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Nachhaltigkeit aktiv annehmen

Berenike Wiener, Head of CSR & Sustainable Finance bei der Evangelischen Bank, über die Bedeutung ökologischer und sozialer Fragen im Finanzwesen, über neue Klima-Stresstests und wie eine Bank fit für die Zukunft wird.

Von Berenike Wiener - 30. April 2020
Wie gehen Banken am besten mit Nachhaltigkeitsrisiken um?

Foto: iStock.com/Feodora Chiosea

Auch wenn Bilder von schmelzenden Gletschern oder überschwemmten Gebieten schon jahrzehntelang präsent sind, schätzt die breite Öffentlichkeit erst seit einigen Monaten diese Bedrohung als so nah ein, dass nun dringend zum Handeln aufgerufen wird. Dieser Appell erreichte auch das Finanzwesen – wenngleich an einem europäischen Vorgehen bereits seit Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens und der UN-Agenda 2030 gearbeitet wurde.

Seit 2018 ist den meisten Akteuren in der Finanzbranche klar, dass sie in eine neue Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft genommen werden. Im März 2018 veröffentlichte die Europäische Kommission den „Aktionsplan: Finanzierung nachhaltigen Wachstums“. Das Dokument wirkte wie ein Paukenschlag auf die europäische Finanzwirtschaft und war der Start für eine geplante Neuausrichtung des Finanzmarkts.

Dem Aktionsplan folgten in kürzester Zeit Regulierungsvorhaben und -vorschläge, die allesamt darauf abzielen, Kapitalströme in nachhaltige Investitionen zu lenken, finanzielle Risiken im Hinblick auf den Klimawandel zu managen und für Transparenz zu sorgen.

Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken

Von Monat zu Monat wurden die Anforderungen für institutionelle Investoren, Banken und Vermögensverwalter konkreter. Besonders das im Dezember 2019 veröffentlichte „Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken“ der BaFin oder das verabschiedete „Gesetz zur Umsetzung der Aktionärsrechte-Richtlinie“ (ARUG II), in dem Vermögensverwalter aufgefordert werden, eine sogenannte Mitwirkungspolitik zu veröffentlichen, machen deutlich, welch hohen Stellenwert die Integration von Nachhaltigkeit im Finanzwesen bekommen hat.

Die Finanzakteure sollen und müssen verstärkt ihren Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und zum Klimaschutz leisten. Die Bedeutung ökologischer und sozialer Fragestellungen im Finanzwesen wird weiter zunehmen: Zählten für die BaFin bereits im Jahr 2019 „Nachhaltigkeitsaspekte im Bereich Asset Management“ zu den Aufsichtsschwerpunkten, legt sie im Jahr 2020 einen Fokus auf „Nachhaltige Geschäftsmodelle“ und eine „Nachhaltige Finanzwirtschaft“. Diese Ausrichtung der Finanzaufsicht verwundert insofern nicht, als dass sie konform zur Regulierungsdynamik auf europäischer Ebene verläuft.

„Im Finanzwesen wird die Bedeutung ökologischer Fragen weiter zunehmen.“

Die Frage ist: Wie kann ein Kreditinstitut wie die Evangelische Bank mit den neuen regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen umgehen? Die Antwort: optimistisch und ehrgeizig zugleich. Die bestmögliche Integration von Aspekten der Nachhaltigkeit, zu denen die Evangelische Bank ökologische, sozial-ethische und ökonomische Faktoren zählt, spielt schon seit vielen Jahren eine bedeutende Rolle.

Nachhaltigkeit bedeutet für die Bank sowohl eine strategische als auch eine gesellschaftliche Verantwortung und ist auf höchster Managementebene verankert. Der Erfolg gibt uns Recht, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit im Einklang stehen können.

Methoden zu Klima-Szenario-Analysen

Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass neue Herausforderungen auf uns und die Branche zukommen. Beispielsweise kündigte die European Banking Authority (EBA) Überlegungen zu neuen Klima-Stresstests an. Ebenso fordert die BaFin die überwachten Institute auf, sich mit Methoden zu Klima-Szenario-Analysen zu befassen.

Die Erarbeitung und Umsetzung dieser Analysen werden allein aufgrund des notwendigen Datenmaterials mit einem hohen Zeitaufwand verbunden sein. Die Evangelische Bank wird sich ehrgeizig, aber schrittweise der Auseinandersetzung und der Bewertung der Finanzrisiken in Bezug auf den Klimawandel nähern.

Die regulatorischen Anforderungen an institutionelle Investoren, Kreditinstitute und Vermögensverwalter werden weiter zunehmen. Diese grundlegende Veränderung ist deshalb begrüßenswert, weil damit bei vielen Akteuren ihr gesellschaftlicher und ökologischer Beitrag wieder stärker in den Vordergrund rücken wird. Für die Evangelische Bank war die unternehmerische Verantwortung schon immer mehr als eine, die nur auf Bilanzkennzahlen ausgerichtet ist. Wir sind überzeugt: Nur eine nachhaltige Bank ist fit für die Zukunft.

Tipp: Sie wollen mehr zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzbranche? Dann lesen Sie jetzt, warum Nachhaltigkeit mehr als nur grünes Geld ist oder darüber, warum jeder angelegte Euro Wirkung erzeugt.

Berenike Wiener

Evangelische Bank eG

Berenike Wiener ist Head of CSR & Sustainable Finance bei der Evangelischen Bank eG.

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