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Weniger Auto und Banken, mehr Hightech und Pharma

Senior-Portfoliomanager Andreas Strobl über die Bedeutung von mittelständischen Unternehmen in Zeiten von Corona, über Unbemerktes im deutschen Nebenwertesegment – und warum der Abgesang auf Deutschland ein bisschen früh kommt.

Von Andreas Strobl - 04. November 2020
Bedeutung von mittelständischen Unternehmen in der Corona-Krise

Foto: istock.com/miakievy

Die Stimmung im Hinblick auf die Lage Deutschlands schwankt derzeit zwischen Untergang und exzessiver Bewunderung. Auch wenn viele den Abgesang Deutschlands aufgrund der Probleme in der Autoindustrie angestimmt haben, verstärkten sich zuletzt die Anzeichen, dass Deutschland die Corona-Krise besser meistert als viele andere Länder.

Der Grund dafür liegt weder in einer extrem positiven oder negativen Betrachtungsweise, sondern vielmehr in den Grundcharakteristika des Landes. Deutschland ist ein stabiles, langsam wachsendes, aber zugleich erfolgreiches Land.

Das beruht vor allem auf zwei Säulen: dem dezentralen wirtschaftlichen und politischen System sowie der großen Zahl an hoch spezialisierten und flexiblen mittelständischen Unternehmen. Diese Faktoren werden leicht übersehen, wenn der Blick nur auf Exportquoten oder die Abhängigkeit von einzelnen Sektoren wie der Automobilindustrie gerichtet wird.

Mittelständische Unternehmen als Hidden Champions

Die Unternehmen des Mittelstands erwirtschaften mehr als jeden zweiten Euro der Nettowertschöpfung in Deutschland. Viele mittelständische Unternehmen haben sich dabei als Hidden Champions in Nischensegmenten positioniert – auch dank des deutschen Ökosystems von hoch qualifizierten Facharbeitern und Ingenieuren.

Dies sollte es den mittelständischen Unternehmen ermöglichen, mittelfristig attraktive Wachstumsraten zu erwirtschaften, die über dem Niveau von Großkonzernen liegen. Viele der mittelständischen Unternehmen in Deutschland befinden sich zudem noch teilweise in Gründerhand.

Dabei hat das Management in diesem Größenbereich viel mehr Einfluss auf die Unternehmensentwicklung als es bei Großunternehmen der Fall ist. Zusätzlich besteht eine größere Koppelung an die Interessen der Aktionäre. Die Eigentümer – geprägt von einem starken Unternehmergeist – halten konsequent Ausschau nach neuen und nachhaltigen Möglichkeiten zur Weiterentwicklung ihres Unternehmens.

Meist in deutlich längeren Zyklen

Eigentümergeführte Unternehmen denken meist in deutlich längeren Zyklen als größere Konzerne, selbst wenn dies kurzfristig der Maximierung des Profits entgegensteht. Eine nachhaltige Produkt- und Unternehmensentwicklung steigert zudem die Bindung der Mitarbeiter. Nur durch nachhaltiges Handeln im Einklang mit den Interessen aller Beteiligten kann der langfristige Unternehmenserfolg auch in der Zukunft gesichert werden.

Unterstützung erhalten die Unternehmen in Deutschland durch das Sozial- und Wirtschaftssystem. So verschaffen das Kurzarbeitergeld oder KfW-Kredite den Unternehmen besonders in Krisenzeiten eine größere Flexibilität. Diese Instrumente haben schon in der Finanzkrise positive Effekte gezeigt und sind im europäischen Vergleich ein Standortvorteil für die deutschen Firmen.

In Kombination mit den Reformen der Agenda 2010 und den soliden Finanzen Deutschlands ist man nun in der Lage, die Belastungen aus der globalen Corona-Krise besser zu meistern als viele der europäischen Nachbarn. Davon profitieren deutsche Unternehmen erheblich. Dies zusammen mit der Innovations- und Anpassungsbereitschaft des Mittelstands erlaubt es den Unternehmen, die großen strukturellen Veränderungen besser zu bewältigen.

Unternehmen sind Gewinner von strukturellen Megatrends

Viele Unternehmen – und auch deren Aktienkurse – sind zudem Gewinner von strukturellen Megatrends wie Digitalisierung und demografischer Wandel. Krisen wie die Finanzkrise oder die COVID-Pandemie führen dazu, dass sich strukturelle Trends beschleunigen.

IT-Systemhäuser profitieren seit geraumer Zeit vom Nachholbedarf im Bereich der Digitalisierung. Die aktuelle Krise zeigt, dass hoher Investitionsbedarf in der IT-Infrastruktur besteht. Pharma- und Medizintechnikunternehmen profitieren nicht nur langfristig von einer alternden Bevölkerung, sondern auch von einem signifikanten Bedarf an Testkapazitäten in Laboren und persönlicher Schutzausrüstung.

Gleiches gilt für die künftig effizientere Aufstellung der IT-Landschaften im Gesundheitswesen. Die aktuelle Krise bringt aber auch neue Verhaltensweisen hervor. Der Onlineversand von Kochboxen oder das verstärkte bargeldlose Bezahlen sind Trends, die durch die aktuelle Krise beschleunigt werden. Das wird auch dazu führen, dass die Aktienmärkte ihr Gesicht verändern werden.

In die erste Liga des deutschen Aktienmarkts

Denn vielfach fast unbemerkt ist im deutschen Nebenwertesegment eine Vielzahl – auch digitaler – Hidden Champions entstanden. Und sollte sich der IT-Trend fortsetzen, wird er auch das ein oder andere Unternehmen von dort nach ganz oben in die erste Liga des deutschen Aktienmarkts spülen.

Es sollte zu einer langsamen, aber wichtigen Strukturveränderung im deutschen Leitindex DAX kommen: weniger Auto, weniger Banken – mehr Hightech, mehr Pharma. Dies wird aber eher in Form einer Evolution statt einer Revolution geschehen. So wird einerseits manches Digitalunternehmen aufsteigen, andererseits werden Konzerne wie BASF oder Siemens aber auch nicht einfach verschwinden.

Alle Branchen müssen sich neu erfinden. Die Digitalisierung ist nicht nur ein Thema für Digitalunternehmen. Der DAX wird in der Konsequenz sicher digitaler werden. Damit könnte sich eine seit Jahren beklagte Strukturschwäche des DAX beheben: das Übergewicht von alten Industrien und von großen, schwerfälligen Banken und Versicherungen.

Aufsteigen werden Firmen, die mit ihren Produkten für langfristige Megatrends perfekt aufgestellt sind und eine führende Marktpositionierung aufgebaut haben. Es sind Unternehmen, die von klein auf durch einzigartige Produkte und Innovationen, intelligente Akquisitionen und operative Exzellenz stark wachsen konnten und das Potenzial haben, in die Champions League des deutschen Aktienmarkts aufzusteigen. Um von diesen Trends und der digitalen Evolution zu profitieren, gilt es, frühzeitig die möglichen Profiteure zu finden.

Tipp: Sie möchten mehr von unseren Marktkommentaren? Dann lesen Sie auch die Beiträge „Wird sich die große Marktparty von 1999 wiederholen?“ und „Wie ein Blitz aus heiterem Himmel – Europas Banken zu Beginn der Corona-Krise“.

Andreas Strobl

Berenberg

Andreas Strobl ist seit November 2016 Senior-Portfoliomanager bei Berenberg. Er studierte BWL an der LMU München. 2005 absolvierte er als Jahrgangsbester die Fortbildung zum CIIA (Certified International Investment Analyst) und CEFA (Certified European Financial Analyst).

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