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Nachhaltiges Wirtschaften von Banken – Beidhändigkeit ist gefragter denn je

Nachhaltiges Wirtschaften zahlt sich aus und ist mehr als nur eine lästige Pflichtaufgabe. Es ist eine Jahrhundertaufgabe. ­
Dabei geht es um nicht weniger als darum, die Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen zu erhalten. Banken stehen hier allerdings erst am Anfang eines langen Transformationsprozesses.

Von Bernd Hinrichs - 09. November 2021
Nachhaltigkeit Banken

Foto: iStock.com/klyaksun

Banken halten mit der Art und Weise, wie sie Kapitalströme lenken, Finanzprodukte gestalten, Finanzierungen ermöglichen und ihren eigenen Geschäftsbetrieb betreiben, einen sehr großen Hebel in ihren Händen, um die vor uns liegende Jahrhundertaufgabe zu bewerkstelligen. Dieser Verantwortung müssen sie gerecht werden, zumal der Einfluss der Wirtschaft auf die Öko- und Sozialsysteme gewichtig ist. Dabei sehen sie sich mit einem auf den ersten Blick kaum auflösbaren Dilemma konfrontiert.

Doppelte Anstrengungen nötig

Dieses Dilemma kann mit dem Wort „Ambidextrie“ umschrieben werden und meint Beidhändigkeit, also sowohl die Ausnutzung von Bestehendem als auch die Erkundung von Neuem. Was es genau damit auf sich hat, soll am folgenden Beispiel erläutert werden: Das Erkunden von Neuem ist die verstärkte Förderung von erneuerbaren Energien für die Herstellung von Strom und Wärme. Investitionen unter anderem in Wasserstoff-Technologien und der Umbau der Infrastrukturen erfordern erhebliche Investitionen und versprechen auskömmliche Renditen. Die Ausnutzung von Bestehendem bedeutet, auch weiterhin in Unternehmen der Kohleindustrie investiert zu sein und neue Anlagen zu finanzieren.
Das Fatale daran ist, dass mittlerweile alle wissen, dass die bei der Produktion von Strom und Wärme aus Gas, Braun- und Steinkohle entstehenden Treibhausgasemissionen zur Erderwärmung beitragen. Und Fakt ist auch, dass Deutschland sich zum Ziel gesetzt hat, bis 2045 klimaneutral zu sein. Was wiederum bedeutet, dass die Anstrengungen der letzten 30 Jahre nicht nur fortgesetzt, sondern verdoppelt werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen.
Mit dem verabredeten Ausstieg aus der Kohlenutzung sind Banken gefordert, bestehende Engagements auslaufen zu lassen und die Finanzierungen für den Bau neuer Kraftwerke oder Anlagen abzulehnen. Wie ambitioniert Banken beabsichtigen genau das zu tun, kann in ihren Kreditvergaberichtlinien beziehungsweise in ihren Nachhaltigkeitsberichten nachgelesen werden.

Jonglieren mit Nachhaltigkeit und „altem“ Geschäft

Um in dem oben skizzierten Bild der Beidhändigkeit zu bleiben: Die eine Hand jongliert mit neuen Anforderungen und Leitlinien, um den eigenen Geschäftsbetrieb nachhaltiger zu gestalten und um Unternehmen mit nicht nachhaltigen Geschäftsmodellen dazu zu bewegen, ihren Umbau schneller und nachhaltiger voranzutreiben. Das bedeutet aber auch, im Zweifel auf Geschäft zu verzichten.
Die andere Hand jongliert mit der alten Art und Weise, Geschäfte zu machen. Diese Hand muss mit den zunehmenden Nachhaltigkeitsrisiken umgehen lernen und auch Entscheidungen treffen, die dem Ziel einer kohlenstofffreien Wirtschaft zuwiderlaufen. Banken, die so agieren, befinden sich auf dem Transformationspfad „Alt“ verdient „Neu“. Denn die mit dem alten Geschäft zu erwirtschaftenden Erträge sichern auch die Zukunft der Banken, weil diese Erträge den eigenen Umbau hin zu einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Bank mit ständig wachsenden Anforderungen (unter anderem Offenlegungs- und Taxonomie-Verordnung) quer-subventionieren.

Raus aus der Zwickmühle

Solange Banken Nachhaltigkeit nur als eine neue Art ansehen, Gewinne zu erwirtschaften, werden sie noch viele Jahre in der Zwickmühle namens Ambidextrie verharren. Wenn sie aber bereit sind, Verantwortung für die Lösung der Jahrhundertaufgabe zu übernehmen, dann können sie sich nur glaubwürdig bei ihren Kunden mit dem Fokusthema Nachhaltigkeit positionieren, wenn sie ihr Anspruchsniveau deutlich über dem eines Pflichtprogramms ansiedeln. Nur so laufen sie nicht Gefahr, in den Verdacht von Greenwashing zu kommen.
Das bedeutet aber auch, dass sie Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie fest verankern, wirklich nachhaltigere Finanzprodukte entwickeln sowie ihre Mitarbeiter und Führungskräfte zu authentischen Verbündeten in der Sache machen müssen. Eine – wie ich finde – spannende Reise für und in eine bessere Zukunft.

Tipp: Sie möchten mehr zum Thema Nachhaltigkeit lesen? Dann erfahren Sie hier mehr zu wie man emmissionsarme Mobilität auf die Straße bringt oder, ob grüne Geldpolitik eine utopische Idee ist.

Bernd Hinrichs

crossconsulting GmbH

Bernd Hinrichs ist Senior Expert Nachhaltigkeit bei der crossconsulting GmbH.

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