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Börse & Märkte

Handelsstreit mit USA schadet allen Beteiligten

US-Präsident Donald Trump setzt seinen Wahlspruch „America First“ mit einem beispiellosen Handelskrieg in die Tat um, in dem er hohe Strafzölle auf beliebte Importgüter aus Ländern wie China, Kanada oder der EU erhebt. Seine Angriffswut fußt jedoch auf einem wackeligen Fundament aus Halbwahrheiten, dreisten Behauptungen und plötzlichen politischen Kehrtwenden, welches ihm bald unter den Füßen hinweg brechen könnte.

Von Marco Bargel - 27. Juli 2018

Patriotisch weht die amerikanische Flagge vor dem Trump Tower in Chicago. Ob die Handelspolitik des Präsidenten seiner Nation jedoch nutzt oder schadet, bleibt abzuwarten. Bildnachweis: iStock.com/400tmax

Es gibt einige wenige Entwicklungen, die das Potenzial haben, den kräftigen und breiten Konjunkturaufschwung in Deutschland und anderen Ländern zu beenden. Eine davon ist der schwelende Handelsstreit mit den USA. Donald Trump hat seine lange angekündigten „Strafzölle“ umgesetzt und nun auch gegenüber der EU im Stahl- und Aluminiumbereich höhere Importabgaben eingeführt. Besonders betroffen von den Zollerhöhungen der USA sind daneben China, Kanada und Mexiko. Diese Länder sowie die EU haben jedoch bereits reagiert und ihrerseits die Importabgaben auf bestimmte US-Waren angehoben. Der US-Präsident wiederum drohte zuletzt mit einer Erhebung von Strafzöllen auf US-Importe im Automobilsektor, die vor allem deutsche Autohersteller empfindlich treffen würden.

Unter Politikern und Ökonomen tobt indes ein Streit über eine angemessene Reaktion auf die Handelspolitik der USA. Während die einen zur Mäßigung mahnen, um eine weitere Eskalation des Handelsstreits zu vermeiden, sehen andere den Verzicht auf eine Reaktion der EU als Einladung an Donald Trump, seine rücksichtslose Politik gegenüber befreundeten Staaten fortzusetzen. Allen Beteiligten dürfte dennoch klar sein, dass ein ausgewachsener Handelskrieg allen betroffenen Staaten massiv schaden würde. Höhere Importzölle führen zu einem Rückgang des Außenhandelsvolumens, Effizienz- und Einkommensvorteile durch internationale Arbeitsteilung gehen verloren.

Importzölle könnten für USA zum Bumerang werden

Eine überzeugende ökonomische Begründung für höhere Zölle lässt sich auch aus US-Sicht nicht finden. Denn es ist mehr als fraglich, ob die Effekte von Zollerhöhungen auf die eigene Wirtschaft in Zeiten einer weit vorangeschrittenen Globalisierung überhaupt noch verlässlich eingeschätzt werden können. Die Wertschöpfungskette in vielen Industrien kennt längst keine Grenzen mehr, sodass Importzölle für eine Volkswirtschaft auch ohne Vergeltungsmaßnahmen anderer Staaten sehr schnell zum Bumerang werden. Die Theorie lehrt, dass eine Volkswirtschaft nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen und auch nur bei Verzicht von Gegenmaßnahmen der Handelspartner durch die Erhöhung von Zöllen gewinnen kann. Eine solche Bedingung wäre zum Beispiel gegeben, wenn die USA über eine hinreichend große Marktmacht verfügten. Durch den mit einer Zollerhöhung verbundenen Nachfragerückgang in den USA könnte das globale Preisniveau der betreffenden Güter in diesem Fall sinken und die ansonsten zu erwartenden negativen Effekte für die US-Konsumenten blieben aus.

Amerikas Marktmacht schrumpft kontinuierlich

Möglicherweise glaubt Donald Trump daran, dass die USA immer noch eben jene Marktmacht besitzen, um eine solch einseitige Handelspolitik erfolgreich umzusetzen. Die Musik spielt aber längst woanders. Vor allem Schwellenländer sind in den vergangenen Jahrzehnten zu einem immer wichtigeren Absatzmarkt für die Industriestaaten geworden. Die USA sind zwar nach wie vor ein sehr großer, in seiner relativen Bedeutung aber stetig schrumpfender Markt. Der Anteil der US-Wirtschaft an der globalen Wirtschaftsleistung ist von gut 22 Prozent in den 1980er Jahren auf zuletzt 15 Prozent zurückgegangen. Damit einher geht eine sinkende Marktmacht, so dass auch die Möglichkeiten für die USA, sich durch eine einseitige Zollerhöhung besser zu stellen, abnehmen. Hierauf deuten Erfahrungen mit früheren Zollrunden hin. So hat die Einführung von „Strafzöllen“ auf den Import von Autoreifen aus China unter Präsident Obama im Jahr 2009 der Volkswirtschaft unter dem Strich geschadet.

Der Verweis Donald Trumps auf angeblich unfaire Handelspraktiken anderer Staaten und ein bilaterales Ungleichgewicht zulasten der USA führt ins Leere. Ein Blick auf die Außenhandelsstatistik vermittelt hier ein verzerrtes Bild, da sie die Aktivitäten international agierender Konzerne nicht vollständig abbildet. Zwar weisen die USA gegenüber China auf den ersten Blick ein massives Außenhandelsdefizit auf. Berücksichtigt man aber den Absatz von US-Unternehmen, die in China vor Ort produzieren, was in der Export-/Import-Statistik nicht berücksichtigt wird, kehrt sich das Defizit in einen Überschuss um. Auch im Fall der EU kann nicht von einem Defizit der USA die Rede sein, wenn neben dem Warenhandel auch der Handel mit Dienstleistungen sowie Gewinntransfers von US-amerikanischen Unternehmen eingerechnet werden. Der Begründung der US-Handelspolitik Trumpscher Prägung, die eine Benachteiligung der USA im Außenhandel unterstellt, wird damit der Boden entzogen.

Wider jegliche Logik

Es ist aber ohnehin fraglich, ob die Politik des US-Präsidenten einer ökonomischen bzw. rationalen Logik folgt. Donald Trump hat scheinbar erratisches, nicht berechenbares Verhalten zu seiner Doktrin erhoben. Ob er auf diese Art und Weise auf dem internationalen diplomatischen Parkett einen für die USA vorteilhaften Deal erzielt, darf bezweifelt werden. Es war vollkommen richtig, dass die EU auf die US-Strafzölle ihrerseits mit der Erhöhung von Importzöllen reagiert hat. Damit macht sie es den USA quasi unmöglich, sich auf Kosten anderer Staaten besser zu stellen, und erhöht den Druck auf den US-Präsidenten, eine einvernehmliche, für alle Beteiligten vorteilhafte Lösung zu finden. Auch wenn zunächst eine weitere Eskalation des Handelsstreits droht: Donald Trump hat bereits mehrfach gezeigt, dass plötzliche politische Kehrtwenden bei ihm jederzeit möglich sind.

Steht am Ende ein neues Freihandelsabkommen?

Am Ende der Auseinandersetzung könnte sogar eine Reduzierung der Zollsätze zwischen der EU und den USA oder ein neues transatlantisches Freihandelsabkommen stehen. Der globale Trend in Richtung Freihandel ist nämlich nicht beendet. Einiges spricht dafür, dass der aktuelle Handelsstreit nur ein vorübergehendes Phänomen darstellt und auch die USA ihre Handelspolitik angesichts des drohenden volkswirtschaftlichen Schadens bald ändern werden.

Dr. Marco Bargel

Postbank AG

Dr. Marco Bargel ist Chefvolkswirt der Postbank. Seine Aufgabenbereiche umfassen u.a. Analysen zu Konjunktur, Geldpolitik und Kapitalmärkten.

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