX denkbar.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der DAX weiterhin in diese Richtung steigen wird, stufen wir als hoch ein. Neben der positiven Konjunkturentwicklung unterstützen auch die Notenbanken das positive Umfeld für Dividendenpapiere, sowohl auf Unternehmensseite (günstige Kredite) als auch auf Anlegerseite (keine Anlagealternativen). Trotz guter Fundamentaldaten ist jedoch auch zu erwarten, dass die Kursausschläge an den Aktienmärkten im Vergleich zum Vorjahr in der Zukunft zunehmen, auch weil die Markteilnehmer die vorherrschende Meinung sicherlich immer wieder in Frage stellen werden. Einen ersten (kleinen) Belastungstest lieferte die Marktkonsolidierung Anfang Februar, als die Kurse erst fielen und später Sorgen um eine steigende US-Inflation dafür verantwortlich gemacht wurden. Dennoch gibt es keine Gründe, direkt einen Crash vorherzusagen.

Licht am Prognosehorizont

Was wird sich bis zum Ende dieses Jahres tun? In den nächsten Zwischenetappen erwarten wir zunächst einen Anstieg des deutschen Leitindex auf 13.800 Punkte zur Jahresmitte und schließlich auf 14.000 Punkte per Jahresende 2018, unserem derzeit längsten Prognosehorizont, an dem ohne Zweifel Licht zu erkennen ist.

Christian Kahler

DZ Bank

Christian Kahler ist Chefanlagestratege der DZ BANK. Er ist seit 1999 für das Haus tätig, wo er zunächst als Analyst für US-Technologieaktien einstieg.

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