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Was mit dem digitalen Euro auf Banken und Verbraucher zukommt

Aus „ob“ ist „wann“ geworden: Der digitale Euro kommt und mit ihm einige Veränderungen. Für Verbraucher, Unternehmen und Geschäftsbanken sollten hier jeweils andere Aspekte im Vordergrund der Überlegung stehen. Payment-Experte Maximilian Schmidt fasst zusammen.

Von Maximilian Schmidt - 22. Juli 2022
Euro, digitalen Euro

Foto: iStock.com/peterschreiber.media

Der in zahlreichen Ländern wachsende Bedeutungsverlust von Bargeld als Zahlungsmittel bewegt viele Zentralbanken dazu, sich mit der Einführung einer digitalen Zentralbankwährung auseinanderzusetzen. Darunter auch die Europäische Zentralbank (EZB), die eine finale Entscheidung über die Einführung des digitalen Euro als Central Bank Digital Currency (CBDC) im Jahr 2023 zu treffen gedenkt. Eine Umsetzung könnte laut Experten frühestens in 2026, wahrscheinlicher jedoch erst in 2028, abgeschlossen sein.

Bei der digitalen Währung gilt etwas, was für die erfolgreiche Einführung aller neuen Produkte gilt: Die Akzeptanz und folglich ihr Nutzen für den Verbraucher muss eine wesentliche Triebfeder in den Überlegungen der Verantwortlichen sein. Auch für Unternehmen sollte ein Mehrwert daraus entstehen. Viele Geschäftsbanken sehen die Gefahr, dass ein digitaler Euro sie verdrängen könnte. Allerdings betont die EZB, dass sie an der Zweistufigkeit festhalten möchte und keine direkte Beziehung zum Kunden anstrebt.

Nicht nur digital, sondern auch instant, international und kostenlos

Angestrebt wird hingegen, in einer Wallet ein digitales Konterfei des physischen Euro in der Geldbörse zu kreieren. Ob ausschließlich Geschäftsbanken oder auch Nicht-Banken die Wallets anbieten dürfen, ist noch nicht geklärt. In den Wallets sollen alle Vorzüge des Bargelds abgebildet werden. Folglich werden Transaktionen sofort verbucht, im gesamten Euro-Raum und möglichst darüber hinaus anerkannt und sind gebührenfrei.

Die POS-Transaktionen werden on- wie auch offline, etwa via Bluetooth ausführbar sein. Als Medium dient vorzugsweise das Mobilgerät, allerdings ist auch eine analoge Zahlkarte denkbar. Der digitale Euro bietet an dieser Stelle also alle Vorteile einer Bargeldtransaktion, plus der Anwendungsmöglichkeiten im E-Commerce.

Anonym wie Bargeld

Um breite Akzeptanz unter den Verbrauchern zu schaffen, bedarf es allerdings weiterer Mehrwerte, die sich vom Angebot der Privatwirtschaft abheben. Digitale Zahlverfahren, die instant und kostenfrei auch grenzüberschreitend genutzt werden können, werden von Dienstleistern wie PayPal bekanntlich bereits angeboten.

Der für Verbraucher negative Nebeneffekt bei derlei Anbietern ist jedoch, dass die Transaktionsdaten ebenso wie bei Kartenzahlungen für den jeweiligen Dienstleister beziehungsweise das Kreditinstitut transparent sind und valide Informationen zum Verbraucherverhalten liefern. Darin liegen für Unternehmen wiederum enorme Ertragspotentiale, weshalb diese Daten zum Zwecke der Kommerzialisierung zunehmend auswertbar gemacht werden.

Beim digitalen Euro verhält es sich anders, wenn man den Statements der EZB Glauben schenken darf. Zwar müssen diese für eine adäquate Buchhaltung auf einem zentralen Kontensystem abgelegt werden, allerdings hat die EZB als Non-Profit-Institution keinerlei Anlass zur wirtschaftlichen oder kommerziellen Nutzbarmachung der Daten. Auch eine Eigennutzung aus Marketing- oder Akquirierungsinteressen kommt für die Währungshüter nicht in Frage. Da Verbraucher laut verschiedenen Studien viel Wert auf Datenschutz und Anonymität legen, kann der digitale Euro die privatwirtschaftlichen Dienstleister hier also ausstechen.

Marktmacht der Anbieter limitiert

„In einer immer digitaler werdenden Wirtschaft müssen wir auch die Stärke und Unabhängigkeit europäischer Zahlungsverkehrssysteme sicherstellen.“ Mit diesen Worten begründet EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Notwendigkeit zum digitalen Euro und nimmt damit den oligopolistischen Markt der europäischen Payment-Anbieter ins Visier.

Big Techs wie Apple, Google oder auch PayPal besitzen aufgrund ihrer breiten Akzeptanz und Nutzung eine hohe Marktmacht und wissen diese auch zu ihrem Vorteil einzusetzen. Das populärste Beispiel ist Apple, die ihre NFC-Schnittstelle auf das kontaktlose Bezahlen mit Apple Pay begrenzen, um Wettbewerber von ihrem Endgerät auszuschließen.

Der digitale Euro limitiert die Marktmacht der Anbieter, auch und gerade mit Blick auf die Preispolitik. Transaktionen mit ihm werden kostenfrei in der bestehenden Payment-Infrastruktur angeboten. Der Verbraucher behält somit die Freiheit, seinen Zahlungsdienstleister selbst zu wählen, hat jedoch stets die kostenlose Zahlungsfunktion des digitalen Euro als Alternative. Wie Big Techs darauf reagieren, wird auch für Banken spannend zu beobachten sein.

Eine wünschenswerte Alternative?

Wenn der digitale Euro kommt – und laut einhelliger Expertenmeinung ist die Frage mit „wann“ und nicht „ob“ zu verstehen – steht Verbrauchern ein kostenloses, anonymes, wertstabiles, grenzüberschreitendes Standardzahlverfahren mit sofortiger Verbuchung zur Verfügung. Für Verbraucher eine wünschenswerte Alternative, für Banken sehr wahrscheinlich eine massive Veränderung.

TIPP: Sie möchten mehr zum Thema Payment lesen? Dann erfahren Sie hier, wieso die Kombination von Instant Payments und Request to Pay gewinnbringend für Europa ist oder hier, warum Payment auf die Tagesordnung der Politik gehört.

Maximilian Schmidt

Sparda-Bank Nürnberg eG

Maximilian Schmidt ist Fachreferent für KontoServices und Payment mit Schwerpunkt Payment und Kartenmanagement bei der Sparda-Bank Nürnberg eG.

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